Ausgewählte Bibliographien
und andere Nachschlagewerke

Digitale Medien

Verantwortlich:Achim Oßwald


Aus Heft 5 (1999) der Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie. Siehe auch die anderen Rezensionen der Rubrik.


Geschichtliche / naturkundliche Bibliographie von Mecklenburg bis 1944 (CD-ROM) (Rezensent: Kai Steffen)

Allgemeines

Auf dieser CD wurden die gedruckten und abgeschlossenen bibliographischen Gesamtwerke zum Land und zur historischen Region Mecklenburg bis 1944, (d.h. für die Zeit vor der dann einsetzenden, laufenden landesbibliographischen Erfassung) in eine neue und komfortable Benutzungsform übertragen. Als Jubiläumsausgabe zum 220. Jahr ihres Bestehens erinnert die Landesbibliothek in Schwerin damit auch an ihre früheren regionalbibliographischen Leistungen.

Die CD-ROM beinhaltet zunächst die "Geschichtliche Bibliographie von Mecklenburg", die im Auftrag der Historischen Kommission für Mecklenburg von Wilhelm Heeß erstellt und 1944 in drei Bänden (einschließlich Registers) gedruckt wurde. Sie enthält mehr als 16.000 Einträge zur historischen Landeskunde unter Einschluß von Wirtschaft, Kultur, Kunst und Wissenschaft, Kirchengeschichte, Rechts- und Gesundheitswesen. Zu ihr erschien 1992 ein Nachtragsband, bearbeitet von Gerhard Baarck und Grete Grewolls, welcher noch einmal rund 4400 Nachträge und ca. 500 Ergänzungen und Berichtigungen zu Heeß zusammenführt. Beide Publikationen wurden für die Ausgabe auf CD in eine gemeinsame Datenbank mit übergreifender Such- und Registerfunktion überführt.

Nicht in diese integriert, sondern in einer zweiten, separat zu benutzenden Datenbank aufbereitet wurden die naturkundlichen Bibliographien für die Zeit vor 1945: Friedrich Bachmanns abgeschlossene "Die landeskundliche Literatur über die Großherzogtümer Mecklenburg" von 1899 für die Erscheinungsjahre von den Anfängen des Buchdrucks bis 1889 widmete sich neben der Geographie, Landesnatur, Flora und Fauna auch der Kulturgeschichte und der Kartographie. Über ein Register verfügte die Bachmannsche Bibliographie bisher nicht. Hier bietet die Recherche auf der CD-ROM nun Abhilfe. Als Fortsetzung des Bachmannschen Werkes wurde 1984 durch Gerhard Baarck die "Naturkundliche Bibliographie von Mecklenburg, Berichtsjahr 1890-1944", auf 114 Seiten vorgelegt. Beide Zeitsegmente werden nun als naturkundlich-bibliographische Datenbank zusammengeführt und einer übergreifenden Rechercheform unterworfen.

Verwirrend ist dabei allerdings die Unterschiedlichkeit der Titelbenennungen auf der CD-Hülle: Steht auf der Vorderseite lediglich "Geschichtliche Bibliographie von Mecklenburg", die naturkundliche unterschlagend, und auf dem Rücken gar "Mecklenburgische Bibliographie", was zur Verwechslung mit der laufenden Regionalbibliographie von 1945 bis 1990 auffordert, ist der korrekte Titel erst rückseitig erkennbar: "Geschichtliche Bibliographie von Mecklenburg; naturkundliche Bibliographie von Mecklenburg: von den Anfängen bis 1944". Beigefügt (im Inhaltsverzeichnis der CD separat anwählbar) wurden Informationen zu den Herausgebern und Förderern dieser Fassung und ihren Publikationen sowie eine Übersicht über die bisherigen gedruckten regionalbibliographischen Mittel für Mecklenburg. Auch über die Digitalisierung der Engelschen Karte beider Herzogtümer von 1891 mag sich mancher freuen. Das Beispiel des elektronisch aufbereiteten und im Volltext recherchierbaren Jahrgangs 90 (1926) der Jahrbücher des Vereins für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde schließlich dient nicht nur als weitere Werbung für die Leistungsfähigkeit der Herstellerfima, es soll ermuntern, ähnliche Überführungen von gedruckten regionalen Quellen unter ein elektronisches Retrieval fortzusetzen und anzuregen.

Ein Benutzerhandbuch wird nicht mitgeliefert. Die Hilfetexte, die über das Bildschirmmenü aufrufbar sind, sind jedoch so allgemeinverständlich und eindeutig, daß auch ein ungeübter Erstbenutzer gut zurechtkommt. Die Installation der CD auf Windows NT verläuft problemlos und schnell. Eine Deinstallationsfunktion nach Benutzung ist nicht erkennbar vorhanden.

 

Benutzungsoberfläche, Suchmöglichkeiten und Datenausgabe

In der Bildschirmdarstellung der bibliographischen Einträge wurde die Vorlagefassung weitgehend abgebildet. Das Ordnungssystem der gedruckten Bibliographien von Heeß und Bachmann, das sich auch in den jeweiligen Nachträgen bzw. Fortsetzungen wiederholte, wurde in der CD-Fassung für die Darstellung beibehalten; alle Einträge sind mit den ursprünglichen Numerierungen versehen (unter denen allerdings schon in der Printausgabe oft mehrere gleichartige Titel zusammen verzeichnet wurden). Die seitengemäße Darstellung ist scrollbar (und seitenweise springbar) und erlaubt daher auch ein "Blättern" ohne neuen Sucheinstieg. Die Anzeige eines gesuchten Eintrags führt auf die entsprechende Seite, analog der Druckfassung, und bleibt damit im Zusammenhang erkennbar. Die Stelle mit dem gesuchten Begriff wird dabei an die Bildschirmoberkante gerückt. Verweise sind in vielen Fällen mit bequemen Links (anklickbaren Verknüpfungen zu anderen Stellen) unterlegt, Abkürzungen im Text sind mit dem Abkürzungsverzeichnis über Dialogfenster gelinkt. Fußnoten der Printausgabe öffnen sich bei Anklicken gleichfalls als Fenster im Text. Die Funktionen "Inhalt", "Index", Zurück", "Bisher" und "Suchen" stehen in der üblichen Weise zur Verfügung; die Kopfleiste des Bildschirms bietet die Anwendungen zur Datenausgabe (Kopieren, Drucken), "Hilfe" mit thematisch wählbaren (aber nicht interaktiven) Benutzungsanweisungen und Hilfen sowie "Anmerken" und "Lesezeichen".

Als Sucheinstiege werden drei Möglichkeiten angeboten: einerseits der Weg über das Inhaltsverzeichnis zur genauen Systematikstelle und ihrer Seitenabfolge, sodann der Einstieg in den Index, der jedoch nicht etwa ein Register zu den Einträgen (etwa der Autorennamen) darstellt, sondern lediglich die Systematikstellen noch einmal alphabetisch suchbar macht, und schließlich die gezielte Suche nach Satzphrasen, Wörtern, Namen oder ihren Bestandteilen. Zu dieser Suche öffnet sich ein Eingabefeld, das die Auswahl des abzusuchenden Bereichs bietet (von den reinen Überschriften einzelner Themenbereiche bis zur Volltextsuche über alle Wörter der Datenbank). Somit bietet die CD eine gewisse Indexierung suchbarer Begriffe zusätzlich zur Volltextrecherche. Dabei kann mit Suchoperatoren (UND, ODER, NICHT, NAHEBEI) das Suchergebnis eingeschränkt, präzisiert oder ausgeweitet werden, die Bandbreite des NAHEBEI-Faktors (maximaler Wortabstand zwischen Suchbegriffen) ist veränderbar. Zur Anwendung der Operatoren böte sich eine Hinweisseite an. Rechtstrunkierung kann durch ein Sternchen * aktiviert werden, die exakte Phrasensuche durch ein Einrücken in Anführungszeichen. Eine Linkstrunkierung ist nicht vorgesehen. Klammerung erlaubt komplexe Operatorenanwendungen. Wird mehr als eine "Themen"-Seite als Fundstelle ermittelt, folgt ein Auswahlindex der zugehörigen Systematikbereiche; in dieser Anzeige einer umfänglicheren Suchergebnisseite wünschte man sich jedoch eine optische Hervorhebung des Suchbegriffs. Der Suchverlauf der jeweiligen Sitzung kann vom Sucheingabefeld aus wieder aufgerufen werden, um ggf. ältere Sucheinstiege zu wiederholen oder zu modifizieren; ebenso ist die zurückliegende Abfolge der Trefferseiten durch die Funktion "Bisher" überschaubar. Ein Limit für anzuzeigende Treffermengen war nicht festzustellen.

Lobenswert sind die Anmerkungs- und Lesezeichenfunktionen. Zu Fundstellen im Text sind "Lesezeichen"-Markierungen möglich für ein schnelles Wiederfinden bei späterem Neustart; und eine Anmerkungsfunktion gestattet, dem Eintrag eigene Kommentare und Ergänzungen, quasi als Randglosse, hinzuzufügen. Durch Speicherung auf der jeweiligen Festplatte bleiben diese eigenen Verweise, Arbeitsergebnisse und Hinweise der Datenbank erhalten.

Bedauerlich ist, daß die regulären Register, die in den Printfassungen (mit Ausnahme von Bachmanns naturkundlicher Bibliographie bis 1889) vorhanden sind, nicht in die Anzeige auf der CD-ROM übernommen wurden. Eine Ausnahme bildet sonderbarerweise das Verfasser- und Sachtitelregister des Baarckschen Nachtrags von 1984, wogegen das Sachregister daraus entfiel. Das Blättern durch die Autorenverzeichnisse von thematischen Bibliographien oder die Liste ausgewiesener Sachbegriffe - und damit das Auffinden bisher unklarer Sucheinstiege - erlaubt gedankliche Kombinationen für die Recherche, die eine gezielte Worteingabe allein nicht gewährleistet. Der Grund für die Auslassung der Register der geschichtlichen Bibliographie von Heeß, für die ja sogar die Titelseite des Registerbandes noch gescannt beigefügt wurde, und der naturkundlichen von Baarck und Grewolls wie auch des Sachregisters aus Baarck (1984) will nicht einleuchten. Daß die Verweise des Registers durch das Volltextretrieval ersetzt werden, kann nicht genügen.

Der Erwartung, daß die Inhalte aller vier gedruckten Bibliographien auch in einer einzigen, gemeinsamen Datenbank anbietbar gewesen wären, statt in zwei getrennten, kann man dagegen mit gutem Grund entgegenhalten, daß so die ursprüngliche Gestaltung der Werke und ihre Systematik erhalten bleibt, wenn auch (bei der datentechnischen Einfügung der Nachtrags- und Fortsetzungsbände in die Hauptwerke) der separate Aufbau der Vorlagen sich selbstverständlich verändert. Hierbei ist es nun gerade ein Vorteil, daß die übergreifende Rechercheform gewährleistet ist. Mit einer gelegentlich erforderlichen Doppelabfrage in zwei Datenbanken, etwa für Ortsnamen, läßt sich jedoch zweifellos leben.

Die Ausgabe von Daten erfolgt entweder über eine Kopierfunktion, die zwar ein Dialogfenster für die Auswahl des zu kopierenden Umfangs aktiviert, aber unangenehmerweise keine Möglichkeit der Pfad- und Ordnerwahl läßt, oder über eine Druckfunktion, die nach einmaliger Auswahl eines Druckertyps problemlos die jeweilige Textmenge des am Bildschirm aufgerufenen "Themas" (d. h. im Inhaltsverzeichnis indexierten Abschnitts) ausgibt. Veränderungen wie eine engere Ausschnittwahl oder Voreinstellungen für das Drucklayout sind durch Datenexport in eine Textverarbeitung möglich.

 

Bewertung

Die Abfragemöglichkeiten der Datenbankfassung gehen formal wie inhaltlich weit über die der gedruckten Ausgaben hinaus. Sowohl die Suchfunktionen als auch die Bildschirmanzeige auf der CD-ROM sind dabei übersichtlich gestaltet und komfortabel. Die Anzeigeformen sind auch formal ansprechend gehalten. Die Benutzung der Funktionen ist weitgehend selbsterklärend, bzw. gut begleitet.

Mit der Überführung dieser vier bibliographischen Verzeichnisse unter ein gemeinsames Datenbankformat und Retrieval auf CD-ROM, durch die - mit dem Anspruch auf weitestmögliche Vollständigkeit - die Literatur zu Mecklenburg (Bücher, Zeitschriften, Aufsätze und Artikel) bis zum Jahre 1944 in einem komfortablen Medium versammelt wird, hat die Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern mit finanzieller Unterstützung ihrer Förderer ein verdienstvolles und sehr hilfreiches Werk geleistet, das erheblich mehr bietet, als ein Reprint ermöglicht hätte. Durch diese gelungene Modernisierung ist eine breitere Nutzung der Literaturhinweise und ein gezielteres Auffinden von Spezifika der Landeskunde Mecklenburgs gewährleistet. Die Firma MediaScript hat, abgesehen von den fehlenden Ausgangsregistern, ein untadeliges Produkt vorgelegt. Man möchte der Regional- und Heimatforschung wünschen, daß andere wichtige und geeignete Verzeichnisse, Quellenformen und Bestände der Regionalbibliotheken in gleicher Weise durch Konversion in elektronische Form und neue Erschließbarkeit mittels Retrievalsoftware eine zusätzliche Aufwertung und Verbreitung erfahren können - nicht zuletzt die Mecklenburgische bzw. Mecklenburg-Vorpommersche Bibliographie für die Erscheinungsjahre 1945 – 1995.