Ausgewählte Bibliographien
und andere Nachschlagewerke

Digitale Medien

Verantwortlich: Achim Oßwald


Aus Heft 6 (1997) der Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie. Siehe auch die anderen Rezensionen der Rubrik.


NetLearn: Internet Learning Resources
(Rezensent: Achim Oßwald)

Einführung

Mit zunehmender Selbstverständlichkeit wird in Literatur und Alltag und mehr noch im Kontext von Forschung und Lehre Internet-Kompetenz unterstellt. Doch selbst wenn in diesem zuletzt genannten Umfeld die Rahmenbedingungen für die Nutzung des Internet zumeist sehr gut sind und auch der Schulbereich durch diverse Förderprogramme Internet-Anbindungen erfährt, gibt es doch noch viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die derartige Kenntnisse noch nicht oder zumindest nur ansatzweise haben. Immer stärker haben diese das Bedürfnis, solche Defizite mittels Kursen oder auch autodidaktisch auszugleichen.

Vor diesem Hintergrund sind für all diejenigen, die aus welchen Gründen auch immer an Schulungen nicht teilnehmen können oder wollen, Lernprogramme zur Nutzung des Internet und der in ihm verfügbaren Dienste ein willkommenes Angebot. Schließlich ermöglichen sie das selbständige Erlernen durch die exemplarische Nutzung des Internet. Dafür genügt es nicht, mehr oder minder geleitet durch einige Angebote des Netzes zu surfen. Statt dessen bedürfen derartige Angebote einer didaktischen Konzeption und detaillierten Erprobung. Solche Angebote in der Vielfalt des Netzes zu finden ist schwierig. Spätestens hier sind Informationsspezialisten gefragt, die durch konkrete Hinweise auf Quellen für das Selbststudium wie für die Lehre aufmerksam machen. Die Kenntnis von NetLearn, einem von zwei Mitgliedern der School of Information & Media (SIM)1 der Robert Gordon University, Aberdeen, erstellten Verzeichnis derartiger Ressourcen, bietet hier zumindest für international relevante Quellen eine hilfreiche, wenn auch in diversen Punkten noch unzureichende Zusammenstellung.

Inhaltlicher Überblick

NetLearn ist ein Verzeichnis "of resources for learning and teaching Internet skills, including resources for WWW, email and other formats" (Zitat aus der Homepage = callist.htm). Inhaltlich ist es in vier Bereiche untergliedert:2

  1. Learner's Page: Verzeichnis von Quellen zum Erlernen der Nutzung des Internets (seinerseits untergliedert in vier weitere Bereiche).
  2. Teachers' Page: Quellen, die sowohl die Vermittlung von Internet-Kenntnissen wie auch die Lehre unter Zuhilfenahme des Internet ermöglichen.
  3. Specialist Page: Angebote für spezielle Bedarfssituationen.
  4. Other Directories: Verweisliste auf ähnliche Verzeichnisse wie NetLearn.

Der inhaltliche Schwerpunkt der Quellenverweise liegt eindeutig bei den autodidaktischen Materialien.

Alle Verzeichnisse, auf die verwiesen wird, sind annotiert und nach vier Kriterien beschrieben:

  1. MEDIUM: protokollbezogene Bereitstellungsform im Netz (z.B. WWW, FTP, e-mail)
  2. STYLE: Schlagwortartige Charakterisierung Präsentation
  3. COMMENTS: Bewertende Hinweise der NetLearn-Bearbeiter
  4. CURRENCY: Aktualisierungsfrequenz und Zeitpunkt der letzten Aktualisierung

Diese Angaben erlauben zumindest eine grobe Vorauswahl der angebotenen Sites und helfen somit Datentransfer zu vermeiden.

Autodidaktische Materialien

Unter der Rubrik "Internet Learning Resources" werden dem browsenden Leser wiederum vier Gruppen von Verweislisten angeboten. In diesen bilden auf der Learner's Page die "World Wide Web based learning resources" eindeutig den Schwerpunkt. Ihre Vielfalt und Fülle erzwang zwischenzeitlich eine mehrfache Unterteilung in allgemeine Materialien zur Einführung in die Internet/WWW-Nutzung, wenige Angebote zur Einführung in HTML, CGI und die Gestaltung von Webseiten sowie eine kleine Gruppe von Links zu Einführungen mit inhaltlicher Ausrichtung (hauptsächliche Zielgruppe: Bibliothekare und andere Informationsspezialisten).

Die zweite Gruppe von Verweislisten bezieht sich auf e-mail-gestützte Lernmaterialien und Kurse. Die Übermittlung der Lektionen erfolgt zwar via e-mail, ohne WWW-Zugang sind sie aber kaum umsetzbar. Faktisch zeigt sich bei diesen Angeboten auch eine deutliche Überschneidung zu den Verweisen auf Lehrmaterialien.

Ähnliches läßt sich für die dritte Gruppe von Materialien sagen. Hier handelt es sich um solche, die zum Herunterladen auf den eigenen PC gedacht sind. Zumeist sind dies Folienvorlagen, Powerpoint-Anwendungen oder kleinere Lernprogramme zum Thema Internet-Nutzung.

Als vierte Gruppe von Materialien sind Verweise auf "Non-Computer based Learning Resources"3 angelegt. Die wenigen Quellenverweise führen zu Sammlungen von Buchbesprechungen4 oder auch einführenden Videos und Fernsehprogrammen.

Materialien für die Lehre

Diese Materialien sind nach Aussage der Angebotsgestalter ganz bewußt nicht weiter untergliedert worden. Das Ergebnis ist eine nach keinem erkennbaren Kriterium zusammengestellte Liste von Verweisen auf Lehrmaterialien. Sie beinhaltet auch Angebote, die zur Reflexion der Lehre und ihrer Rahmenbedingungen dienen. Für Interessierte bietet sich hier die Möglichkeit zu konzentriertem Browsen durch eine Auflistung, die ausgedruckt 12 Seiten ergäbe.

Spätestens hier jedoch wird erkennbar, daß NetLearn nur einen Ausschnitt des verfügbaren Angebotes darstellt. Dessen sollten sich gerade Lehrende bewußt sein. Umgekehrt helfen die zusammengestellten Links zumindest ansatzweise Doppelarbeit zu vermeiden und machen den Stand der Erfahrungen bei der Vermittlung von Internet-Kenntnissen transparent.

Ressourcen für Spezialisten

Aus englischsprachiger Perspektive sind nach dieser Kategorie all jene Spezialisten, die eine andere Sprache sprechen: So zumindest könnte man es interpretieren, daß hier Verweise auf nicht englischsprachige Internet-Einführungen zusammengestellt sind.

Eine weitere Gruppe von insgesamt drei Angeboten verweist auf Internet-Nutzungshilfen für Blinde und Sehgeschädigte, für die insbesondere technische Unterstützungsangebote gemacht werden.

Wer über das Internet lehrt, sollte immer auch wissen, wohin die beeindruckend schnelle Entwicklung dieses Mediums bzw. dieser Angebotsform von Daten geht. Auf entsprechende statistische und Trendinformationen verweist eine weitere Gruppe von Links.

Verweise auf vergleichbare Angebote

Da es im Netz auch bei einem derartigen Thema konzeptionell unmöglich ist, immer auf alle relevanten Angebote zu verweisen, hat es sich bei seriösen Angeboten eingebürgert, auf andere, mit vergleichbarer oder zumindest ähnlicher Intention erstellte Angebote Links zu legen. So auch hier.

Rahmenbedingungen der Erstellung

Das mit Mitteln des Scottish Higher Education Funding Council entwickelte Angebot ist eine begrüßenswerte Initiative, die allerdings unter im Internet häufig vorkommenden Problemen leidet. So vermerken die Autoren unter einem als "Notes" bezeichneten Abschnitt, in dem zum Inhalt und der Aktualität des Angebots Hintergrundinformationen gegeben werden, "This list will be updated as circumstances allow." Damit wird deutlich, daß die Verläßlichkeit und Beständigkeit dieses Angebotes von äußeren Einflüssen abhängig ist: die Fortsetzung der finanziellen Förderung, die Verfügbarkeit der Personen und nicht zuletzt auch die Überschaubarkeit der relevanten Informationen. Insbesondere diesbezüglich erweist es sich als problematisch, daß die Daten- bzw. Linksammlung nicht als Datenbank angelegt zu sein scheint. Unter dieser Voraussetzung - und in einem professionellen Informationszusammenhang dürfte dies erwartet werden - wäre das Klassieren der Quellen leichter möglich. Auch die Aktualitätsprüfung der nachgewiesenen Quellen könnte verbessert werden.

Ein wesentliches Manko aus deutschsprachiger Perspektive ist die weitgehende Orientierung der Linksammlung auf englischsprachige Quellen. Angesichts der Tatsache, daß insbesondere in Großbritannien und den USA zum Thema schon viel Erfahrung vorliegt, ist diese Beschränkung vielleicht sogar gerechtfertigt, komplementäre Quellen aus dem europäischen Umfeld wären dennoch angebracht.

Gesamteinschätzung

Die Zusammenstellung ermöglicht einen guten thematischen Einstieg, sie sollte allerdings nur neben anderen Verzeichnissen genutzt werden. Dies gilt insbesondere in einem nicht-englischsprachigen Kontext. So sind beispielsweise deutsche bzw. deutschsprachige Quellen weitgehend unberücksichtigt und die eine nachgewiesene Quelle5 keinesfalls einschlägig. Sieht man von diesen Umständen ab, ist das nachgewiesene Material aufschluß- und hilfreich.


1 Die SIM (http://www.rgu.ac.uk/~sim/sim.htm) gehört zum neuen Typ von Ausbildungseinrichtungen im Informationsbereich. Sie ist hervorgegangen aus einer Bibliotheksschule. Heute bietet sie für ihre ca. 500 Studenten Programme im Bereich Bibliotheks- und Publikationswesen sowie im Sprach- und Kommunikationsbereich. Zurück zum Text

2 Leicht inkonsistente Bezeichnungen in Haupt- und Untermenüs sind vermutlich ein Indiz für die Rahmenbedingungen, unter denen das Verzeichnis erstellt wird (vgl. a. u.). Zurück zum Text

3 In der Bezeichnung wird der Perspektivenwechsel - im Vergleich zum Bibliothekswesen - deutlich erkennbar. Zurück zum Text

4 Die umfangreichste deutsche Übersicht, die von Oliver Obst initiiert und mit betreut wird (http://medweb.uni-muenster.de/zbm/liti.html). ist leider nicht aufgeführt. Zurück zum Text

5 "Was bietet das INTERNET?"(Version 2.0). Eine Kurzübersicht von Myroslav Münzer, Bayreuth, 1994, zuletzt aktualisiert am 2.8.1997 Zurück zum Text