|
Eine Veröffentlichung des
Max-Planck-Instituts
für Europäische Rechtsgeschichte

Dieses
Buch bestellen
"Mit der vorliegenden sorgfältigen
und umfassenden Darstellung wird nicht nur eine Lücke in der
rechtshistorischen Russlandforschung geschlossen, sondern auch ein
wichtiger Beitrag zur heutigen Diskussion in Russland geliefert."
Osteuropa
Recht
|
Tatjana
Mill:
Zur Erziehung verurteilt
Die
Entwicklung des Jugendstrafrechts im zaristischen Russland 1864-1917
2010.
XII, 396 Seiten
Kt einzeln € 89.-, im Abonnement € 80.10
ISBN 978-3-465-04100-9
Lebensalter und Recht. Herausgegeben von Stefan Ruppert. Band 3
Studien zur europäischen Rechtsgeschichte Band 250
Die gesellschaftliche Erfahrung
jugendlicher Delinquenten und der Jugend insgesamt zeichnet sich durch die
Unbeständigkeit und den ständigen Wandel aus. Gegen Ende des 19.
Jahrhundert setzte sich das neue Verständnis von Jugend durch, das sich
unter anderem auch in den Bestrebungen der Juristen und Kriminalpolitiker,
die strafrechtliche Behandlung der Jugendlichen zu reformieren,
ausdrückte. Von der Humanität der Epoche der Aufklärung gingen die
Juristen zur Bewältigung der kriminalpolitischen Erfordernisse der Zeit
der Industrialisierung über. Nicht die Milderung der allgemeinen Strafen,
sondern die Zweckmäßigkeit der staatlichen Reaktion auf die Straftaten
der Minderjährigen wurde zur Hauptforderung der Reformer des ausgehenden
19. Jahrhunderts.
Beispielhaft für die neue Wahrnehmung
der jugendlichen Delinquenten stehen die in Russland ab 1864
stattfindenden Reformen im Bereich der Jugendkriminalität. Die Studie
beleuchtet im Einzelnen die Modernisierung der Gesetzgebung, die
Pädagogisierung des Strafvollzugs und die jugendspezifische Gestaltung
des Gerichtsverfahrens. Dabei wird ausführlich auf die theoretische Basis
der Reformen eingegangen. Die juristischen Diskurse und Reformvorschläge
werden nach ihrer ideengeschichtlichen Herkunft unter Berücksichtigung
der gegen Ende des 19. Jahrhunderts stattfindenden Internationalisierung
des Strafrechts und der Kriminalpolitik analysiert. Das besondere
Augenmerk richtet sich dabei auf den Ideen- und Rechtstransfer von Westen
nach Russland und die internationale Gemeinschaftsarbeit russischer
Juristen mit ihren westlichen Kollegen.
|