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Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographievereinigt mit Zentralblatt für Bibliothekswesen
Rezensionen Digitale Medien Verantwortlich: Achim Oßwald
Aus Heft 4 (2003) der Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie. Siehe auch die anderen Rezensionen der Rubrik. How to plan and implement a library portal [Elektronische Ressource]
Globalisierung und Internet werden meist in einem Atemzug genannt. Die Rede ist dann schnell von Standards zum weltweiten Informationstransfer. Im Bibliothekswesen allerdings haben sich sehr unterschiedliche nationale Instrumente herausgebildet, mit denen Bibliotheken das mediale Potential des Internet nutzen. Den in der Bundesrepublik seit kurzem entwickelten Virtuellen Fachbibliotheken entsprechen in Großbritannien die schon länger existierenden Subject Gateways. In den USA sind in diesem Zusammenhang Academic oder Library Portals zu nennen. Dabei weisen diese Instrumente sowohl hinsichtlich ihres Funktionsumfangs als auch ihres Leistungsvolumens erhebliche Unterschiede auf. Die letzte Ausgabe ihrer zweimonatlich erscheinenden zeitschriftenartigen Serie »Library Technology Reports« (Jahresabonnement: $ 360.00) hat die ALA im Jahre 2002 dem Thema Portale gewidmet. Der erfahrene und gefragte Experte für Bibliothekssoftware Richard W. Boss hat sich im Auftrag der ALA in dem hier zu besprechenden Praxishandbuch mit Portalsoftware auseinandergesetzt. Im Vordergrund steht der technische Aspekt. Dennoch liefert Boss erfreulicherweise einleitend einige knappe Antworten auf die Frage, was eigentlich ein Portal, was ein Bibliotheksportal ist und aus welchen Komponenten ein solches Portal besteht. Insbesondere diese Passagen (Kapitel 1 und 2, S. 4–13) seien deutschen Bibliothekaren besonders ans Herz gelegt. Aus diesen Bemerkungen geht nämlich klar hervor, wie unterschiedlich der Begriff Portal von angloamerikanischen und deutschen Bibliothekaren verwendet wird. Hierzulande wird unter Portal meist nicht mehr verstanden als eine Einstiegsseite für Internetrecherchen wie z. B. ein Web-Katalog oder auch nur ein mit wenigen Zusatzinformationen angereicherter Web-Auftritt z. B. einer Bibliothek. Boss stellt unmissverständlich klar: »A portal contains the following: Intuitive and customizable Web interface (…), Personalized content presentation (…), Security (…), Communication and collaboration.« (S. 5) Diese Strukturelemente sind demnach konstitutiv für Internetportale, Unternehmensportale und auch die meisten Bibliotheksportale. Allerdings, so räumt Boss ein, werden Personalisierungsfeatures wie »pushing information to users based on stored profiles«, oder Interaktivitäten wie »e-mail, chat rooms, forums, and polls« noch von zu wenigen Bibliotheken über Portale angeboten. Aber immerhin: Es gibt Bibliotheksportale, die derartige Funktionalitäten bereits umfassen und es gibt eine weit fortgeschrittene Debatte um die Möglichkeiten, Tools zum Zwecke von »Personalization, Customization, Communication, Collaboration« usw. in Bibliotheken einzusetzen. Richard Boss geht es in diesem Zusammenhang nicht darum, die Frage nach dem Sinn und dem Nutzen zu stellen, sondern einen Überblick über aktuell angebotene Softwarelösungen für Bibliotheksportale mit diesen Funktionalitäten zu geben. Ausführlich vorgestellt werden sowohl Produkte, die als reine Portale entwickelt wurden und angeboten werden, als auch Portale, die als Module in klassische Bibliotheks soft ware integriert sind. Der Funktionsumfang der einzelnen Produkte (insgesamt 13) wird detailliert beschrieben und durch Screenshots illustriert. Zu jedem Angebot werden Kontaktadressen, Anwender und Preise genannt. Mit dem ARL Scholars Portal Project, dem Agricultural Network Information Center und OCLC Public Library Portal werden drei weitere Portalprojekte beschrieben, deren Besonderheit darin besteht, dass Bibliotheksverbünde oder Konsortien als Entwickler und Betreiber eines kooperativen Portals auftreten. Den Abschluss bildet eine detaillierte Funktionsbeschreibung eines idealtypischen Bibliotheksportals sowie deren mögliche Umsetzung in ein Pflichtenheft. Deutschen Lesern, die sich intensiver z. B. über die Bedeutung von Personalisierungsoptionen für Bibliotheken informieren wollen, sei das Literaturverzeichnis im Anhang empfohlen: Dort werden zwar nur wenige, dafür aber richtungweisende Beiträge zitiert, wie etwa »Personalized Library Portals as an Organizational Culture Change Agent« von Amos Lakos und Chris Gray oder »Too Many Channels: Making Sense out of Portals and Personalization« von Debra S. Ketchell. Insgesamt bietet der Band für diejenigen, die attraktive Entwicklungschancen für Bibliotheken im Einsatz personalisierender, kommunikativer und kollaborativer Elemente im Rahmen von Bibliotheksportalen sehen, eine hervorragende Orientierung über entsprechende Softwareangebote. Andere hingegen, denen die gesamte Thematik noch wenig vertraut ist, können immerhin in knapper Form einen Überblick über Funktionsumfang und Einsatzmöglichkeiten derartiger Bibliotheksportale erhalten. Ein Monitum sei allerdings abschließend nicht verschwiegen: Eric Lease Morgan, Bibliothekar und Systementwickler an den University Libraries of Notre Dame, Indiana, arbeitet mit interessierten Kolleginnen und Kollegen seit mehreren Jahren an einer nicht-kommerziellen Software für Bibliotheksportale namens »MyLibrary«. Hinsichtlich des Entstehungskontextes hat dieses Projekt manche Parallele mit der erfolgreichen Allegro-Entwicklung durch Bernhard Eversberg in Deutschland. »MyLibrary« hätte ohne Zweifel in dem hier besprochenen Praxisleitfaden gebührend behandelt werden müssen. Rezensent: Hermann Rösch |