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Philosophia naturalis
Journal for the philosophy of nature
Herausgegeben von / Edited by: Andreas
Bartels, Bernd-Olaf Küppers, C. Ulises Moulines
Band 46 (2009). ca. 360 Seiten. € 134.- für
institutionelle Bezieher, € 73.- für Privatbezieher
Vol. 46 (2009). ca. 360 pages. € 134.-
for institutional subscribers, € 73.- for private subscribers
Aus dem Inhalt von Heft 1 / Table of Contents: Issue 1
Brigitte Falkenburg, Andreas Hüttemann, Manfred Stöckler: Nachruf auf Erhard Scheibe
Sven Walter: Wie frei sind wir eigentlich – empirisch?
Es gehört zu den elementaren Grunderfahrungen des menschlichen Daseins, dass wir uns in unserem Entscheiden und Handeln zumindest zeitweise als frei erleben. Diese unsere Selbstwahrnehmung wird von den Naturwissenschaften zunehmend zur Selbsttäuschung degradiert. Freiheit, so wird dort immer wieder betont, ist eine Illusion, denn unsere Selbstwahrnehmung als allein aus der rationalen Abwägung von Gründen heraus entscheidende und handelnde Autoren unseres eigenen Tuns ist mit naturwissenschaftlichen Überlegungen prinzipiell nicht zu vereinbaren. Demgegenüber betont die Philosophie unentwegt, die Naturwissenschaften arbeiteten mit zu starken Freiheitskonzeptionen, und der naturwissenschaftliche Angriff auf die Freiheit liefe leer, sobald Freiheit in einem kompatibilistischen Sinn verstanden werde. Beide Seiten haben Unrecht. Einerseits reichen die üblicherweise diskutierten empirischen Befunde zum endgültigen Nachweis unserer Freiheit keineswegs aus, andererseits gibt es in der Tat empirische Befunde, die auch eine kompatibilistisch verstandene Freiheit einschränken, wenngleich nicht vollständig widerlegen.
Maria Kronfeldner: Meme, Meme, Meme: Darwins Erben und die Kultur
Charles Darwin und seine Erben wendeten die Theorie der Evolution biologischer Arten auch auf Kultur an. Kultur evolviere wie die Natur auf Darwinistische Weise. Die sog. Memtheorie, vertreten von verschiedenen Autoren auf der Basis des Darwinistischen Genselektionismus, ist eine Spielart einer solchen analogen Anwendung. Dieser Artikel kritisiert drei zentrale Aussagen der Memtheorie: (i) dass es Einheiten der Kultur – Meme – gibt, die analog zu Genen zu verstehen sind, (ii) dass Meme, in Analogie zu Genen, Replikatoren sind, und (iii) dass Meme als Einheiten der kulturellen Selektion auf die gleiche Art wie Gene 'egoistisch' sein können. Nach einer Einführung in die Memtheorie in Teil 1, werden diese drei Thesen in Teil 2 als entweder falsch oder trivial entlarvt. Dieser kritische Teil soll vor allem zeigen, dass die Memtheorie keine 'gefährliche Idee' ist, die das bisher in den Geistes- Kultur- und Sozialwissenschaften tradierte Verständnis von Geist und Kultur herausfordern kann. Im Gegenteil, im besten Fall re-formuliert die Memtheorie lediglich Bekanntes in evolutionärer Sprache und ist in diesem Sinne trivial. In Teil 3 wird die Perspektive gewechselt: Nicht mehr der Gehalt, sondern die Funktion der Memtheorie, v.a. im Kontext interdisziplinärer Verständigung, soll betrachtet werden. Denn trotz der Kritik der drei Kernthesen kann die Memtheorie eine kommunikative und somit produktive Rolle zwischen den 'zwei Kulturen' der Wissenschaften spielen.
Olaf Müller, Matthias Rang: Newton in Grönland. Das umgestülpte
experimentum crucis in der
Streulichtkammer
Newtons experimentum crucis hat ein komplementäres Gegenstück, d.h. ein Experiment, in dem die Rollen von Licht und Schatten genau ausgetauscht sind. Statt wie Newton in der Dunkelkammer zu experimentieren, müssen wir das Komplement des
experimentum crucis in einer Streulichtkammer aufbauen (deren Wände sog. Lambertstrahler sind). Wenn es dieses umgestülpte Experiment wirklich gibt, dann liefert es für jeden newtonischen Beweis einen umgestülpten Gegenbeweis, dessen Konklusion die Heterogenität der Schatten wäre (also die Behauptung, dass nicht weißes Licht, sondern schwarze Schatten eine heterogene Mischung verschiedenfarbiger Strahlen mit unterschiedlichen Brechungseigenschaften seien). Dass Newtons
experimentum crucis in diesem Sinne umgestülpt werden kann, wird von Newtons eigener Theorie impliziert. Mehr noch, inzwischen ist der empirische Nachweis der Umstülpung gelungen.
Francisco Doria, Manuel Doria:
On formal treatments for general relativity
We give a unified axiomatic treatment for the several mutually contradictory theories in the domain of general relativity, and examine a few nontrivial
consequences of our proposal. We also consider our proposed axiomatization in the light of Nagel’s concept of reducibility.
Gregor Betz: What range of future scenarios should climate policy be based on?
Modal falsificationism and its limitations
Climate policy decisions are decisions under uncertainty and are, therefore, based on a range of future climate scenarios, describing possible consequences of alternative policies. Accordingly, the methodology for setting up such a scenario range becomes pivotal in climate policy advice. The preferred methodology of the Intergovernmental Panel on Climate Change will be characterised as "modal verificationism"; it suffers from severe shortcomings which disqualify it for scientific policy advice. Modal falsificationism, as a more sound alternative, would radically alter the way the climate scenario range is set up. Climate science's inability to find robust upper bounds for future temperature rise in line with modal falsificationism does not disprove that methodology, rather, this very fact prescribes even more drastic efforts to curb CO2 emissions than currently proposed.
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