Vittorio E. Klostermann

Kommt das E-Book?

Es ist zehn Jahre her, dass in Feuilletons und Branchenpresse aufgeregte Artikel einen Boom von E-Books ankündigten. Aber schon 2001 war davon keine Rede mehr, und das aus gutem Grund: die Geräte, die die Industrie damals auf den Markt brachte, waren dem Buch zu deutlich unterlegen. Ihr großer Speichervorteil konnte nicht den Nachteil des schummerigen Displays kompensieren, das bestenfalls für das Lesen in geschlossenen Räumen geeignet war. 

Doch technisch hat sich etwas getan: Die "elektronische Tinte" der Firma E-Ink hat nach langen Jahren der Entwicklung endlich Marktreife erlangt. Das neue ePaper benötigt keine Hintergrundbeleuchtung mehr, es lässt sich wie traditionelles Papier lesen. Nur für das Umpolen der winzigen Tintenkügelchen im "Papier" wird noch Energie benötigt, nicht mehr zum Halten des Zustandes. Anders ausgedrückt: ePaper benötigt nur beim virtuellen Umblättern Strom, und die Akkus halten bei normaler Benutzung mehrere Tage. 

Das mit dieser Technik arbeitende "Kindle"-Lesegerät, das Amazon in den U.S.A. auf den Markt gebracht hat, findet zunehmend Verbreitung, und viele Literaturverlage dort bieten inzwischen neben dem gedruckten Buch auch den Download über Amazon an. Das "Kindle" ist ein proprietäres System, und es lässt sich (noch) nicht in Europa nutzen. Aber es könnte einen Kult-Status erlangen wie der ebenfalls proprietäre Ipod. Und es zeigt einen Wandel: dass eine neue Generation bereit ist, selbst längere Texte auf dem Bildschirm zu lesen, wenn dieser Bildschirm etwas taugt. 

In Europa gibt es derzeit zwei Lesegeräte mit ePaper, das französische CyBook und das niederländische iLiad. Für die Arbeit mit den PDF-Dateien wissenschaftlicher Bücher, wie sie z.B. über Ciando angeboten werden, sind sie noch nicht geeignet. Dem CyBook fehlt die notwendige Zoom-Funktion, und beide Geräte erlauben noch keine Volltextsuche. Aber eine nächste Version ist schon zum Jahresende angekündigt.

Wir werden in den nächsten Monaten einige Werke zum Download anbieten und Erfahrungen sammeln. Möchten Sie informiert werden? Dann genügt eine kurze E-Mail an m.warny@klostermann.de.

Ihr Vittorio E. Klostermann (Herbst 2008)