Impressum

Historisches

Autorenrichtlinien

Diese Zeitschrift bestellen

Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie

vereinigt mit Zentralblatt für Bibliothekswesen

Herausgegeben von Klaus-Dieter Lehmann

 

Band 44 (1997). XII, 676 Seiten, € 52.- Best.Nr. 2031-6
Ermäßigter Preis für die Mitglieder von VDB und VdDB €34.-
Die zurückliegenden Jahrgänge sind weitgehend lieferbar.

 

 

Aus dem Inhalt von Heft 6

 

Aufsätze

Wilfried Fiedler: Zwischen Kriegsbeute und internationaler Verantwortung - Kulturgüter im internationalen Recht der Gegenwart

Die Rückgabe von fast 100.000 wertvollen Büchern aus Georgien sowie auch der kleinere Austausch von Kulturgütern zwischen Deutschland und der Ukraine bestätigen die grundlegende Bedeutung rechtlicher Aspekte für die Regelung von Problemen der Restitution von Kulturgütern. Hinzu gekommen ist jedoch ein neuer Faktor, die gesteigerte internationale Verantwortung für eine sorgfältige wissenschaftliche und politische Behandlung auch der "Wegnahmen" zwischen 1945 und 1954. Denn die Staatenpraxis auch dieser Periode wirkt sich auf spätere militärische Konflikte aus: Auch aktuelle kriegerische Konflikte zeigen erhebliche Beutezüge der Beteiligten. Der Krieg hat auf diese Weise ein auch rechtlich neues Gesicht erhalten und ist häufig gegen kulturelle Bereiche des Gegners gerichtet. Von der Gestaltung des Verhältnisses zwischen Deutschland und Rußland hängt die Regelung von Restitutionsproblemen anderer Staaten verstärkt ab. Sie kann daher nicht mehr als isoliertes bilaterales Problem gesehen werden. Vor diesem Hintergrund ist auch die Bundesregierung gezwungen, Regelungen mit Rußland zu vermeiden, die dritten Staaten Schaden zufügen könnten oder mühsam erreichten internationalen Schutzstandard entscheidend zurückwerfen. Daher kommt es darauf an, alle Möglichkeiten des geltenden Völkerrechts zu nutzen, einschließlich der Beachtung des humanitären Völkerrechts und der Menschenrechte, um dauerhafte Lösungen zu entwickeln. Sie müssen zudem dem rechtlichen Standard der Europäischen Gemeinschaften und der europäischen Dimension insgesamt entsprechen. Es liegt auf der Hand, daß dadurch auch die Grenzen jeden "Kompromisses" bestimmt werden. Auch ein oberflächlicher Umgang mit dem "Kulturerbe der Menschheit" scheidet aus. Das "Weltkulturerbe" darf kein Feigenblatt für die Anerkennung von kulturgerichteten Raubzügen jeder Art gegenüber anderen Völkern und Staaten bieten. Statt dessen ist die dauerhafte und befriedende Wirkung des geltenden Völkerrechts stärker als bisher zu betonen.

Olaf Hamann/Daniela Lülfing/Andreas Mälck: Glückliches Ende einer Odyssee

Zum Ende des 2. Weltkrieges wurden größere Teile der aus deutschen Bibliotheken verlagerten Bestände in die damalige Sowjetunion verbracht und dort auf Bibliotheken verschiedener Sowjetrepubliken verteilt. Nach den politischen Umwälzungen der Jahre 1989-1992 entschloß sich die jetzt selbständige Republik Georgien, die auf ihrem Territorium befindlichen Bücher aus deutschen Bibliotheken ohne Vorbedingungen an die Bundesrepublik zurückzugeben. Der Artikel berichtet über die vorbereitenden Arbeiten auf deutscher Seite. Aus der Sicht der beteiligten deutschen Bibliothekare wird der Verlauf der Verpackungsarbeiten in der Zentralbibliothek der Akademie der Wissenschaften Georgiens, der Bibliothek der Hochschule für europäische Sprachen und Kulturen und der Pädagogischen Gogebaschwili-Bibliothek in Tbilissi geschildert. Dabei werden anhand zahlreicher persönlicher Erlebnisse die Probleme der Rückführung und die großartige Unterstützung, die das Projekt von georgischer Seite erfuhr, deutlich gemacht. Weiterhin wird ausgearbeitet, wie die zurückgekehrten Bücher unter der Regie der Staatsbibliothek zu Berlin aufgestellt, gesäubert, nach Provenienzen sortiert und für die Rückgabe an die deutschen Bibliotheken vorbereitet worden sind. Die Autoren würdigen die Haltung der Republik Georgien in der international kontrovers diskutierten Frage der Restitution von Kulturgut.

Gottfried Kratz: Die Tschertkowsche Bibliothek und ihre deutschsprachigen Bestände

Die Tschertkowsche Bibliothek in Moskau ist dem deutschsprachigen Leser seit über 130 Jahren bekannt. Im Jahre 1865 waren Auszüge aus ihrem Katalog "Allgemeine Bibliothek von Rußland oder Catalog von Büchern zur Kenntnis unseres Vaterlandes in allen Beziehungen und Einzelheiten" in deutscher Sprache veröffentlicht worden, mit Hinweis auf die "Unica" und "bibliographischen Seltenheiten", die die Bibliothek "sowohl in [...] russischer" Sprache als auch [...] in anderen Sprachen" enthalte.
Der Untersuchung des deutschsprachigen Bestandes dieser Bibliothek, die heute Teil der Moskauer Historischen Bibliothek ist, ist die vorliegende Arbeit gewidmet.
Die Untersuchung schließt mit der Forderung, die deutschsprachigen Bestände dieser Bibliothek, möglichst im Rahmen einer Gesamtkatalogisierung der Tschertkowschen Bibliothek oder der fremdsprachigen Bestände der Historischen Bibliothek, zu katalogisieren und der Wissenschaft zugänglich zu machen.

 

Buchbesprechungen

Waldemar Ritter: Kulturerbe als Beute? Die Rückführung kriegsbedingt aus deutschland verbrachter Kulturgüter; Notwendigkeit und Chancen für die Lösung eines historischen Problems (Ingo Kolasa)

Electronic Documents and Information: From Preservation to Access; Festschrift in honor of Patricia Battin (Günther Pflug)

 

Ausgewählte Bibliographien und andere Nachschlagewerke

Digitale Medien

NetLearn: Internet Learning Resources (Achim Oßwald)

Printmedien

Bibliographia dramatica et dramaticorum (tr)

Deutsche Drucke des Barock 1600 - 1720 in der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel (tr)

Polnische Drucke und Polonica 1501 - 1700, ungarische Drucke und Hungarica 1480 - 1720 (tr)

Eymers Pseudonymen-Lexikon (tr)

Bibliographie der Tarnschriften: 1933 - 1945 (tr)

Das kirchliche Archivwesen in Deutschland (tr)

Who was who in the People's Republic of China (tr)

 

Berichte und Mitteilungen

4. Europäisches Bielefeld Kolloquium Bibliotheken und Verlage als Träger der Informationsgesellschaft

Pressemitteilung des BDB zur beabsichtigten Schließung des Deutschen Bibliotheksinstitutes