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Romanische Forschungen

Vierteljahrsschrift für romanische Sprachen und Literaturen

Herausgegeben von Mechthild Albert (Literaturwissenschaft) und Franz Lebsanft (Sprachwissenschaft)

 

Band 118 (2006): In vier Einzelheften. etwa 576 Seiten. 
€ 182.-
Die zurückliegenden Jahrgänge sind weitgehend lieferbar.

 

Aus dem Inhalt von Heft 3

 

Aufsätze

 

De Dardel, Robert: La phrase segmentée protoromane

 

All Romance languages form segmented sentences of the type illustrated by French  Paul, je le vois, literally >Paul, I him see<, and Je le vois, Paul, literally >I him see, Paul<, where Paul is at the same time object of the verb voir and theme of the sentence, referring to the preceding text or to the situation. This construction constitutes a problem for historical linguistics insofar as we do not know whether it originates in Proto-Romance or has been formed separately and independently  in each of the Romance languages. According to the hypothesis presented in this paper, the segmented sentence at issue originates and can probably be  accounted for in Proto-Romance.

 

Rivoletti, Christian: Dagli Ossi di seppia a Le città invisibili: come Calvino riusa Montale

 

Calvino hat bei mehreren Gelegenheiten (in Interviews, Aufsätzen und Vorträgen) seine Bewunderung für die Dichtung Montales ausgedrückt, insbesondere für die erste Gedichtsammlung Ossi di seppia. Jedoch ist bisher von der Forschung nicht erkannt worden, daß in seinem Roman Le città invisibili zahlreiche aus Montales Gedichten übernommene Bilder und Themen, ja sogar wortgenaue Anspielungen zu finden sind. In einer bekannten Interpretation des Gedichts Forse un mattino andando ersetzt Calvino freilich die im Text beschriebene Natur-Landschaft durch eine Stadt-Landschaft, die als “mentaler” Raum, als privilegierter Ort einer epistemologischen Reflexion über die Welt wahrgenommen wird. Darüberhinaus begegnet man in einer der Unsichtbaren Städte dem bei Montale zentralen Thema des Wunders, des außergewöhnlichen Ereignisses, das unerwartet und zufällig das Erkenntnishindernis der Wirklichkeit für eine kurze Zeitspanne aufhebt. Indem Calvino auf Montales Bilder und gegenständliche Korrelate rekurriert (die «muraglia», der in der städtischen Menschenmenge versunkene Passant, der in einer undurchdringlichen Landschaft sich öffnende Spalt), verweist er auf eine tiefe Verwandtschaft seiner Poetik mit der des Dichters. Um seinen neuen Diskurs über die Utopie zu entwickeln, greift Calvino auf große Themen der Ossi di seppia zurück: die Opposition zwischen Notwendigkeit und Kontingenz (diese als "Freiheit" intendiert, im Sinne Boutroux'), die Erkenntnis als fragmentarischen und diskontinuierlichen Prozeß, die Opposition zwischen sichtbarer Materie und unsichtbarer Essenz, die existenzielle Dimension des Ichs als Ausgangspunkt der Analyse gesellschaftlicher Fragestellungen.

 

Miszellen

 

Schindler, Otto: Zan Ganassa, Tabarino & Cía. cruzan los Alpes

 

Der Schauspieler und Wanderbühnenprinzipal aus Ferrara, Alberto Naselli genannt Zan Ganassa (1543-1585), ist bisher wegen seiner Tätigkeit in Oberitalien, Frankreich und Spanien bekannt geworden. Während sein venezianischer Kollege Giovanni Tabarino (gest. 1586) seit Mitte der 1560er Jahre an den österreichischen Habsburgerhöfen zu Gast ist, konnte erst in jüngster Zeit nachgewiesen werden, dass auch Ganassa mit seiner Ehefrau Barbara Flaminia am Hof Maximilians II. auftrat, wo er bei den Hochzeiten der kaiserlichen Töchter, 1570 in Prag und in Speyer, zusammen mit Tabarino und weiteren Comici dell’arte gespielt hat. Ganassas Theatergesellschaft, die Desiosi, war vorher in Mantua aufgetreten, woraus sie von der neu aufgeflammten Inquisition vertrieben und vom kaiserlichen Antiquarius Jacopo Strada an den Wiener Hof vermittelt wurde. Über Prag und Speyer folgen die Komödianten dem französischen Hochzeitsgeleite nach Paris, wo sie auch in der Zeit der Bartholomäusnacht spielen. Nach dem Tod König Karls IX. (1574) wendet sich Ganassa nach Spanien, während Tabarino nach Wien zurückkehrt und dort das Hofballhaus in Pacht nimmt.

Hurch, Bernhard: [[Die Suche nach dem Stil] als Text]. Diskursanalytisches zu Gumbrechts Spitzer-Buch

 

Autore ante litteram dell’analisi del discorso, Spitzer stesso ha in certo qual modo fornito l’inventario degli strumenti che consentono di distinguere il metodo scientifico dalla pletora intellettuale. Il presente contributo intende mettere in evidenza come e dove alcuni critici odierni che si sono occupati di Spitzer abbiano abbandonato il terreno del rigore scientifico.

 

 

Replik

 

Gumbrecht, Hans Ulrich: Inkommensurabel. Ein Brief an Bernhard Hurch

 

 

Rezensionen

 

Bender-Berland, Geneviève / Johannes Kramer / Joseph Reisdœrfer (Hg.): Dictionnaire étymologique des éléments français du Luxembourgois, Fasicule 1 (Anja Overbeck)

 

Cavaillé, Jean-Pierre: Dis/simulations. Vanini, La Mothe Le Vayer, Naudé, Machon, Accetto (Jürgen Grimm)

 

Foucault, Didier: Un philosophe libertin dans l´Europe baroque. Giulio Cesare Vanini (1585-1619) (Jürgen Grimm)

 

Leeker, Joachim (Hg.): Renaissance (Barbara Kuhn)

 

Meisenburg, Trudel / Maria Selig (Hg.): Nouveaux départs en phonologie. Les conceptions sub- et suprasegementales (Andreas Gather)

 

Kurzrezensionen

 

Baldinger, Kurt / Frankwalt Möhren: Dictionnaire étymologique de l’ancien français, publié sous la direction de Frankwalt Möhren (David Trotter)

 

Baron, Philippe u.a. (Hg.): Femmes et littérature (Stephanie Bung)

 

Berens, Roland: Narrative Ästhetik bei Horacio Quiroga (Diana García Simon)

 

Bohnert, Karin: Bildnisse auf der Bühne: zur dramatischen Funktion von gemalten Portraits in europäischen Bühnenstücken (Hanspeter Plocher)

 

Ertler, Klaus-Dieter / Werner Helmich (Hg.): Das Rezensionswerk von Ulrich Schulz-Buschhaus (Frank-Rutger Hausmann)

 

De Gendt, Anne Marie: L´Art d´éduquer les nobles damoiselles. Le Livre de la Tour Landry (Karin Becker)

 

Grierson, Karla: Discours d´Auschwitz. Littérarité, représentation, symbolisation (Monika Neuhofer)

 

Helzle-Drehwald, Bernhard: Der Gitanismo im spanischen Argot (Norbert Boretzky)

 

Van Hove, Susanne: Muses, que je consacre à ma noble Patrie. Dramatikerinnen zur Zeit der Französischen Revolution (Susanne Hartwig)

 

Illinsky, Kirill: La préposition et son régime. Etude des cas atypiques (Grégoire Brault)

 

Kruse, Margot: Beiträge zur französischen Moralistik (Hans-Gerd Schulte)

 

Müller, Horst F.: Henri Barbusse. Bio-Bibliographie (Peter Jehle)

 

Ortner-Buchberger, Claudia: Briefe schreiben im 16. Jahrhundert. Formen und Funktionen des epistolaren Diskurses in den italienischen `libri di lettere` (Manfred Hinz)

 

Osthus, Dietmar / Claudia Polzin Haumann / Christian Schmitt (Hg.): La norme linguistique. Théorie – pratique – médias – enseignement. Actes du colloque tenu à Bonn le 6 et 7 décembre 2002 (Bernhard Pöll)

 

Ottaviani, Didier: La philosophie de la lumière chez Dante (Frank-Rutger Hausmann)

 

Pöll, Bernhard: Spanische Lexikologie. Eine Einführung (Elmar Eggert)

 

Szkilnik, Michelle: Jean de Saintré. Une carrière chevaleresque au XVe siècle (Robert Fajen)

 

Thackway, Melissa: Africa Shoots Back. Alternative Perspectives in Sub-Saharan Francophone African Film (Dirk Naguschewski)