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Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie
vereinigt mit Zentralblatt für Bibliothekswesen
Organ des wissenschaftlichen Bibliothekswesens
Enthält auch Mitteilungen des Vereins Deutscher Bibliothekare e.V.
Herausgegeben von Graham Jefcoate, Hermann Leskien und Elisabeth Niggemann
Jahrgang 50 (2003). VI, 354 Seiten, für
institutionelle Bezieher € 89.-, für private Bezieher € 39.-
Die zurückliegenden Jahrgänge sind weitgehend lieferbar.
Aus dem Inhalt von Heft 2
Vittorio Klostermann: Editorial
Acht Jahre hat es gedauert, von 1946 bis 1954, bis sich die westdeutschen
wissenschaftlichen Bibliothekare zu der Notwendigkeit eines eigenen großen
Publikationsorgans bekannten. Es gab zwar schon seit 1948 im Verlag von Vittorio
Klostermann die Nachrichten für wissenschaftliche Bibliotheken, die im Auftrag
des Vereins Deutscher Bibliothekare herausgegeben wurden; diese sollten jedoch,
wie Gustav Hofmann schrieb, lediglich dem »schnellen, gegenseitigen
Meinungsaustausch, kurzen Informationen und praktischen Fragen der
Bibliotheksverwaltung und -organisation dienen«, ohne »der bisherigen
repräsentativen Zeitschrift des deutschen Bibliothekswesens, dem Zentralblatt, dessen Schwergewicht auf wissenschaftlichen Abhandlungen und umfangreichen
Berichten liegt, Konkurrenz machen zu wollen«. Wie mir Wilhelm Totok vor
einigen Jahren sagte, wurden die Nachrichten nur als Platzhalter für eine
künftige westdeutsche Zeitschrift gegründet, man wollte sich damals nicht dem
Vorwurf aussetzen, das deutsche Bibliothekswesen zu spalten.
Als die Spaltung aber politisch manifest geworden
war, konnte man den Platzhalter durch eine vollwertige Zeitschrift ersetzen, und
so trat im Jahre 1954 die Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie
als
Organ des Vereins Deutscher Bibliothekare und des Vereins der
Diplom- bibliothekare an wissenschaftlichen Bibliotheken die Nachfolge der
Nachrichten an. Dass die Zeitschrift bei Vittorio Klostermann erscheinen konnte,
war dem guten und freundschaftlichen Kontakt zwischen Hanns Wilhelm Eppelsheimer
und dem Verlagsgründer zu verdanken. Mein Vater hatte nicht nur Eppelsheimers
weit verbreitetes Handbuch der Weltliteratur verlegt, sondern – als angestellter
Verleger bei Cohen in Bonn – bereits 1929 dessen Buch über Petrarca. Auf dieser
Vorgeschichte basiert das gesamte bibliografische und bibliothekswissenschaftliche
Programm des Verlags bis zum heutigen Tag.
ZfBB wurde rasch eine erfolgreiche Zeitschrift. Das ist nicht
verwunderlich, denn sie hatte von Anfang an engagierte und in ihrem Fach
exponierte Herausgeber: Zunächst Hanns W. Eppelsheimer, Gustav Hofmann und
Hermann Tiemann. Mit Jahrgang 9 (1962) trat Clemens Köttelwesch dazu, und 1965
auch Wilhelm Totok. Mit Jahrgang 15 (1968) wurde die Herausgeberschaft neu
geordnet: Seither nennt die Zeitschrift einen Hauptherausgeber auf dem
Titelblatt und darunter eine Reihe von Mitherausgebern. Die Erneuerung im Kreis
der Mitherausgeber erfolgt durch Kooptation; es werden engagierte
Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Bibliothekstypen und Regionen gewonnen.
Im Jahr 1983 übernahm Günther Pflug das Amt des Hauptherausgebers, im Jahr 1989
Klaus Dieter Lehmann. Elisabeth Niggemann leitet die Zeitschrift seit dem
47. Jahrgang im Jahr 2000. In diesem Jahr nun können wir 50 Jahre ZfBB feiern. Als
Verleger bin ich nicht nur stolz auf die Kontinuität, sondern vor allem dankbar
gegenüber den vielen Herausgebern, Autoren und Redakteuren, die die ZfBB zu
ihrer heutigen Blüte gebracht haben. Die Bandbreite der Themen, die in einer
Zeitschrift für das wissenschaftliche Bibliothekswesen behandelt werden müssen,
hat sich in den letzten Jahren immer weiter vergrößert. Elisabeth Niggemann sah
mit dem laufenden Jahrgang den Zeitpunkt für gekommen, die
Hauptherausgeberschaft mit zwei Mitstreitern zu teilen.
— Graham Jefcoate, der Generaldirektor der Staatsbibliothek zu Berlin, wird
künftig Hauptherausgeber für die Gebiete Historische Bestände,
Bibliotheksgeschichte, Bibliotheksrecht, Bestandsaufbau, Erschließung,
Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising an Bibliotheken sein.
— Hermann Leskien, Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek, wird die
Themen Bestandserhaltung, Bibliothekspolitik, Betriebswirtschaft,
Dienstleistungen und Digitale Medien betreuen.
— Elisabeth Niggemann wird neben den Gebieten des Internationalen
Bibliothekswesens, des Buchmarkts, der Aus- und Fortbildung und der Rezensionen
weiter die Koordinierung in Händen halten.
Die Redaktion in Berlin wird in den Händen von Martin Hollender
liegen, die in München bei Kathrin Behrens. In der Frankfurter Redaktion hat
Christine Frodl ihr Amt an Sabine Homilius übergeben. Hildegard Steinbach wird
weiterhin die Rezensionen betreuen, Martina Leibold die Personalia redaktionell
verstärken. (Ich danke herzlich Christine Frodl, die nicht zuletzt die
organisatorischen Schritte geleistet hat, damit die künftige verteilte Redaktion
reibungslos zusammenarbeiten kann!)
Mit Skepsis habe ich stets die Rufe aus dem Leser- und
Herausgeberkreis vernommen, die eine Online-Ausgabe für ZfBB forderten. Dennoch:
mit dem laufenden Jahrgang werden wir die ersten Schritte wagen. Sabine Wefers,
Direktorin der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena und
Mitherausgeberin, hat uns die Möglichkeit für ein Pilotprojekt eröffnet.
Gemeinsam mit der ThULB erarbeiten wir ein Modell, nach dem für alle
institutionellen Bezieher ein freier Zugang zu ZfBB-online geschaltet wird. Der
Zugriff auf die ZfBB wird dadurch erheblich einfacher, die Zahl der Leser sich
mit Sicherheit vergrößern.
Aufsätze
Hartmut Lamparth, Peter Pantzer:
Japanologische Bibliothekare und ihre Ausbildung im deutschsprachigen Raum
Der vorliegende Aufsatz beschäftigt sich mit der Situation
jener Bibliothekare im deutschsprachigen Raum, die überwiegend mit der
Erwerbung und Katalogisierung japanischer Literatur beschäftigt sind.
Überblickshaft wird gezeigt, wie der Bedarf nach Fachkräften in diesem Bereich
bisher unterschiedlich gedeckt wurde. Vor dem Hintergrund einer wünschenswerten
sowohl japanologischen als auch bibliothekarischen Vorbildung werden
Ausbildungsformen wie das traditionelle Referendariat, das Volontariat, Aufbau-
und Doppelstudiengänge, Weiterbildungsmaßnahmen und Greencard-Lösungen
gegenübergestellt, um Möglichkeiten und Grenzen der Entwicklung aufzuzeigen.
This article deals with the current situation of those
librarians in German-speaking countries who deal primarily with the acquisition
and cataloging of Japanese literature. A survey shows the various ways in which
the need for specialists in this field has been met up to now. In view of the
desirability of training both in Japanese studies and in library science,
educational paths and training such as the traditional in-service training,
volunteer internships, advanced or parallel degree programs, continuing
education courses and green card (immigration) options are compared in order to
show the possibilities and limitations of these developments.
Rudolf Jung:
Die Ausbildung für den höheren Bibliotheksdienst in Nordrhein-Westfalen 1949
bis 2002
Die Referendarausbildung begann in Köln unmittelbar nach 1945, zunächst an
der Universitäts- und Stadtbibliothek, später am Bibliothekar-Lehrinstitut,
der Fachhochschule für Bibliotheks- und Dokumentationswesen, zuletzt am
Fachbereich Informationswissenschaft der Fachhochschule Köln. Als einziges
Bundesland hatte Nordrhein-Westfalen 1974 die Ausbildung für den höheren
Dienst an Öffentlichen Bibliotheken geschaffen und in den Prüfungsordnungen
von 1977 und 1985 verankert. Von 1949 bis 2002 haben 1.357 Referendarinnen und
Referendare ihre Laufbahnprüfung in Köln abgelegt. An die Stelle der
Ausbildung im beamtenrechtlichen Vorbereitungsdienst ist seit dem Sommersemester
2002 der Zusatzstudiengang "Bibliotheks- und Informationswissenschaft /
Library and Information Science" getreten.
In-service training in Cologne began immediately after the end of the Second
World War in 1945, initially at the University and City Library, and later at
the Library Training School, the College for Librarianship and Documentation,
and, most recently, at the Information Science Section of the Technical College
of Cologne. In 1974 North-Rhine/Westphalia was the first and only federal state
to initiate training at the senior civil service level for public libraries (with
revised examination rules in 1977 and 1985). Between 1949 and 2002 1,357
trainees have completed their examination in Cologne. Since the summer semester
2002, the supplementary degree program "Library and Information Science"
has replaced the qualifying program for civil service library positions.
Franz Georg Kaltwasser/Hartmut Weber:
In Büchern manifestiert sich der geistige Austausch zwischen Polen und
Deutschland:
Bericht über ein deutsch-polnisches Gemeinschaftsprojekt1
Am bislang größten Gemeinschaftsprojekt polnischer und deutscher
Bibliothekare waren Bibliotheken in Breslau, Danzig, Posen, Stettin, Warschau
und München beteiligt. Gefördert wurde das Projekt durch die Robert Bosch
Stiftung in Stuttgart und die Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit in
Warschau mit etwa 2.250.000 Euro. Verfilmt wurden über 40.000 frühneuzeitliche,
meist höchst seltene Drucke von 1501 – 1800 aus schlesischen, pommerschen und
ost- und westpreußischen Offizinen, also aus Orten, in denen sich im Laufe der
Jahrhunderte deutsche und polnische Kultur überschnitten haben. Hinzu kamen
jüdische und jiddische Periodika, ferner Zeitungen des 19. und frühen 20.
Jahrhunderts.
The largest joint project of Polish and German librarians to date was
undertaken by libraries in Wroclaw (Breslau), Danzig (Gdansk), Poznan (Posen),
Szczecin (Stettin), Warsaw and Munich. The budget of nearly 2,250,000 Euro was
raised with grants from the Robert Bosch Foundation in Stuttgart and the
Foundation for German-Polish Cooperation in Warsaw. The project involved the
filming of over 40,000 early modern, and for the most part very rare manuscripts
dating between 1501 and 1800 from Silesia (Schlesien), Pomerania (Pommern) and
the east and west Prussian officinals, i.e. places in which German and Polish
culture have overlapped each other over the course of centuries. In addition,
the project has preserved Jewish and Yiddish periodical publications and
newspapers from the 19th and early 20th century.
Ewald Brahms:
Haben Sammelschwerpunkte noch eine Zukunft?
Berichte
"Thinking globally – acting locally": 8th European
Conference of Medical and Health Libraries, Köln, 16. – 21. September
2002 (Bruno Bauer)
1. Gemeinsame Jahrestagung des Arbeitskreises für die Erfassung und
Erschließung Historischer Bucheinbände (AEB) und der
Belgisch-Nederlands-Bandengenootschap 26. – 28. September 2002 in
Emden (Angelika Pabel)
Aktuelles
Internationale Tagung zum Thema geraubte Bücher und Handschriften, Wien,
23. – 24. April 2003
Auf BVB-KAT folgt ALEPH 500
Personalia
NACHRUFE
P. Bonifaz Schmalzl OSB 1926 – 2002 (Engelbert Plassmann)
Hans Striedl 1907 – 2002 (Franz Georg Kaltwasser)
WÜRDIGUNGEN
Frank Heidtmann im Ruhestand (Konrad Umlauf)
INTERVIEW
Hermann Leskien (Sabine Baumann)
MENSCHEN IN BIBLIOTHEKEN
GEBURTSTAGE
Rezensionen
PRINTMEDIEN
Gantert, Klaus: Die Bibliothek des Freiherrn Joseph von Laßberg (Babette
Stadie)
Kratzsch, Konrad: Klatschnest Weimar (Runhild Arnold)
Heydeck, Kurt: Die mittelalterlichen Handschriften der
Universitätsbibliothek Rostock (Bernhard Tönnies)
Jurot, Romain: Katalog der Handschriften der Abtei Pfäfers im
Stiftsarchiv St. Gallen (Bernhard Tönnies)
Catalogus codicum manu scriptorum Bibliothecae Monacensis (Bernhard
Tönnies)
Adunka, Evelyn: Der Raub der Bücher (Maria Kühn-Ludewig)
Keenan, Stella: Concise dictionary of library and information
science (Rainer Strzolka)
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