|
|
Katrin Max: Zur Funktion von Krankheitsmotiven in "Buddenbrooks" 2008. 412 Seiten
mit 10 Abbildungen. Ln € 69.- In „Buddenbrooks“ wird der Verfall einer Familie aus verschiedenen Perspektiven dargestellt. Die medizinische Dimension verdient dabei besondere Aufmerksamkeit. Nur im Kontext zeitgenössischer Degenerationskonzepte ist zu verstehen, warum sich der Niedergang der Buddenbrooks auf die geschilderte Art und Weise vollzieht. Dadurch werden Erklärungen sowohl für die Erscheinungsformen des Verfalls gegeben – etwa für Christian Buddenbrooks seltsame "Qual" in der linken Seite oder für Thomas Buddenbrooks "Tod an einem Zahne" – als auch für die Ursachen dieses Prozesses. Mit dem Fortschreiten des gesetzmäßig inszenierten Niedergangs des Biologischen erschließt sich der Roman zunehmend in mythologischen Kontexten. Hierbei zeichnen sich die weiblichen Figuren durch die Konstanz ihrer jeweiligen Konstitution aus, womit sie den Verfall der männlichen Figuren kontrastieren. Medizinische Aspekte stehen im Text nicht isoliert. Durch ihre vielfältigen Bezüge ermöglicht ihre Berücksichtigung bei der Interpretation des Romans vielmehr neue Einsichten. So weist der biologische Verfall auffallende Parallelen zu Schopenhauers Erblichkeitskonzeption auf. Ferner kann die religiös-moralische Komponente des Degenerationsgeschehens im Kontext der Lübecker Katechismen gedeutet werden. Nietzsches Forderung einer Übertragung ins Bürgerliche wird dabei auch im Hinblick auf die biblische Geschichte entsprochen, so dass sich der Roman nicht zuletzt als – freilich ironisch reflektiertes – Erbsünden-Exempel erweist. Katrin Max ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medizingeschichte der Universität Würzburg. |