Verantwortlich:Achim Oßwald
Ab Heft 4 (1997) der Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie werden die Rezensionen der Rubrik online zugänglich gemacht.
Die von der amerikanischen MLA herausgegebene MLA International Bibliography of Books and Articles on the Modern Languages and Literatures (MLAIB) ist die mit Abstand umfassendste periodische Fachbibliographie für den Bereich der Sprach- und Literaturwissenschaft. Seit 1921 erscheint die Bibliographie jährlich in einer Print-Version unter wechselnden Titeln und Konzepten. Sie erfaßt Sekundärliteratur zu allen modernen Literaturen und Sprachen (incl. Kunstsprachen), zur allgemeinen Sprach- und Literaturwissenschaft und zur Folklore. Pro Jahr werden ca. 45.000 Verweise auf Dokumente aufgelistet. Die MLAIB wertet über 3.000 wissenschaftliche Zeitschriften aus. Es bestehen keine Beschränkungen bezüglich des Herkunftslandes der Dokumente.1
Das Arbeiten mit der Print-Version gilt als recht mühsam. Hauptkritikpunkt an der Bibliographie ist die Anlage nach Nationalliteraturen und Epochen. Um im Hauptband, den Classified Listings, einen Autor zu finden, muß man wissen, zu welcher Nationalliteratur er gehört und wann er gelebt hat. Bei Autoren, die nicht eindeutig einer Nationalliteratur zuzuordnen sind (z. B. Doris Lessing, Salman Rushdie), oder Staaten, in denen Literatur in mehreren Sprachen verfaßt wird (z. B. Kanada, Nigeria), führt diese Anlage zu Problemen und Unstimmigkeiten, zumal jedes Dokument nur einmal verzeichnet ist und Verweisungen in den Classified Listings nicht vorgenommen werden. Der Benutzer muß daher seine Recherche stets im Registerband, dem Subject Index, beginnen, sich hier alle Nummern der relevanten Dokumente aufschreiben, um dann in den Classified Listings die Volleinträge zu finden. Einige Suchvorgänge, wie etwa die Suche nach Dokumenten mit einem spezifischen literaturtheoretischen Ansatz, sind in der Print-Version überhaupt nicht möglich.
Zusätzlich zur Print-Version wird die MLAIB seit 1992 als SilverPlatter CD-ROM angeboten.2 Die SilverPlatter MLAIB CD-ROM erscheint viermal im Jahr. Jedes Update enthält die kumulierte Datenmenge. Das Produkt wird nur geleast, d.h. bei einer Kündigung des Abonnements muß auch die letzte CD-ROM vernichtet werden. Eine Archivierung der MLAIB auf CD-ROM ist somit nicht erlaubt. Zur Zeit enthält die CD-ROM alle Einträge der Print-Version ab Berichtsjahr 1963, das sind über 1,2 Mio. Datensätze. An einer Retrokonversion der älteren Jahrgänge bis 1921 wird gearbeitet. Zusätzlich zu den Datensätzen enthält die CD-ROM auch noch den MLA Thesaurus, der ansonsten weder in Print- noch in Online-Version veröffentlicht ist.
Die Retrievalsoftware SPIRS (SilverPlatter Information Retrieval System), die auch bei anderen SilverPlatter Datenbanken benutzt wird, kann auf verschiedenen Plattformen installiert werden: Windows (sowohl 3.x als auch 95), DOS, Unix und Macintosh. Die am weitesten verbreitete ist die Version für Windows, WinSPIRS. Die folgenden Ausführungen beziehen sich stets auf diese Version. Zusätzlich bietet SilverPlatter die Netzwerksoftware ERL an. Diese Software ermöglicht den Zugriff auf die CD-ROM auch über das Internet. Sie ist kostenloser Bestandteil der Netzwerklizenz einer SilverPlatter Datenbank.3
Ein Datensatz in der MLAIB CD-ROM besteht aus folgenden Feldern (hier mit den jeweiligen Feldkurzbezeichnungen):
TI Titel; AU Autor; SO Quelle; SE Serie; IS Internationale Standard Nummer; LA Sprache; PT Publikationsart; PY Publikationsjahr; NT Fußnoten; DE Deskriptoren; SN Sequenznummer; UD Aktualisierungsnummer; AN Zugangsnummer
Das Deskriptorenfeld ist zusätzlich noch in sogenannte descriptor subfields unterteilt. Diese haben dreibuchstabige Feldbezeichnungen (z.B. GEN für Genre, SAU für Subject Author, SWK für Subject Work), die nicht angezeigt werden, aber recherchierbar sind. Mit Hilfe dieser subfields kann man sehr genaue Recherchen starten, man läuft jedoch Gefahr, seine Suche zu sehr zu verengen. Problematisch ist die Tatsache, daß auf der CD-ROM Datensätze mit einem unterschiedlichem Grad sachlicher Erschließung enthalten sind. Erst ab Berichtsjahr 1981 werden die Dokumente mit Hilfe des Contextual Indexing and Faceted Taxonomic Access System (CIFT)4 detaillierter erschlossen. Das hat zur Folge, daß bei Datensätzen, die vor 1981 erfaßt wurden, im Deskriptorenfeld lediglich Nationalliteratur, Epoche und behandelter Autor angegeben sind. Bei später erfaßten Datensätzen werden auch behandelte Werke und Themen eingetragen.
Die SilverPlatter CD-ROM bietet drei verschiedene Sucheinstiege an:
- direkte Suchanfrage,
- Suche nach Einblick ins (feldspezifische) Register und
- Suche nach Einblick in den Thesaurus.
Bei der direkten Suchanfrage wird der Begriff nicht in allen Feldern gesucht, wie dem Nutzer suggeriert wird, sondern in den sechs Feldern TI, AU, SO, SE, NT und DE. Sie bilden den Basic Index, der im Produkt allerdings als Freitextindex bezeichnet wird. Eine Suche in nur einem Feld kann mit Hilfe eines IN-Operators durchgeführt werden.
Neben diesem Basic Index bietet WinSPIRS noch vier weitere Indices für die Felder LA, PY, PT und UD an. Aus dem Index heraus kann ein Begriff in das Suchprofil übernommen werden. Es ist auch möglich, mehrere Begriffe zu markieren. WinSPIRS führt dann bei der Suche eine automatische OR-Verknüpfung zwischen diesen Begriffen durch.5
Der Thesaurus besteht aus einer alphabetischen Auflistung aller Verweisungen und Deskriptoren und den entsprechenden Begriffsangaben. Dabei werden zu jedem Begriff die Synonyme, verwandte Begriffe, Ober- und Unterbegriffe aufgelistet. Wie beim Index kann man auch beim Thesaurus einen oder mehrere Begriffe in das Suchprofil übernehmen. Hilfreich ist die sog. Explode-Funktion. Sie ermöglicht die Suche nach einem Begriff mit all seinen Unterbegriffen. Der Thesaurus enthält nicht behandelte Autoren und Werke. Anders als den Subject Index der Print-Version kann man ihn daher nicht benutzen, um vom Pseudonym eines Autors auf die Ansetzungsform verwiesen zu werden.
Der Benutzer kann die Booleschen Operatoren AND, OR und NOT verwenden. Zusätzlich werden noch die Wortabstandsoperatoren WITH und NEAR<n> zur Nähedefinition angeboten. Rechtstrunkierung ist mit dem Symbol * möglich, Maskierung einzelner Zeichen mit dem Symbol ?. Linkstrunkierung wird nicht angeboten.
Ältere Suchanfragen können durch Angabe der entsprechenden Nummer im Rahmen einer Suchsession wieder neu aufgerufen werden. Auch eine logische Verbindung zwischen einzelnen Suchanfragen ist möglich. Suchprofile lassen sich während einer Sitzung gezielt abspeichern. Vor Beenden des Programmes wird der Benutzer explizit gefragt, ob er das entwickelte Suchprofil abspeichern möchte. Ältere Suchprofile lassen sich problemlos laden und mit gegenwärtigen Suchanfragen verbinden.
Die Datensätze werden bei der Anzeige standardmäßig absteigend nach der Zugangsnummer geordnet. Eine Sortierung nach anderen Kriterien ist möglich. Das Limit der zu sortierenden Datensätze beträgt 1.000. Standardmäßig werden nur die Felder TI, AU, SO, AN angezeigt. Man kann sich zwar alle gewünschten Felder anzeigen lassen, diese Konfigurationen allerdings nicht abspeichern. Der Suchbegriff wird farbig hervorgehoben.
Für Drucken und Download bietet WinSPIRS in etwa die gleichen Optionen an. In beiden Fällen kann der Benutzer entscheiden, ob er alle angezeigten Datensätze, nur die markierten oder eine selektive Auswahl drucken bzw. abspeichern will. Ein Sortieren der Datensätze ist möglich. Außerdem kann der Benutzer genau definieren, welche Felder er drucken bzw. abspeichern will, wie die Feldbezeichnungen aussehen sollen und ob das Suchprofil mitgedruckt bzw. mitabgespeichert wird. Datensätze lassen sich nur im ASCII-Format abspeichern.
Die komplizierte Anlage der Print-Version der MLAIB mit ihren vielen Eigenheiten und Unstimmigkeiten machen die CD-ROM-Version zu einem willkommenen Arbeitsmittel. Die Retrievalsoftware ist einfach genug, um auch von Endnutzern, die nur wenig Erfahrung in Datenbankrecherchen haben, bedient werden zu können. Andererseits kann man bei der CD-ROM-Version sehr spezielle Recherchen durchführen, die so in der Print-Version nicht möglich sind. Daß die CD-ROM-Version zudem noch aktueller als die gedruckte Version ist, ist ein weiterer Punkt, der für eine Kaufentscheidung spricht. Vor einer Abbestellung der Print-Version zugunsten der CD-ROM-Version ist allerdings zu warnen, da nur die Print-Version zur Archivierung zu verwenden ist.
1 Zur Print-Version der MLAIB vgl. auch die Rezension von Klaus Schreiber in ZfBB 30(1983)4, S.322-325. Vergleiche zwischen der MLAIB und anderen Fachbibliographien, z.B. der Annual Bibliography of English Language and Literature (ABELL), haben ergeben, daß die MLAIB zwar mehr Dokumente erfaßt, die Zahl der jeweiligen Unikate aber so groß ist, daß man unbedingt in mehreren Bibliographien recherchieren sollte. Hierzu siehe Jost Hindersmann, MLAIB und ABELL: Periodische Fachbibliographien, CD-ROM- und Online-Datenbanken zur Anglistik. Münster: LIT, 1997. William Baker, Byron Anderson: The MLA Database on CD-ROM: Perception and Reality. Library Review 43(1994)2, S.30-36. Zurück zum Text
2 Eine deutschsprachige Rezension zur SilverPlatter CD-ROM-Version liegt noch nicht vor. In den USA wurde sie bereits positiv rezensiert. Vgl. etwa Frank J. Lepkowski: SilverPlatters MLA International Bibliography on CD-ROM: Recent Literary Studies for End-User Searching. CD-ROM Librarian 7(1992)10, S.35-40. Zusätzlich zur CD-ROM-Version ist die MLAIB seit 1995 auch online über OCLC FirstSearch recherchierbar. Der Vorteil der Online-Version liegt in den häufigeren Updates. Die Nachteile sind der deutlich höhere Preis und der schlechtere Suchkomfort. Zurück zum Text
3 In Einzelfällen kann es bei der Kombination von WinSPIRS oder ERL mit lokalen EDV-Systemen zu Komplikationen kommen. Daher ist es ratsam, SilverPlatters Angebot anzunehemen, die Datenbank 30 Tage lang kostenlos zu testen, um abzuklären, ob die Installation problemlos möglich ist. Die technische Unterstützung für die Software übernimmt die Firma H+H in Göttingen. Zurück zum Text
4 Zum CIFT-System siehe James D. Anderson: Structure in Database Indexing. The Indexer 12(1980)1, S.3-13. Robin Mutrux, James D. Anderson: Contextual Indexing and Faceted Taxonomic Access System. Drexel Library Quarterly 19(1983)3, S.91-109. Zurück zum Text
5 Schließlich ist es möglich in Feldern zu suchen, für die ein Register bzw. Index nicht transparent gemacht wird, ein Index jedoch vorhanden sein muß, da nach einem Suchauftrag nicht sequentiell gesucht wird. Zurück zum Text