"Die mathematischen
Probleme der sogenannten Grundlagen der Mathematik liegen für uns der
Mathematik so wenig zu Grunde, wie der gemalte Fels die gemalte Burg trägt."
Für Wittgenstein haben als 'grundlegend' gedachte mathematische
Bemühungen, wie sie sich in den logizistischen Systemen Freges und
Russells, der Mengentheorie und der nach Konsistenzbeweisen für solche
Systeme suchenden Beweistheorie Hilberts zeigen, keineswegs einen
nennenswerten grundlegenden Charakter, sondern es handelt sich bei ihnen um
normale Stücke Mathematik wie andere auch. Im Teil III der Bemerkungen
über die Grundlagen der Mathematik entwickelt er seine Kritik an jenen
Grundlegungsansprüchen in vielfältigster Weise, und dieser Kommentar
zeichnet seine Gedankengänge in all ihren Verästelungen nach. Dabei wird
nicht nur der veröffentlichte Text berücksichtigt, sondern auch sämtliche
relevanten Nachlasspassagen, aus denen er hervorgegangen ist und ohne die er
teilweise gar nicht verstanden werden kann.
Der Kommentar ist sowohl
kritisch als auch konstruktiv: Mängel werden als solche benannt und
Ergänzungen und Verbesserungen vorgeschlagen, wenn es möglich erscheint.
Das Ergebnis sind Wittgensteinsche Gedankengänge, die ungleich
überzeugender und vernünftiger sind, als dies bislang in der Literatur
über Wittgensteins Philosophie der Mathematik sichtbar war.
Felix Mühlhölzer ist
Professor für Philosophie an der Universität Göttingen.