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Romanische ForschungenVierteljahrsschrift für
romanische Sprachen und Literaturen
Band 121
(2009): In vier Einzelheften. 576 Seiten.
Aus dem Inhalt von Heft 3 / Table of Contents: Issue 3
Aufsätze
/ Essays Gegenstand des Artikels ist die grundlegende Diskussion von Neutrum und Individuum als grammatischen Entitäten, die in der Geschichte und modernen Struktur der romanischen Sprachen eine entscheidende Rolle spielen. Der weitreichende Verlust des lateinischen Neutrums, das eine ganze Reihe wichtiger konzeptueller Werte signalisierte (u.a. Nicht-Zählbarkeit, Ereignishaftigkeit, propositionalen Charakter usw., alles Kategorien, die keine räumliche Begrenztheit, also Nicht-Individuation, gemeinsam haben), führt, so die Hauptthese, in den romanischen Sprachen zu verschiedenen Individuations- bzw. Nicht-Individuationsstrategien, die mit der jeweiligen Neuorganisation des nominalen Genus- (und auch Numerus-) Systems systematisch korrelieren. Nach eine ausführlichen Begriffsklärung insbesondere des Konzepts des Individuums in Sprache und Sprachverwendung erfolgt eine Diskussion der beiden Konzepte einmal in Bezug auf Nominalmorphologie und Nominaldetermination der romanischen Sprachen und zweitens in Bezug auf Kasusmarkierung im Romanischen, insbesondere auf die weitverbreitete differentielle Objektmarkierung. Die weitgehend komplementäre Verteilung von obligatorischer Nominaldetermination und ›Partitivartikel‹ einerseits und differentieller Objektmarkierung im Romanischen andererseits kann vor diesem Hintergrund als nominalsyntagmainterne vs. -externe Anzeige von (Nicht-)Individuation als ›Neutrumsersatz‹ verstanden werden. Meier, Franziska: Almeida Garretts Viagens na minha terra In
1843 Almeida Garrett broke off his prized project of writing the history of the
Portuguese revolution; at the same time he interrupted his serial novel Viagens
na minha terra for two years. This essay emphasizes that this is more than
coincidence. The impossibility to fully understand contemporary history pushed
Garrett to implement his insights in the fiction. The novel that was meant to be
a satirical diagnosis of the country written by a liberal opponent of the regime
of Costa Cabral became a haunting reflection upon the confusing mixture of old
and new, i.e. upon the predominance of the ruined antigo regime the revolution paradoxically brought about. The second
part of the essay lays bare the impact the historical implementation has on the
narrating self. The self that starts the journey in the wave of Laurence Sterne,
exhibiting a joyful distance, does not only grow concerned about Portuguese
reality, about the ‘undead life’ it happens upon along the way but, moreover,
it becomes aware of losing its inner distance and, consequently, its authority
over the text. The historical new-orientation of the novel changes the journey
into an exploration of the mark that post-revolutionary history left on the
individual and, in particular, on autobiographical writing. Viagens,
therefore, can be read as a text about the “disempowerment” of the self by
the new way of experiencing history as described by Reinhart Koselleck.
Ferlampin-Acher,
Christine: Croquer le marmot dans Guillaume d´Angleterre: l´anthropophagie
et l´inceste au service d´un détournement parodique de l´hagiographie Der erstaunliche kannibalische Impuls von Gratienne, Heldin des Guillaume d’Angleterre, ihre Kinder zu verschlingen, und die überraschende Reaktion ihres Gatten, der ihr vorschlägt, stattdessen von seinem eigenen Fleisch zu essen, sind der Leitfaden der vorliegenden Untersuchung, die Hypothesen zur Bedeutung und Tragweite dieses häufig unterschätzten Textes aufstellt. Der Roman, der auf den ersten Blick einem hagiographischen Handlungsmuster folgt, besäße demnach eine parodistische Intention und postulierte einen moralischen Mittelweg zwischen christlicher Spiritualität und Einsiedlertum einerseits und bürgerlich-kaufmännischem Materialismus andererseits. Darüber hinaus steht das Begehren im Mittelpunkt der conjointure, so dass der Roman als Läuterung des Begehrens der Königin und des Königs gedeutet werden kann – vom möglichen Inzest und Ehebruch zur Bekräftigung der Ehe, von der Gier zur Mäßigung. Guillaume d’Angleterre erscheint in dieser Perspektive als ein Gegenentwurf zum Roman de Thèbes wie zum Apollonius de Tyr. Rezensionen
/ Reviews Atayan,
Vahram: Makrostrukturen der Argumentation im Deutschen, Französischen und
Italienischen (Heidi Aschenberg) Demartini,
Dominique: Miroir d´amour, miroir du roman. Le discours amoureux dans le Tristan
en prose (Felicitas Olef-Krafft) Hafner,
Jochen/Wulf Oesterreicher (Hg.): Mit Clio im Gespräch. Romanische
Sprachgeschichten und Sprachgeschichtsschreibung (Jörn Albrecht) Kurzrezensionen
/ Short reviews
Cropp,
Glynnis M. (Hg.): Le livre de Boece de Consolacion (Franz Lebsanft) Diegner, Britt: Kontinuitäten und (Auf)brüche. Der peruanische Roman der 1990er Jahre (Rita Gnutzmann) Jeay,
Madeleine: Le commerce des mots. L´usage des listes dans la littérature médiévale
(XIIe-XVe siècles) (Karin Becker) Lysoe,
Eric/Peter Schnyder (Hg.): Ombre et lumière dans la poésie belge et
suisse de langue française (Hans Joachim Lope) Mathis-Moser,
Ursula/Birgit Mertz-Baumgartner (Hg.): La littérature française
contemporaine. Contact de cultures et créativité (Martina Stemberger) Mülder-Bach, Inka/Gerhard Neumann (Hg.): Räume der Romantik (Christoph Leitgeb) Runte, Annette/Eva Werth (Hg.): Feminisierung der Kultur? Krisen der Männlichkeit und weibliche Avantgarden (Renate Kroll) Tajes,
María P.: El cuerpo de la emigración y la emigración en el cuerpo (Frank
Estelmann) Thomas,
Dominic: Black Volpe-Pühringer, Theresa: Implizite Sozialkritik in den Komödien von Labiche. Der Bürger in Stress-Situationen (Konrad Schoell) Wagner,
Fritz: Mente caelum inhabitans: kleine Schriften zur Philologie und
Geistesgeschichte des Mittelalters (Frank-Rutger Hausmann) |