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Romanische Forschungen

Vierteljahrsschrift für romanische Sprachen und Literaturen

Herausgegeben von Frank-Rutger Hausmann (Literaturwissenschaft) und Harro Stammerjohann (Sprachwissenschaft)

 

Band 113 (2001): In vier Einzelheften. X, 574 Seiten. 
€ 159.-
Die zurückliegenden Jahrgänge sind weitgehend lieferbar.

 

Aus dem Inhalt von Heft 1

 

Aufsätze

Berruto, Gaetano: L’emergenza della connessione interproposizionale nell’italiano di immigrati. Un’analisi di superficie

Im vorliegenden Beitrag werden das Auftauchen sowie die Entwicklung der Satzverknüpfung (Koordination und Subordination) in Lernvarietäten des Italienischen untersucht. 29 Aufnahmen mit 27 Informanten, die Italienisch durch ungesteuerten Spracherwerb in zwei soziolinguistisch verschiedenen Umgebungen (Norditalien und der deutschen Schweiz) gelernt haben, stellen die empirische Basis der Arbeit dar. Die aufgefundenen 42 Formen der Satzverknüpfung, die diejenigen von Muttersprachlern gut widerspiegeln, ermöglichen auf Grund ihrer sehr verschiedenen Frequenz sowie ihrer Distribution, eine Implikationsskala mit beschränktem Gültigkeitsgrad (Skalabilität: 88,26%) auszuarbeiten. Aus dieser Skala ist eine Hierarchie ersichtlich, die auf dem ersten Platz e sieht, und dann perché und 0 + Infinitiv, und dann noch ma und quando, relatives che und per + Infinitiv, poi und kompletives che, dopo und konditionales se, usw. Die Analyse der Ergebnisse erlaubt es, die implikationellen Hierarchien der Satzverknüpfung im (ungesteuerten) Zweitspracherwerb, die aus typologischen und funktionellen Gründen hypostasierbar oder aus der bisherigen Forschung eruierbar sind, zu bestätigen sowie näher zu bestimmen. Eine besondere Rolle spielt bei den ersten Stadien der Entwicklung der Satzverknüpfung im Italienischen als Zweitsprache die polyvalente Form 0 + Infinitiv.

 

Marek, Heidi: Pascal im Bade: Jean-Philippe Toussaints La salle de bain und La télévision

Jean-Philippe Toussaint, geboren 1957 in Brüssel, gehört zusammen mit Patrick Deville, Christian Oster, Eric Chevillard, Christian Gailly u.a. zu den von Minuit verlegten jungen Autoren der 80er Jahre, die man als die Gruppe der minimalistes bezeichnet oder auch, in Anlehnung an die in den 50er Jahren ebenfalls bei Minuit verlegten nouveaux romanciers, mit dem Etikett des nouveau nouveau roman versehen hat. Von Toussaint erschienen bisher fünf Romane: La salle de bain (1985), Monsieur (1986), L’appareil-photo (1988), La réticence (1991) und La télévision (1997). Das Erstlingswerk hatte auf Anhieb einen durchschlagenden Erfolg beim französischen Publikum. Zu ihm liegen bereits eine Reihe von Interpretationsansätzen vor, die alle in ein und dieselbe Richtung weisen. La salle de bain gilt gemeinhin als das Paradebeispiel eines französischen Romans der Postmoderne, der eine spielerisch-leichte Oberflächenstruktur darbietet und jede auf einen „tieferen Sinn" gerichtete Lesererwartung zunichtemacht. Ich möchte diesem Postulat einen eigenen Deutungsversuch entgegensetzen, der aufgrund eines intertextuellen Bezugs zu Blaise Pascal in La salle de bain eine Tiefenstruktur nachweist, die mir persönlich evident erscheint. Danach möchte ich einen direkten Bogen schlagen zum bisher letzten Werk, La télevision, das für mich eine Art Wiederaufnahme und gleichzeitig eine Weiterentwicklung von Toussaints frühen Motiven darstellt und meine Interpretation von La salle de bain bestätigen kann.

 

Miszellen

Arich, Friedrich: Lesen - Beobachten. Entwurf eines beobachtertheorethischen Modells von Lektüre

"Lesen", vor zwei Jahrzehnten noch Gegenstand lebhafter literaturwissenschaftlicher Debatten, hat sich mehr und mehr in das Schlafzimmer des gegenwärtigen Theorieinteresses zurückgezogen. Eine Revision dieses Bereiches mit dem Ziel, es unter Rückgriff auf die beobachtertheoretischen Positionen Niklas Luhmanns wiederzuerwecken, mag vor diesem Hintergrund ein lohnenswertes Unterfangen darstellen. Der Aufsatz versucht sich mittels einer illustrierenden Lektüre von Javier Marías Roman Corazón tan Blanco (1992) sowie der Zuarbeitung des genannten systemtheoretischen Arsenals auf den Bereich des literarischen Rezipierens an der Erstellung eines Rahmens, dessen Validität sich in konkreten Untersuchungen zeitgenössischer Texte und den ihnen inhärenten, rezeptionstheoretisch beschreibbaren Potentialen zu bewähren haben wird. Kernaussage des theoretischen Teils wird es sein, den Begriff des Lesens durch den flexibleren des Beobachtens im Sinne Luhmanns zu ersetzen. Sodann soll unter Bezugnahme auf Julio Cortázars Roman Rayuela (1963) anhand eines konkreten Textbezuges exemplifiziert werden, wo genau das innovatorische Moment dieses Ansatzes gegenüber seinen lesetheoretischen Vorgängern liegt.

 

Nelting, David: Nicolo Circignanis Fresken in Santo Stefano Rotondo und Antonio Gallonios Trattato de gli instrumenti di martirio. Zwei Beispiele manieristischer Praxis unter den Bedingungen der Gegenreformation

In questo articolo si dimostra che si trovano, alla fine del Cinquecento, degli esempi d’arte esplicitamente clericale che decostruiscono la pragmatica estetica tridentina, elaborata per esempio da Gabriele Paleotti nel suo Discorso intorno alle imagini sacre e profane (1582). Vengono analizzati due esempi significativi che mettono in scena un tema controriformistico per eccellenza, e cioè il tema del martirio: gli affreschi di Nicolò Circignano nella chiesa gesuitica di Santo Stefano Rotondo a Roma (1582) ed il Trattato de gli instrumenti di martirio, e delle varie maniere di martoriare dell’oratoriano Antonio Gallonio (con incisioni di Antonio Tempesta), pubblicato nell’ anno 1591 e ristampato successivamente in latino. Gli affreschi ed il testo con le sue illustrazioni sovvertono strutturalmente l’intenzione didattica dell’estetica tridentina e infrangono le norme del decorum controriformistico. Gallonio per esempio assegna una funzione erotica al personnaggio del martire facendo ricorso a motivi e strutture narrative della letteratura profana. Formalmente i nostri due esempi si inseriscono nel discorso manieristico, opposto all’estetica controriformistica. L’utilizzazione formale di tecniche manieristiche – non viene attualizzato esplicitamente un modello epistemologico anti-controriformistico - deconstruisce finalmente l’estetica tridentina anche a livello semantico.

 

Nachrufe

Hausmann, Frank-Rutger: Ulrich Schulz-Buschhaus (1941-2000)

 

Rezensionen

Bendinelli Predelli, Maria: Antonio Andreoni: Piccone e poesia. La cultura dell’ottava nell poema d’emigrazione di un contadino lucchese (Ruedi Ankli)

Bremer, Thomas / Jochen Heymann (Hg.): Sehnsuchtsorte. FS Heydenreich (Peter Ihring)

Camion, Arlette et al. (Hg.): Über das Fragment - Du fragment (David Nelting)

Gärtner, Eberhard: Grammatik der portugiesischen Sprache (Axel Schönberger)

Guthmüller, Bodo: Mito, Poesia, Arte. Saggi sulla tradizione ovidiana nel Rinascimento (Christoph Hoch)

Hölz, Karl: Das Fremde, das Eigene, das Andere. Die Inszenierung kultureller und geschlechtlicher Identität in Lateinamerika (Erna Pfeiffer)

Koppelberg, Stephan: Untersuchungen zum lateinischen Erbwortschatz des Katalanischen (Axel Schönberger)

Lalaire, Louis: La variation modale dans les subordonnées à temps fini du français moderne (Andreas Gather)

Lohmann-Bormet, Claudia: Leopardis Canti im Kontext zeitgenössischer Lyrikpraxis und Poetik (Thomas Klinkert)

Loporcaro, Michele: Sintassi comparata dell’accordo participiale romanzo (Eva-Maria Remberger)

van Montfrans, Manet: Georges Perec. La contrainte du réel (Maximilian Groene)

Taterka, Thomas: Dante Deutsch. Studien zur Lagerliteratur (Peter Kuon)

 

Kurzrezensionen

Cuervo, Rufino José: Diccionario de construcción y régimen de la lengua castellana, t. 8 (Annette Endruschat)

Cullière, Alain: Les écrivains et le pouvoir en Lorraine au XVIe siècle (Simone de Reyff)

Gärtner, Kurt / Günther Holtus (Hgg.): Urkundensprachen im germanisch-romanischen Grenzgebiet. Colloquium Trier 1995 (Victoria Popovici)

Glatigny, Michel: Les marques d’usage dans les dictionnaires français monolingues du XIXe siècle (Joachim Lengert)

Guthmüller, Bodo (Hg.): Latein und Nationalsprachen in der Renaissance (Wilhelm Kühlmann)

Hoerkens, Waltraud: Die Renaissance der französischen Sprache in Québec (Bernhard Pöll)

Marzys, Zygmunt: La Variation et la Norme (Annette Endruschat)

Mollidor, Jutta: Negationspräfixe im heutigen Französisch (Christine Damis)

Ohly, Friedrich: Zur Signaturenlehre der Frühen Neuzeit. Bemerkungen zur mittelalterlichen Vorgeschichte und zur Eigenart einer epochalen Denkform in Wissenschaft, Literatur und Kunst (Willi Hirdt)

Olbertz, Hella: Verbal Periphrases in a Functional Grammar of Spanish (Judith Meinschaefer)

Pöll, Bernhard: Französisch außerhalb Frankreichs (Joachim Lengert)

Redondo, Augustin: Otra manera de leer ‘El Quijote’ (Adolfo Murguía)

Rieger, Dietmar: Chanter et dire. Etudes sur la littérature du Moyen Age (Reinhilt Richter-Bergmeier)

Rouveret, Alain (Hg.): "Être" et "Avoir". Syntaxe, sémantique, typologie (Andreas Gather)

Weich, Horst: "Paris en vers". Aspekte der Beschreibung und semantischen Fixierung von Paris in der französischen Lyrik der Moderne (Britta Brandt)

Wolfzettel, Friedrich (Hg.): 19. Jahrhundert. Roman (Birgitte Sändig)