Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie
vereinigt mit Zentralblatt für Bibliothekswesen
Organ des wissenschaftlichen Bibliothekswesens
Enthält auch Mitteilungen des Vereins Deutscher Bibliothekare e.V.
Herausgegeben von Graham Jefcoate, Hermann Leskien und Elisabeth Niggemann
Jahrgang 50 (2003). VI, 354 Seiten, für
institutionelle Bezieher € 89.-, für private Bezieher € 39.-
Die zurückliegenden Jahrgänge sind weitgehend lieferbar.
Aus dem Inhalt von Heft 1
Uwe Rosemann: Editorial
"The culture of cooperation" war der Titel eines Vortrags von Daniel Mattes,
University of Mexico, auf der IFLA 2002 in Glasgow.
Über Kooperationen ist auch in diesem ZfBB-Heft viel die Rede, wie denn
überhaupt über Kooperationen viel mehr gesprochen wird, als dass sie wirklich
gelebt werden.
"Cooperation is to share ownership of a facility which is jointly financed
and accessible to all members", so die Definition des Vortragenden, die die
wesentlichen Eigenschaften von Zusammenarbeit sehr allgemein beschreibt.
Kooperationen gibt es auf lokaler Ebene: Hier wird die Zusammenarbeit von
Bibliotheken mit Rechenzentren und audiovisuellen Zentren immer wichtiger. Auf
regionaler Ebene sind die Verbünde ein bis heute bewährtes Beispiel, national
wird es aber schon schwieriger: Natürlich ist hier die Zeitschriftendatenbank zu
nennen, auch die Elektronische Zeitschriftenbibliothek, vielleicht auch die
Leihverkehrsordnung, die es aber so schwer mit ihrem "Upgrade", ihrer Neufassung
hat; ein Kooperationsproblem? Wie nicht anders zu erwarten, fällt mir natürlich
auch "subito" ein, doch dieses gelungene Beispiel eines Dienstleistungsprodukts
möchte ich für die internationale Ebene verwenden, denn dort ist "subito"
angekommen: Neben den zahlreichen ausländischen Nutzern und Kunden sind es vor
allem weitere ausländische Bibliotheken, die ihr Interesse an einer Mitarbeit
und am Aufbau eines internationalen Netzwerkes äußern und den Kreis der
bisherigen, insgesamt drei österreichischen und schweizerischen,
subito-Bibliotheken deutlich über Europa hinaus im nächsten Jahr erweitern
werden.
Kooperationen können aber auch anders als "geografisch" systematisiert und
kategorisiert werden: Nach dem Bibliothekstypus etwa, nach Kundengruppen, oder
aber nach Sachkategorien der zu behandelnden Problematik. Ein Beispiel hierfür
ist ein Schwerpunktthema in diesem Heft: Virtuelle Bibliotheken repräsentieren
Modelle für die Weiterentwicklung des Systems der Sondersammelgebiete der
Deutschen Forschungsgemeinschaft (welches übrigens ein weiteres gutes Beispiel
für eine nationale Kooperation darstellt) hin zur digitalen Welt; die vom
Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Informationsverbünde
repräsentieren die Kooperation von Fachinformationszentren und –systemen mit
Zentralen Fachbibliotheken und Sondersammelgebietsbibliotheken. Dass diese
großen Projektpakete sich nun eine Metaebene in Form einer gemeinsamen
Zugangsplattform suchen sollen und werden, darf im Kanon der hier zitierten
Kooperationen schon als besonders bemerkenswert bezeichnet werden.
Bleibt zu hoffen, dass die Umsetzung dieser Zielvorstellung nicht von einem
häufig auftretendem Bazillus befallen wird, den Daniel Mattes "negative
professional attitudes, include apathy and selfish desires" nennt.
Ich persönlich meine, dass die Zeit überreif ist für einen ernsten Versuch.
Aufsätze
Christa Schöning-Walter:
Die Digitale Bibliothek als Leitidee: Entwicklungslinien in der
Fachinformationspolitik in Deutschland
Die Bundesregierung hat ihre Fachinformationspolitik im Jahre 1999 unter den
Begriff der DIGITALEN BIBLIOTHEK gestellt. Die Verbesserung des Zugangs zu
weltweit verteilter und miteinander vernetzter Information steht seither im
Mittelpunkt der Fördermaßnahmen. In Anbetracht der dynamischen Entwicklung der
Informations- und Kommunikationstechnologien und der damit einhergehenden
Strukturveränderungen in der Fachinformation und Fachkommunikation hat das
Bundesministerium für Bildung und Forschung eine Studie zur "Zukunft der
wissenschaftlichen und technischen Information in Deutschland" erarbeiten
lassen und im September 2002 die künftigen Leitlinien seiner Förderpolitik in
dem strategischen Positionspapier "Information vernetzen – Wissen
aktivieren" dargelegt.
Since 1999 the Federal German government’s information
policy has been oriented around the concept of the "Digital Library".
Its main focus since then has been the improvement of access to information
sources which are available around the world and linked with each other through
networks. The dynamic development of information and communication technology is
changing the structures of specialized information and communication patterns.
As a result, the groundwork for a strategic plan for dealing with "The
future of scientific and technical information" is being developed. This
will provide new focal areas for future government sponsoring.
Uwe Rosemann:
Die Arbeitsgruppe der Informationsverbünde und die Virtuellen Fachbibliotheken:
Beginn einer wunderbaren Zusammenarbeit?!
Der Aufsatz informiert über die Projektprogramme "Informationsverbünde"
des BMBF mit dem Schwerpunkt "Digitaler Volltextserver,
Verlagspublikationen und Graue Literatur" und über das DFG-Programm
"Virtuelle Fachbibliotheken" mit dem Schwerpunkt
"Weiterentwicklung des Konzepts der Sondersammelgebiete auf digitale
Ressourcen, insbesondere des Internets".
Es werden beispielhaft einzelne Portale vorgestellt und der Stand der
jeweiligen programmspezifischen Kooperationsmaßnahmen referiert. Die
Empfehlungen von BMBF und DFG zur Zusammenarbeit, insbesondere zur Entwicklung
eines gemeinsamen Internetauftritts, werden erläutert, die wichtigsten damit
verbundenen inhaltlichen und organisatorischen Fragen werden aufgezeigt.
This article reports on the pilot project "Information Networks" of
the German Ministry for Education and Research (BMBF) which focusses
specifically on "Digital Full-Text Providers, Published Materials and Grey
Literature" and the German Research Society’s (DFG) project "Virtual
Special Libraries" which focusses on "Extending the Concept of Special
Collection Areas to Digital Resources, particularly Internet". Several
exemplary portals are presented and the current status of each one’s
cooperative efforts discussed. The recommendations of the BMBF and the DFG
regarding cooperative projects, in particular with reference to joint
presentations in Internet, are discussed and the main aspects of the resulting
conceptual and organizational issues are laid out.
Jürgen Krause, Elisabeth Niggemann, Roland
Schwänzl:
Normierung und Standardisierung in sich verändernden Kontexten: Beispiel
Virtuelle Fachbibliotheken
Bei der Diskussion um Standardisierungsbemühungen in den
Bibliotheken, Archiven, den Fachdatenbanken und den Informationen auf
WWW-Servern wissenschaftlicher Institute gibt es klare Anzeichen dafür, dass
die traditionellen Verfahren der Standardisierung und Normierung an ihre Grenzen
stoßen. Für Virtuelle Fachbibliotheken muss deshalb vor allem für die
Inhaltserschließung eine neue Sichtweise auf die Forderung nach
Konsistenzerhaltung und Interoperabilität gefunden werden. Sie lässt sich
durch die folgende Prämisse umschreiben: Standardisierung ist von der
verbleibenden Heterogenität her zu denken. Erst im gemeinsamen Zusammenwirken
von intellektuellen und automatischen Verfahren zur Heterogenitätsbehandlung
und Standardisierung ergibt sich eine Lösungsstrategie, die den heutigen
technischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen gerecht wird.
In the course of the discussions regarding standardization in
libraries, archives, subject-based databases and information provision by scientific
institutes on the Internet, there is clear evidence that the traditional
procedures for setting standards and establishing norms and authority files have
reached their limitations. Hence, it is necessary to take a new approach geared
toward consistency and interoperability for descriptive cataloguing in virtual
special libraries. This is premised, in other words, on the idea that
standardization involves a residual heterogenity. Only the interaction of
intellectual and automated processes for dealing with heterogenity and
standardization can result in a solution which sufficiently takes into account
the technical and social conditions of this day.
Bibliotheksrecht
Bericht für die Zeit vom 1.3.2002 bis 31.7.2002 (Klaus Peters)
Berichte
Aus dem VDB:
Protokoll der Mitgliederversammlung vom 11. April 2002 in Augsburg (Annette
Rath-Beckmann / Thomas Elsmann)
"Creating a European Forum for Open Archives Activities":
Bericht des Workshops vom 13./14. Mai in Pisa (Susanne Dobratz)
Neue Perspektiven der deutschen Buchkultur in den 50er-Jahren des 20.
Jahrhunderts:
ein Symposium der Deutschen Buchwissenschaftlichen
Gesellschaft in München (Reimar Riese)
CRIS 2002:
Bericht von der 6. Internationalen Konferenz "Current Research Information
Systems" (Irmgard Lankenau)
Aus der Deutschen Forschungsgemeinschaft
Aktuelles
EUBAM
Bibliothek des Jahres 2002
Bibliotheca Albertina in Leipzig: Wiederaufbau abgeschlossen
ETH E-Collection
Initialzündung für die Langzeitarchivierung digitaler Quellen
Personalia
WÜRDIGUNGEN
Wolfgang Dittrich im Ruhestand: ein Landesbibliothekar mit Weitblick
(Annette Rath-Beckmann)
INTERVIEW
Barbara Schleihagen (Sabine Baumann)
MENSCHEN IN BIBLIOTHEKEN
ABSCHLÜSSE
Frankfurt am Main, Bibliotheksschule – Fachhochschule für
Bibliothekswesen
GEBURTSTAGE
Rezensionen
PRINTMEDIEN
Ceynowa, Klaus: Balanced Scorecard für Wissenschaftliche Bibliotheken
(Joachim Hennecke)
Fried, Johannes: Die Aktualität des Mittelalters (Peter Rau)
Keller, Alice: Konsortien in Bibliotheken (Margot Wiesner)
Bibliotheken und die Vernetzung des Wissens (Heinz-Werner Hoffmann)
Hollender, Ulrike: Un havre de paix (Klaus
Gantert)
|