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Zeitschrift für philosophische ForschungHerausgegeben von Otfried Höffe (Tübingen) Band 52 (1998): In vier Einzelheften. VI, 658
Seiten.
Aus dem Inhalt von Heft 2
Abhandlungen Martine Nida-Rümelin, München: Zur Abhängigkeit transtemporaler, personaler Identität von empirischen Beziehungen In dem Artikel wird die These vertreten, daß unser Begriff transtemporaler, personaler Identität keine Reduktion auf empirische Beziehungen zuläßt und auch eine Revision zugunsten eines reduzierbaren Begriffs personaler Identität mit tief verwurzelten begrifflichen Besonderheiten unseres Denkens in Konflikt geriete. Diese nicht-reduktionistische Auffassung sollte aber, so wird in dem Artikel argumentiert, mit einer These der nomologischen Abhängigkeit transtemporaler, personaler Identität von über die Zeit hinweg bestehenden empirischen, intrinsischen (d.h. nur das Verhältnis der fraglichen Personen betreffenden) Beziehungen kombiniert werden. Eine solche Abhängigkeitsbehauptung (sie wird als These der sog. starken Supervenienz präzisiert) stärkt den nicht-reduktionistischen Standpunkt: Die These der Möglichkeit epistemisch völlig unzugänglicher Fakten, die aus dem nicht-reduktionistischen Standpunkt folgt, wird abgemildert (Fakten dieser Art gelten dann als naturgesetzlich ausgeschlossen).Allerdings handelt sich der Nichtreduktionist mit der Bereicherung seines Standpunkts um eine solche Supervenienzthese die prinzipielle Möglichkeit einer empirischen Erschütterung seiner Sichtweise ein.
Wolfgang Ullrich, München: Zwischen Harmonie und Schuld. Zur Charakteristik des aktuellen Naturverhältnisses In der ökologisch motivierten Naturdebatte wird häufig - sowohl in philosophischen wie in populären Kontexten - die 'Einheit von Mensch und Natur' beschworen und dabei auch undifferenziert als ontologische Aussage bewertet. Dieser Aufsatz versucht hingegen - unter Rekurs v.a. auf Kants Analytik des Schönen - die primär ästhetische Grundlage dieser Selbsterfahrung des Menschen im Verhältnis zur Natur zu verdeutlichen. Erst mit dem neuzeitlichen, technisierungs- und zivilisationsbedingten Schwund der Erfahrung der Natur als etwas Erhabenem und damit Fremdem erlangte - so die weitere These - die Vorstellung einer Zusammengehörigkeit von Mensch und Natur relativen Monopolstatus. Weniger die Einsicht in ökologisches Versagen als vielmehr ein diesem Erfahrungsschwund korrespondierender Schwund menschlichen Gattungsstolzes, der sich interessanterweise bereits aus Schillers Theorie des Erhabenen deduzieren läßt, führt - wie abschließend gezeigt wird - heutzutage zu Schuldgefühlen gegenüber der Natur und damit auch zum Postulat jener 'Einheit' zwischen ihr und dem Menschen.
Thomas Gfeller, Bern: Wie tragfähig ist der teleologische Brückenschlag? Zu Kants Kritik der teleologischen Urteilskraft Der Aufsatz gilt den Fragen (i) nach der Vereinbarkeit der Dialektik in Kants Kritik der teleologischen Urteilskraft (KdU) und der Kritik der reinen Vernunft (KrV), (ii) nach der von Kant behaupteten Leistungsfähigkeit der Teleologie als Brückeprinzip zwischen theoretischer und praktischer Vernunft. Die Untersuchung mündet in zwei Befunde: Erstens kann die erkenntnistheoretische Doktrin der KrV vor den Ergebnissen der Dialektik der teleologischen Urteilskraft bestehen, sofern Kants Kausalitätserklärungen nach Endursachen als Interpretationen von konstitutiven Kausalitätsbeziehungen nach Wirkursachen gemäss den Verstandeskategorien aufgefasst werden. Für dieses Verständnis gibt es im Text gute Anhaltspunkte. Allerdings - dies ist der zweite Hauptbefund - verunmöglicht exakt jenes Teleologie-Verständnis, welches die Kompatibiität von KrV und KdU gewährleistet, die erfolgreiche Durchführung von Kants Programm des systematischen Brückenschlages zwischen theoretischer und praktischer Vernunft.
Ulrich Krohs, Hamburg: Platons Dialektik im Sophistes vor dem Hintergrund des Parmenides Die Architektur des Sophistes mit ihrem scharfen Kontrast zwischen Mittelteil und Eckteilen des Dialogs spiegelt die Verschiedenartigkeit zweier Typen von Dialektik, deren Anwendung Platon hier demonstriert. Anhand einer Analyse der beiden Methoden soll gezeigt werden, daß er beide Typen erst zusammengenommen als adäquates Werkzeug des Dialektikers ansieht. Ein Vergleich mit der Dialektik im Parmenides weist diese als gemeinsamen Ursprung beider Typen aus. Die Methode war hier noch einheitlich, führte jedoch bei der Untersuchung der Ideen in Aporien. Die nicht-aporetische Lesart Meinwalds erweist sich hingegen nach kritischer Diskussion als nicht haltbar. Platon löst die Aporien des Parmenides erst im Sophistes, indem er der Methodik des Parmenides den angemessenen Anwendungsbereich zuweist, und für den Gegenstandsbereich die angemessene Methodik einführt. Diese Differenzierung der Dialektik manifestiert sich in der Struktur des Sophistes, deren Einheit nun aus dem Bezug auf den Parmenides verstanden werden kann.
Diskussionen Peter Koller, Graz: Jürgen Habermas über Moral, Staat und Politik. Anmerkungen zu Die Einbeziehung des Anderen" Konrad Ott, Greifswald : Über den Theoriekern und einige intendierte Anwendungen der Diskursethik. Eine strukturalistische Perspektive The so-called structuralistic view of theory-formation (Suppes, Sneed, Stegmüller) is applied to the discourse-theory of normative validity (Apel, Habermas) in order to shed some light on the relation between the core and some basic application of discourse ethics. First, metatheoretical notions as core, model and intended paradigmatic applications will be introduced. Second, the two supreme principles of discourse ethics will be justified and a basic model will be explained. Two possibilities to define the very core of this ethical theory will be distinguished. In the following section, special attention is given to three paradigmatic applications of the theory. It is argued for the moral validity of some basic norms of action including several types of moral and legal rights. The article ends up with a discussion on conceptual modifications which are due to the enlargement of the scope of discourse ethics and with some brief remarks on the state of discourse ethics being a comprehensive ethical theory.
Berichte Michael Quante, Münster: Der Ort des Geistes. Neuere Beiträge zur Philosophie des Geistes (I)
Buchbesprechungen Quassim Cassam: Self and World (Jürgen Pafel und Gianfranco Soldati, Tübingen) Robert B. Pippin: Idealism as Modernism. Hegelian Variations (Friedericke Schick, Tübingen) Wolfdietrich Schmied-Kowarzik: Von der wirklichen, von der seyenden Natur" (Paul Ziche, Jena) Konrad Moll: Der junge Leibniz III. Eine Wissenschaft für ein aufgeklärtes Europa. Philip Beeley: Kontinuität und Mechanismus. Zur Philosophie des jungen Leibniz in ihrem ideengeschichtlichen Kontext (Hubertus Busche, Bonn) Norman Daniels: Justice and Justification. Reflective Equilibrium in Theory and Practice (Susanne Hahn, Essen)
Buchnotizen |