Eine Veröffentlichung des
Max-Planck-Instituts 
für europäische Rechtsgeschichte

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Als die Welt in die Akten kam

Prozeßschriftgut im europäischen Mittelalter

Herausgegeben von Susanne Lepsius 
und Thomas Wetzstein

2008. VIII, 490 Seiten
Kt einzeln € 98.-, im Abonnement € 88.20
ISBN 978-3-465-04028-6
Rechtsprechung Band 27

Herrschaft artikulierte sich während des Mittelalters in besonders ausgeprägter Weise in Form der Rechtsprechung. Erst vom späten 12. Jahrhundert an wird allerdings die Praxis geistlicher und weltlicher Gerichtstätigkeit durch eine gewachsene Verschriftlichung zunehmend über Quellen zugänglich. Bis vor wenigen Jahren kaum beachtet, zieht das Prozeßschriftgut vermehrt das Interesse von Historikern und Rechtshistorikern auf sich. Dabei standen bislang vor allem inhaltliche Aspekte im Vordergrund. Dieser Band rückt dagegen Entstehungsvoraussetzungen und Überlieferungszusammenhang des Prozeßschriftgutes in den Mittelpunkt und erhebt diese besondere Quellengattung selbst zum Forschungsgegenstand, indem er aus transdisziplinärer Perspektive Gemeinsamkeiten und Unterschiede einer europäischen Universalie in den Blick nimmt.

Aus dem Inhalt

I. Gerichtsverfahren zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit

Richard H. Helmholz: Quoniam contra falsam (X 2.19.11) and the Court Records of the English Church

Marita Blattmann: Beobachtungen zum Schrifteinsatz an einem deutschen Niedergericht um 1400: die Ingelheimer Haderbücher


II. Streitige Verfahren vor städtischen Gerichten

Petra Schulte: Schriftgebrauch im Comasker Zivilprozeß des 13. Jahrhunderts: statutarische Norm und klösterliche Überlieferung

Daniel L. Smail: Aspects of Procedural Documentation in Marseille (14th–15th Centuries)


III. Streitige Verfahren vor kirchlichen Gerichten

Christina Deutsch: Acta, Registra und Manualia consistorii. Die institutionelle Struktur des Regensburger geistlichen Gerichts und die Ordnung des Prozeßschriftgutes (15.–16. Jh.)

Hans-Jörg Gilomen: "… facto realiter in scriptis": Schriftlichkeit und Mündlichkeit im Verfahren vor der Basler Konzilsrota


IV. Kirchliche Strafverfahren

Thomas Scharff: Erfassen und Erschrecken. Funktionen des Prozeßschriftguts der kirchlichen Inquisition in Italien im 13. und frühen 14. Jahrhundert

Julien Théry: Faide nobiliaire et justice inquisitoire de la papauté à Sienne au temps des Neuf: les recollectiones d’une enquête de Benoît XII contre l’évêque Donosdeo de’ Malavolti (ASV, Collectoriae 61A et 404A)


V. Verfahren vor Obergerichten

Christine Magin: Schriftlichkeit und Aktenverwaltung am Kammergericht Kaiser Friedrichs III.

Susanne Lepsius: Kontrolle von Amtsträgern durch Schrift. Luccheser Notare und Richter im Syndikatsprozeß