Verantwortlich: Achim Oßwald
Aus Heft 3 (1999) der Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie. Siehe auch die anderen Rezensionen der Rubrik.
Inhalt
Der bewährte Zeitschrifteninhaltsdienst Theologie (ZID), herausgegeben von der Theologischen Abteilung der Universitätsbibliothek Tübingen, seit 1997 u. a. als CD-ROM für das Betriebssystem MS-DOS, wird ab Juli 1999 auch in einer Windows-Version auf CD-ROM zur Verfügung stehen. Sie enthält, jeweils halbjährlich aktualisiert, die ZID-Datenbank, die sich seit 1995 im Aufbau befindet und ständig erweitert wird. Ab Erscheinungsjahr 1999 werden zusätzlich zu den theologischen und religionswissenschaftlichen Fachzeitschriften sowie Festschriften noch Sammelbände von Kongressen ausgewertet. Darüber hinaus erfolgt sukzessive die retrospektive Einarbeitung der älteren im ZID angezeigten Aufsätze bis zur ersten gedruckten Ausgabe 1975. Damit dokumentiert die ZID-Datenbank alle wesentlichen unselbständigen Veröffentlichungen aus Theologie und Religionswissenschaft ungefähr der letzten zwanzig Jahre.
Rez. liegt zur Besprechung eine Vorabversion der im Juli erscheinenden CD-ROM mit dem zugehörigen Benutzerhandbuch vor. Diese enthält 93 615 Aufsatztitel. Die offizielle Ausgabe 1999/2 wird über 100 000 Titel von wissenschaftlichen Aufsätzen und Rezensionsartikeln nachweisen.
Suchmöglichkeiten und Datenaufbereitung
Die Windows-Version der CD-ROM basiert auf der 1998 entwickelten Beta-Version des neuen Allegro-Recherche- und Exportmoduls ALCARTA. Sie läuft nur unter 32-Bit-Betriebssystemen, also Windows 95, Windows 98 und Windows NT. Für Windows 3.x benötigt man dagegen das DOS-Modul APAC von Allegro, das ebenfalls auf der CD-ROM vorhanden ist, im folgenden aber nicht besprochen wird. Zum Start der ZID-Datenbank unter Windows 95/98/NT muß mindestens das Verzeichnis WIN-APAC mit dem Unterverzeichnis INIS auf der Festplatte installiert werden, wozu ca. 2,5 MB Speicherplatz erforderlich sind. Es enthält das Modul ALCARTA.EXE sowie Parameter- und Hilfsdateien. Wahlweise kann man auch die gesamte Datenbank mit den Verzeichnissen ZID, THEODOK und THEOENGL (die beiden letzteren enthalten die Programm- und Parameterdateien für die DOS-Version) auf die Festplatte kopieren (ca. 110 MB). Über Einzelheiten der Installation informiert das Benutzerhandbuch gut verständlich und leicht nachvollziehbar. Etwas umständlich ist, daß nach der Erstinstallation der Computer noch einmal heruntergefahren und neu gestartet werden muß, um bestimmte Einstellungen zu aktivieren und die ZID-Datenbank starten zu können.
Vom Start an wird der Benutzer übersichtlich durch das Programm geführt. Dabei kann er zwischen der deutschen und der englischen Version wählen. Bei der Oberflächengestaltung sind die typischen Windows-Elemente mit der Allegro-Struktur kombiniert. So erfolgt der Einstieg in die Recherche über ein Indexfenster. Insgesamt stehen zehn verschiedene Indizes zur Auswahl, die über Mausklick geöffnet werden können: Quelle, Autor, Kreuzregister, Schlagwort(-Kette) (erfreulicherweise wurden inzwischen die beiden Register Textschlagwort" und Sachschlagwort" zusammengeführt; auch Verknüpfungsketten werden nun im Register angezeigt), Klassifikation, Erscheinungsland, Erscheinungsjahr, Hilfethemen, Helpthemes, Abrufzeichen und Identnummer. Eine Combo-Box mit Pull-Down-Funktion informiert über die Inhalte der einzelnen Indizes. Es ist möglich, zwei Indexfenster gleichzeitig zu öffnen. Innerhalb eines jeden Registers kann man sich mittels der Bild- oder Pfeiltasten bewegen oder einen bestimmten Suchbegriff in das Eingabefeld unter dem Indexfenster schreiben und mit der Enter-Taste abschicken, um gezielt an die entsprechende Stelle im Register zu gelangen. Durch Mausklick oder Betätigen der Enter-Taste kann man sich die zum Registereintrag gehörende Vollanzeige auf ein Anzeigefenster holen.
Die Vollanzeige eines Aufsatztitels enthält folgende Daten: Titelaufnahme, Signatur der UB Tübingen, einen blau unterlegten Link Bestellformular (den man wie in einem Web-Browser mit der Maus anklicken kann, um sich das Formular für eine Direktbestellung der Aufsatzkopie bei der UB Tübingen auf den Bildschirm zu holen, wo es auch gleich ausgefüllt und ggf. elektronisch an die Arbeitsstelle Dokumentlieferung der UB Tübingen geschickt werden kann - eine sehr benutzerfreundliche Möglichkeit), Sachschlagwort(-Kette), weitere Bemerkungen (z. B. ein Hinweis auf Abbildungen), Notation (verwandte Literatur), Sachschlagwort (verwandte Literatur), Autor (evtl. weitere Literatur), Quelle (weitere Literatur). Unter den Angaben mit dem Zusatz verwandte" bzw. weitere Literatur" finden sich listenartig Links, in der Allegro-Terminologie Flips genannt, die auf Mausklick die einschlägigen Registerfenster an der entsprechenden Stelle öffnen, wo man weiter recherchieren kann. Z. B. findet man bei dem Titel Badstübner, Ernst: Neuzelle. In: 750 Jahre Kloster St. Marienstern 1998, S. 336-359 unter Sachschlagwort (verwandte Literatur) folgende Links: Neuzelle / Kloster, Zisterzienserarchitektur, Geschichte 1268-1740, Neuzelle / Marä Himmelfahrt, Christliche Kunst, Geschichte 1268-1740. Etwas unübersichtlich sind dabei die zeitlichen Angaben mit Geschichte" und Jahreszahlen. Erst beim Anklicken erkennt man, daß sie sich auf das jeweils darüber stehende Schlagwort beziehen, also Zisterzienserarchitektur / Geschichte 1268-1740 und Christliche Kunst / Geschichte 1268-1740. Inwieweit solche nach einzelnen Jahreszahlen differenzierte Recherchemöglichkeiten sinnvoll sind und vom Benutzer nachgefragt werden, sei dahingestellt. Über den Link Quelle gelangt man zur Anzeige des Sammel- oder Zeitschriftenbandes, dem der Aufsatztitel entnommen ist, wobei man dann dessen Gesamtinhalt angezeigt bekommt, was wiederum sehr praktisch ist. Ebenso komfortabel kann man sich im betreffenden Register zunächst anzeigen lassen, welche Bände bzw. Hefte eines Periodikums für den ZID ausgewertet wurden, und erhält dann bei Anklicken einer einzelnen Nummer die Anzeige von deren gesamtem Inhalt. Schließlich kann jede Dokumentbeschreibung über Links in zwei alternativen Anzeigeformaten aufgerufen werden, dem kategorisierten Internformat oder einer Anzeige, in der die Kategorienummern in Klartext übersetzt sind.
Darüber hinaus gibt es noch weitere Recherchevarianten mit verschiedenen Möglichkeiten der Trunkierung. So kann man - anders als in der DOS-Version - auch unabhängig von den Indizes über ein Find-Menü an die gewünschten Literaturtitel gelangen. Unter [Find] öffnet sich eine Dialogbox mit vier Eingabefeldern und parallelen Pull-Down-Funktionen zur individuellen Einstellung der Suchaspekte. Durch kleine Änderungen in der Index-Parameterdatei läßt sich das Find-Menü an jede individuell ausgestaltete Allegro-Datenbank anpassen. In der ZID-Datenbank kann über das Find-Menü unter fünf verschiedenen Aspekten recherchiert werden, die sich durch die Booleschen Operatoren auch miteinander verknüpfen lassen: Stichwort, Autor, Schlagwort(-Kette), Klassifikation und Quelle. Auch zum Find-Menü erhält der Benutzer ausführliche Kontexthilfe, die er aufrufen kann.
Während einer Recherchesitzung können beliebig viele Ergebnismengen gebildet werden. Das Menü <Ansicht> bietet zwei verschiedene Möglichkeiten, Listen der in einer Ergebnismenge enthaltenen Titel ins Anzeigefenster zu holen: eine Kurzliste (mit Sachtitel, Autor und Erscheinungsjahr) oder eine Langliste (mit den vollständigen Titelaufnahmen). Da der Umfang der Listen auf 64 000 Byte begrenzt ist, ist die Generierung einer Langliste allerdings nur für Ergebnismengen von bis zu 200 Treffern möglich.
Wesentlich verbessert sind gegenüber der DOS-Version die Möglichkeiten des Datenexports. Einzeltreffer oder kleinere Ergebnismengen lassen sich durch das Windows-typische Copy-and-Paste-Verfahren (mittels der Tasten <Strg + c> und <Strg + v>), größere Ergebnismengen auch als Dateien exportieren. Während einer Recherchesitzung können individuelle Exportadressen und -formate gewählt und beliebig oft geändert werden. Leider ist der direkte Ausdruck des Inhalts eines Anzeigefensters über eine entsprechende Option im Menü <Datei> nicht möglich - ein gravierender Mangel des Programms, den jedoch die Hersteller von Allegro demnächst beheben wollen. Praktisch ist hingegen, daß die CD-ROM den Zugriff auf die ZID-Datenbank sowohl über das Modul ALCARTA (DOS) als auch über das Modul APAC (Windows) ermöglicht, so daß der Benutzer über das Pull-Down-Menü <Datei> zwischen der DOS- und der Windows-Version wechseln und Daten im ASCII-Format exportieren kann. Darüber hinaus bietet ALCARTA die Möglichkeit, über eine Batchdatei DOOR.BAT die Verbindung zu einem Web-Browser (und damit zu anderen über das Internet zugänglichen Allegro-Datenbanken) und zu einem Textverarbeitungsprogramm herzustellen, das auch für den Datenexport aus der ZID-Datenbank genutzt werden kann.
Gesamtbeurteilung
Die Windows-Version der ZID-Datenbank auf CD-ROM bietet gegenüber der DOS-Version zahlreiche Verbesserungen für Recherche und Datenexport. U. a. ist die Vollanzeige der Titel durch die Ergänzung von Links bzw. Flips zur weiterführenden Literatursuche und Erleichterung der Dokumentbestellung erheblich reichhaltiger geworden. Komfortabel erscheint auch die Möglichkeit, eine Verbindung mit einem Web-Browser und einem Textverarbeitungsprogramm herstellen zu können. Insbesondere für Bibliotheken, die bisher mit der DOS-Version gearbeitet haben, dürfte es nützlich sein, daß DOS- und Windows-Version zusammen auf einer CD-ROM vertrieben werden mit der Option, von der einen auf die andere Version zugreifen zu können.
Mit der Inhaltserschließung der Aufsätze durch Schlagwort(-Ketten) auf der Basis der SWD und der schon vorhandenen zweisprachigen Oberfläche (deutsch-englisch) wäre die ZID-Datenbank u. U. auch zur Erprobung der multilingualen Indexierung an einem begrenzten Datenbestand geeignet. Zunächst könnten englische Deskriptoren (ausschließlich) unter Heranziehung der LCSH vergeben werden. Dadurch würde nicht nur der internationale Datenaustausch erleichtert, sondern auch die weltweite Akzeptanz der ZID-Datenbank in Fachkreisen noch erhöht.