Studien zu Policey
und Policeywissenschaft
Herausgegeben von Michael Stolleis
und Karl Härter
Im Max-Planck-Institut für Europäische Rechtsgeschichte
(Frankfurt am Main) wird seit 1992 an einem großen Repertorium der Policeyordnungen der
frühen Neuzeit gearbeitet. Dabei sind Monographien entstanden, die das Repertorium unter
speziellen Forschungshypothesen nutzen oder sich wissenschaftsgeschichtlich mit dem Thema
der frühneuzeitlichen "Policey" auseinandersetzen. Sie illustrieren aus
unterschiedlichen Perspektiven, welcher Reichtum an rechts- und kulturgeschichtlichen
Informationen in dem Repertorium enthalten ist.
In Vorbereitung:
Landesordnung
und Gute Policey in Bayern, Salzburg und Österreich
Sigrid
Schieber: Normdurchsetzung im frühneuzeitlichen Wetzlar
Zuletzt in dieser
Reihe erschienen
Martin P.
Schennach: Jagdrecht, Wilderei und 'gute Policey'
Martin P.
Schennach:
Jagdrecht, Wilderei und 'gute Policey'
Normen und ihre Durchsetzung
im frühneuzeitlichen Tirol
2007. VIII, 340 Seiten. Kt
€ 49.-
ISBN 978-3-465-04023-1
Studien zu Policey und Policeywissenschaft
Das Jagdrecht und die
unbefugte Jagdausübung (Wilderei) wurden von jüngeren Forschungen zur
"guten Policey" nur am Rande thematisiert. Eine Besonderheit,
die der Regelungsgegenstand "Jagd" mit der Forstgesetzgebung
teilt, bleibt aber deutlich greifbar: die Konfliktanfälligkeit. Während
in anderen Bereichen des Policeyrechts zwischen Landesfürsten,
Landständen und Normadressaten ein grundsätzlicher Konsens über das
anzustrebende Regelungsziel bestand und der "gemeinsame Nutzen"
unwidersprochene Leitkategorie der legislativen Tätigkeit war, zeigt sich
beim Jagdrecht ein klarer Interessengegensatz zwischen Landesfürst und
ländlicher Bevölkerung.
Die auf das 16. Jahrhundert
fokussierte Untersuchung legt dar, wie die habsburgischen Landesfürsten
durch zunehmende Betonung des Regalitätscharakters der Jagd andere
Jagdgerechtigkeiten - vor allem der bäuerlichen Bevölkerung -
nivellieren wollten. Dies sorgte gerade (aber nicht nur!) in den
Jahrzehnten vor den Bauernkriegen für erhebliche Spannungen. Der Frage
der Sanktionierung von Wilderei wird mit der Untersuchung von
Zuständigkeiten, Verfahren, verhängten Strafen und
Strafbemessungsgründen nachgegangen. Dabei zeigt sich, daß die massiven
Strafverschärfungen auf normativer Ebene in der Rechtspraxis des 16.
Jahrhunderts nahezu keinen Niederschlag fanden.
Ausgezeichnet mit dem Franz-Gschnitzer-Preis
2007 der Universität Innsbruck.
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