Ausgewählte Bibliographien
und andere Nachschlagewerke

Digitale Medien

Verantwortlich: Achim Oßwald


Aus Heft 5 (2000) der Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie. Siehe auch die anderen Rezensionen der Rubrik.


World guide to libraries plus (Rezensent: Hermann Rösch)

Allgemeines

Die Bibliotheksadressdatenbank World Guide to Libraries plus (WGLplus) liegt nunmehr als CD-ROM-Version in der vierten Auflage vor. Da die zweite Ausgabe 1998 in dieser Rubrik ausführlich besprochen worden ist, soll das Augenmerk dieses Mal auf Veränderungen gegenüber den digitalen Vorauflagen gerichtet sein. In WGLplus2000 sind ca. 60.000 Bibliotheken aller Sparten aus über 190 Ländern verzeichnet. Damit ist die Zahl der erfassten Institutionen im Vergleich zu früheren Ausgaben um mehr als ein Viertel geschrumpft. Offenbar wurden nicht verifizierbare Angaben ersatzlos gestrichen. Dass die Bearbeiter qualitativen Aspekten den Vorzug gegenüber quantitativen gegeben haben, ist grundsätzlich zu begrüßen. Lohnenswert wird eine erneute Besprechung des WGL auch, weil die Datenbank mittlerweile über eine Windows-basierte Retrievalsoftware verfügt.

 

Softwareergonomische und programmtechnische Aspekte

Im Vergleich zu dem bisher eingesetzten DOS-basierten Programm ist mit der neuen Software der Anschluss an aktuelle Standards gelungen. Das von Reed Technology and Information Services vertriebene Windows-basierte Produkt entspricht im wesentlichen den marktgängigen Standards. Menüleisten, Icons, Anzeigemodi und benutzerseitig definierbare Handlungs- und Präsentationsoptionen wirken vertraut. Vermisst werden allerdings die Undo-Funktion und der Back- bzw. Forward-Button. Ausdruck- und Downloadfunktionen sind komfortabel. Anwender können zu einzelnen Bibliotheken eigene Bemerkungen in beliebiger Anzahl und beliebigem Umfang machen. Insbesondere Korrekturen und Ergänzungen lassen sich auf diese Weise nach individuellem Bedarf hinterlegen. In Kurz- wie Vollanzeige ist zu erkennen, ob solche Zusätze vorhanden sind und aufgerufen werden sollten. Erfreulich ist ferner, dass die Suchbegriffe in den Zielinformationen durch Highlighting markiert werden.

 

Suchmöglichkeiten

Vier Suchmodi stehen zur Auswahl. Quicksearch erlaubt wahlweise die Stichwortsuche oder die Phrasensuche mit dem Bibliotheksnamen. Die Suche über ein Formular bietet acht Suchfelder, die nach Wahl einzelnen Suchaspekten zugeordnet und mit booleschen Operatoren verknüpft werden können. Im Expertenmodus können beliebig viele Suchaspekte miteinander verknüpft werden. Hier sind auch schwierigere, geklammerte boolesche Operationen möglich. Die Indexsuche schließlich bietet sich an, wenn ein Suchelement zur Beantwortung der vorliegenden Frage ausreicht. Formular- und Expertensuche lassen sich bequem mit der Indexrecherche kombinieren. Die in den Indizes vorgefundenen Einträge können problemlos in die jeweiligen Eingabefelder übertragen werden.

An Suchtechniken stehen neben booleschen auch arithmetische Operatoren zur Verfügung, die vor allem die Suche nach Bibliotheken bestimmter Bestandsgröße oder bestimmter Gründungsjahre erleichtern. Rechts- und Binnentrunkierung sind sowohl variabel als auch fest möglich. Am Wortanfang kann lediglich der erste Buchstabe maskiert werden.

Das Datenmaterial ist unter 20 verschiedenen Suchaspekten erschlossen, die in je eigenem Indizes ansteuerbar sind. Dazu zählen u.a. Bibliotheksname, Stadt, Land, Gründungsdatum, Bibliotheksleiter/in, Bestandsumfang, Mediengattungen, Sondersammlungen, Schlagwort, Stichwort, Telefonnummer, Bibliothekstyp und Mitgliedschaften.

Im Vergleich zu früheren Ausgaben entfallen sind die Suchmöglichkeiten nach den Funktionsbezeichnungen der Leiter/innen, eingesetzter Bibliothekssoftware, nach dem Haushaltsvolumen oder den Baujahren der Bibliotheksgebäude. Dieser Verlust ist zu verschmerzen, zumal die jeweiligen Daten höchst lückenhaft erfasst, nicht normiert und zudem teilweise wenig aussagekräftig waren. Neu hingegen ist die Möglichkeit, die Stichwortsuche wahlweise auf einzelne Felder zu beschränken. Angeboten werden dafür der Bibliotheksname, die Anschrift und die Schlagwörter. Die Suche über einen "Subject Index" war zwar in den vorigen Ausgaben bereits angeboten worden, dahinter verbargen sich allerdings die nicht normierten Stichwörter aus der von den Bibliotheken selbst ausgefüllten Kategorie "Special Collections". Jetzt trägt der "Subject Index" diese Bezeichnung zurecht: angeboten wird hier kontrolliertes Vokabular, insgesamt 776 englischsprachige Schlagwörter. Erwähnenswert ist als weiteres neues Feature die Möglichkeit, jede Zeichenkette einer Vollanzeige durch Doppelklick zum Ausgangspunkt einer datenbankweiten und feldübergreifenden Stichwortsuche zu machen. Die Suche mit Phrasen ist vor allem in den Feldern "Institution Name" und "Subjects" möglich und sinnvoll. Hingewiesen sei schließlich auf die Option, die Suchgeschichte, welche während der laufenden Sitzung sichtbar protokolliert wird, auf Wunsch für spätere Verwendung dauerhaft zu speichern.

 

Datenaufbereitung und Datenqualität

Die Daten des WGL werden nach wie vor per Fragebogenerhebung gewonnen. Dieses Verfahren ist zweifelsohne praktikabel und erbringt authentische, allerdings wenig standardisierte Daten. Redaktionelle Überarbeitung mit dem Effekt der Vereinheitlichung ist daher unverzichtbar. Im Falle von WGLplus2000 belegt die Verschlagwortung, dass die Daten zumindest partiell redigiert worden sind. Im Vergleich zu früher ist dies sicher als erfreulicher Fortschritt zu sehen. Nicht vollends befriedigen kann freilich die Art der Verschlagwortung. Über den Index stehen lediglich die Schlagwörter selbst zur Verfügung, Verweisungen werden nicht angeboten. Dass außer "Military History" auch das Schlagwort "World War I" existiert, kann nur intuitiv in Erfahrung gebracht werden. Bei einigen Schlagwörtern handelt es sich eigentlich um Ketten, die aber nicht permutiert werden ("Mass Media, Communication Acts"). Im Index unter "Communication..." findet sich kein Verweis auf Mass Media. Immerhin kann man auf dieses Schlagwort über die auf das Subjects-Feld beschränkte Stichwortsuche stoßen. Nicht bearbeitet wurden nach wie vor die Einträge in der Kategorie "Special Collections". Von Zettelkatalogen geprägte Bibliothekare streben auch weiterhin danach, durch Abkürzungen so platzsparend wie möglich zu operieren. Wenn also die Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt/Main als Sondersammelgebiet "Allg u vergl Sprachwiss" angibt, so tauchen im entsprechenden Index auch nur die Stichwörter "Allg", "vergl" "u" sowie "Sprachwiss" auf.

Hilfreich wären bei Städte- und Ländernamen, wenn von Namensvarianten auf die Ansetzungsform verwiesen würde. Wer Peking nicht von selbst unter Beijing sucht, ist verloren. Die Verwendung des MARC-Ländercodes ist sicher nachvollziehbar. Doch wäre ein Hinweis darauf und eine Zusammenführung zumindest der Codes mit den englischen Ländernamen im Index wünschenswert. Unbefriedigend ist auch die Aufbereitung der Personennamen. Die Feldinhalte sind lediglich verstichwortet, so dass als Suchelemente auch Eintragungen wie "Herr", "Dr" oder "Prof" zur Verfügung stehen.

Die Aktualität der Daten ist im allgemeinen zufriedenstellend und entspricht einem Berichtsstand von Anfang bis Mitte 1999. Sofern vorhanden werden E-Mail-Adresse und URL nicht nur angegeben, sondern gleich als aktivierbarer Link präsentiert.

 

Gesamtbeurteilung/Bewertung

WGLplus2000 zeigt sich gegenüber den Vorauflagen deutlich verbessert. Dafür spricht vor allem der Einsatz einer moderneren Software, die hinsichtlich der Oberflächengestaltung und der Suchtechniken aktuellen Standards gerecht wird. Auch in der Aufbereitung der Daten sind Verbesserungen zu bemerken, weitere Optimierungen allerdings sehr zu wünschen.