Diese Zeitschrift bestellen

Informationen zur Zeitschrift

Richtlinien für die Autoren

Zeitschrift für philosophische Forschung

Herausgegeben von Otfried Höffe (Tübingen)
zusammen mit Christof Rapp (Berlin)

Berichte und Buchbesprechungen: Nico Scarano (Tübingen)

Band 55 (2001): In vier Einzelheften. VI, 642 Seiten. € 94.-. Studentenabonnement € 49.-
Die zurückliegenden Bände sind weitgehend lieferbar.

 

Aus dem Inhalt von Heft 1

 

Abhandlungen

R. Jay Wallace, Berkeley: Moralische Gründe - Aus Sicht des Handelnden

In den heutigen Geistes- und Sozialwissenschaften herrscht eine Vorstellung von Handlungsgründen, die von dem englischen Moralphilosophen Bernard Williams als „Internalismus„ bezeichnet worden ist. Dieser Vorstellung zufolge hängt die Beantwortung der Frage, was eine gegebene Person P Grund hat zu tun, letztendlich von P’s Motivationsprofil ab, insbesondere von P’s Wünschen und Dispositionen; normative Handlungsgründe sind demnach als subjektiv bedingt zu verstehen. Mein Anliegen in diesem Aufsatz ist es, eine kritische Perspektive auf diese sehr einflußreiche These zu eröffnen.

 

Bernward Gesang, Düsseldorf: Konsequenter Utilitarismus - ein neues Pradigma der analytischen Bioethik

Der Aufsatz versucht eine Variante des Utilitarismus vorzustellen, die nicht zu permanenten und radikalen Konflikten mit moralischen Alltagsintuitionen führt. Dazu werden Konzepte wie das von P. Singer oder M. Tooley kritisiert, da sie externe Präferenzen nicht angemessen berücksichtigen, die z.B. auch die moralischen Gefühle von engagierten Abtreibungsgegnern erfassen. Der Utilitarismus fordert alle Interessen zu beachten, und das übersehen Singer u.a., wenn sie fast nur nach Interessen der Primärbetroffenen, z.B. eines Embryos, fragen, statt auch die Interessen der Abtreibungsgegner mitzubedenken. Allerdings bringt der Einbezug externer Präferenzen auch Probleme mit sich. Daher versuche ich, den Begriff der externen Präferenzen zu klären und die neu entstehenden Probleme zu entkräften. Dabei sollen auch die Vorzüge des Utilitarismus, besonders bei Problemen wie Armut und Reichtum und Rechten zukünftiger Generationen herausgestellt werden, nicht nur seine Nachteile.

 

Bernd Ludwig, München: David Humes „ewige Schranke" gegen den Aberglauben

David Hume behauptet im Kapitel X der ersten Enquiry, eine "ewige Schranke" gegen den Wunderglauben entdeckt zu haben. Das Argument beruht wesentlich auf Humes innovativer, strikter Unterscheidung von demonstration, proof und probability, sowie dem Nachweis, daß jedem Wunder um seines Wundercharakters willen immer schon ein proof entgegensteht (Kapitel X,1). Wunderzeugnisse hingegen können, aufgrund ihres speziellen Gegenstandes und angesichts der menschlichen Natur, diesem proof allenfalls eine probability entgegensetzen (Kapitel X,2): Wunder lassen sich somit grundsätzlich nicht durch fremde Zeugnisse belegen.—Anders als in der Hume-Literatur zumeist unterstellt, hängt Humes Argument grundsätzlich nicht von einer Abwägung einander entgegenstehender Wahrscheinlichkeiten ab, sondern ausschließlich von seiner inhaltlichen Unterscheidung zwischen proof und probability. Nach einer genauen Bestimmung dieser zumeist vernachlässigten Unterscheidung (in den Abschnitten I-V) wird (in VI-VII) das Humesche Argument als unter diesen Voraussetzungen schlüssig nachgewiesen; abschließend (VIII) wird seine Reichweite bestimmt.

 

Thomas Mormann, Donostia-San Sebastián: Carnaps Philosophie als Möglichkeitswissenschaft

In seiner "Intellektuellen Autobiographie" stellt Carnap die These auf, eine der dringendsten Aufgaben der Philosophie sei es, die verschiedenen möglichen Sprachformen zu untersuchen und ihre charakteristischen Eigenschaften aufzudecken. Diese Charakterisierung kann als ein Schlüssel für das Verständnis seines gesamten Denkens betrachtet werden. Carnap konzipiert Philosophie als Möglichkeitswissenschaft, d.h. als eine allgemeine Theorie, konzeptuelle Möglichkeiten zu formulieren und auszuloten. Aufgabe der Philosophie ist es nach Carnap, Vorschläge zu machen, nicht aber Thesen aufzustellen. Vorschläge zu machen aber heißt, Möglichkeiten aufzuzeigen. Diese Möglichkeitsorientierung ist eine Invariante, die sich in allen Phasen seines Denkens durchhält, von der Konstitutionstheorie des Logischen Aufbau der Welt bis hin zu seinen Arbeiten zur induktiven Logik. Anhand der Interpretation einiger zentraler Werke Carnaps soll diese Interpretation seiner Philosophie als einer Möglichkeitswissenschaft im Einzelnen belegt werden.

 

Diskussionen

Dag Javier Opstaele, Köln: Die Lücke zwischen Vergangenheit und Zukunft. Hannah Arendts hermeneutische Theorie

 

Berichte

Ralf Stöcker, Bielefeld: Neuere Bücher zur Handlungstheorie

 

Buchbesprechungen

Iohannis Scotti seu Eriugenae Periphyseon Liber Primus. Editionem novam, hg. v. Eduard A. Jeauneau (Werner Beierwaltes, Grünwald)

Erwin Schlingen: Nietzsches Theorie des Bewußtseins. Spätwerk (Michael Steinmann, Tübingen)

Volker Schürmann: Zur Struktur hermeneutischen Sprechens. Eine Bestimmung im Anschluß an Josef König (Matthias Koßler, Mainz)

Michael Tooley: Time, Tense, and Causation (Uwe Scheffler, Berlin)

Jerry Fodor: Concepts (Frank Hofmann, Tübingen)

Elke Brendel: Wahrheit und Wissen (Marcus Willaschek, Münster)

 

Buchnotizen