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Im Geiste der Genauigkeit Das Thomas-Mann-Archiv der ETH Zürich 1956-2006 Herausgegeben von Thomas Sprecher 2006. 576 Seiten
mit 76 z.T. vierfarbigen Abbildungen Nach dem Tode Thomas Manns am 12. August 1955 beschlossen die Erben von Thomas Mann, seinen literarischen Nachlaß und die Ausstattung des letzten Arbeitszimmers der Eidgenössischen Technischen Hochschule zu schenken. Die Freude am Geschenk war groß, aber: Waren die Dokumente eines Schriftstellers bei einer Technischen Hochschule gut aufgehoben? Welchen Status konnte ein Schriftstellerarchiv innerhalb der ETH einnehmen? Welche administrativen, finanziellen, räumlichen, personellen Vorkehrungen waren zu treffen? Worin bestanden überhaupt die Aufgaben des Archivs für die Zukunft? Alle diese Fragen mussten in einem langen Selbstfindungsprozeß beantwortet werden. 1956
wurde das Thomas Mann-Archiv gegründet. Schon sehr bald wurde es zur
bedeutendsten Thomas-Mann-Gedächtnisstätte und zum Anziehungspunkt und
unverzichtbaren Arbeitsinstrument für Literaturwissenschaftler aus aller
Welt. 1962 wurde
das Archiv aus der ETH-Bibliothek herausgelöst und zu einem selbständigen
Institut der ETH. Mit Hans Wysling, der sein Amt am 16. April 1962 antrat,
begann wissenschaftlich eine neue Ära, nämlich, wie er es 1986 selbst
genannt hat, die „positivistische Explorationsphase der sechziger
Jahre“: eine Beschäftigung mit Thomas Manns Werk aufgrund von
eingehender Quellenforschung. So wurde in diesen Jahren neben vielen
andern Publikationen die Reihe der Thomas-Mann-Studien (ab 1967) begründet.
Stets orientierte sich die Arbeit des Archivs an dem Credo, das Paul
Scherrer 1961 anläßlich des Umzuges des Archivs in das Bodmerhaus
formulierte: „Nichts liegt uns ferner, als eine Kultstätte aufzubauen,
worin Wahrheit unterdrückt und ein Götzenbild errichtet würde. Jede
einseitige Stilisierung des Thomas-Mann-Bildes bleibt uns fremd.“ Das Thomas Mann-Archiv wurde 2006 Jahr fünfzig Jahre alt - Anlaß für einen Rückblick, eine Standortbestimmung und Zwischenbilanz. Seine Lebensarbeit, schrieb Thomas Mann 1955, sei "im Geiste einer Genauigkeit hergestellt", die sie "gegen jede kleine Verderbnis empfindlich" mache. Diesem Geist fühlt sich das TMA seit je verpflichtet. |