Jana
Osterkamp:
Verfassungsgerichtsbarkeit in der Tschechoslowakei (1920-1939)
Verfassungsidee
- Demokratieverständnis - Nationalitätenproblem
2009.
X, 310 Seiten
Kt einzeln € 79.-, im Abonnement € 71.10
ISBN 978-3-465-04073-6
Studien zur europäischen Rechtsgeschichte Band 243
Mit der
tschechoslowakischen Verfassung des Jahres 1920 entstand in der Geschichte
der europäischen Verfassungsgerichtsbarkeit ein neuer „Prototyp“: Weltweit zum ersten Mal wurde
ein besonderes Gericht geschaffen, das grundsätzlich jedes verfassungswidrige Gesetz für nichtig erklären konnte.
Im Gegensatz zum Wiener Verfassungsgerichtshof geriet das
tschechoslowakische Verfassungsgericht allerdings in Vergessenheit. Diese Arbeit rekonstruiert aus bislang
unerschlossenen Archivquellen erstmals dessen Geschichte. Neben einer
Analyse seiner wichtigsten Entscheidungen wird der vielstimmige
Begleitchor der rechtswissenschaftlichen Debatten zur Verfassungsgerichtsbarkeit dargestellt. Methodisch anspruchsvoll bezog er
naturrechtliche, gesetzes- und verfassungspositivistische Ansätze, aber auch die Neuerungen der Reinen Rechtslehre bzw. der Brünner
Schule ein. Ein Verfassungsvergleich mit Österreich und der Weimarer Republik zeigt innovatives
Potential, aber auch hemmende Strukturen der tschechoslowakischen
Verfassungsgerichtsbarkeit auf.
Die Autorin rückt im
Spiegel der Verfassungsgerichtsbarkeit zugleich die politischen Probleme
der Zeit in das Blickfeld: die Auseinandersetzungen um parlamentarische
Demokratie und Ermächtigungsgesetze, die Wirtschaftskrisen, den Einfluss
der politischen Parteien, den Machtverlust des Parlaments und nicht
zuletzt die Nationalitätenfrage, die in der politischen Entwicklung des
Jahres 1938 kulminierte.
Die Arbeit
wurde 2008 mit dem Werner Pünder-Preis ausgezeichnet. Jana Osterkamp ist
wissenschaftliche Mitarbeiterin und Bibliotheksreferentin des Collegium
Carolinum München.
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