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Richtlinien für die Autoren

Zeitschrift für philosophische Forschung

Herausgegeben von Otfried Höffe (Tübingen)
zusammen mit Christof Rapp (Berlin)

Berichte und Buchbesprechungen: Nico Scarano (Tübingen)

Band 56 (2002): In vier Einzelheften, 643 Seiten. € 94.-. Studentenabonnement € 49.-
Die zurückliegenden Bände sind weitgehend lieferbar.

 

Aus dem Inhalt von Heft 4

 

Abhandlungen

Jens Halfwassen, Heidelberg: Sein als uneingeschränkte Fülle. Zur Vorgeschichte des ontologischen Gottesbeweises im antiken Platonismus

Der ontologische Gottesbeweis, den zuerst Anselm von Canterbury in seinem Proslogion entwickelt, setzt einen spezifischen Begriff von Sein als Fülle voraus, ohne den er unverständlich bleibt. Dieser Seinsbegriff entstammt dem antiken Platonismus. Erst Platon faßt den Begriff des Seins so, daß er in einem ontologischen Komparativ wahres oder vollkommenes Sein vom uneigentlichen Sein unterscheidet. Plotin entwickelt daraus einen Begriff vom Sein als absoluter Fülle, in dem die beiden Bedeutungen des vollkommenen und des notwendigen Seins, die, wie Henrich gezeigt hat, für den ontologischen Gottesbeweis maßgeblich sind, auf konsistente Weise vereinigt sind. Bei Plotin ist dieses absolute Sein der sich selbst als Inbegriff der Ideen denkende Nous, von dem er das Absolute als Überseiendes unterscheidet. Boethius vermittelt Plotins Begriff des absoluten Seins an Anselm, und zwar als Begriff von Gott, d.h. so gefaßt, daß das vollkommene Sein zugleich das Absolute ist. Index dieses Seinsbegriffs ist der bei Plotin, Boethius und Anselm jeweils übereinstimmende Begriff der Ewigkeit als teillos vollendeter Einheit und Ganzheit.

 

Andreas Hüttemann, Bielefeld: Chaos und Naturgesetz - Cartesische Probleme

Die Untersuchung besteht aus drei Teilen. Im ersten Teil (Abschnitte 1 bis 3) argumentiere ich, daß in der frühen Neuzeit durch die Zurückweisung des scholastischen Vokabulars das Problem, Ordnung und Regelmäßigkeit in der Natur zu erklären, neu aufgeworfen wird. Descartes führt den Begriff des Naturgesetzes ein, um dieses Problem zu lösen. Im zweiten und dritten Teil analysiere ich, was Descartes unter einem Naturgesetz versteht. Im zweiten Teil (Abschnitt 4) zeige ich, daß es für die verbreitete Auffassung, Descartes halte Naturgesetze für ewige Wahrheiten, keine guten Gründe gibt. Im dritten Teil (Abschnitte 5 bis 8) untersuche ich die Rolle, die Gott – Descartes zufolge – als Urheber der Naturgesetze spielt. Ich argumentiere, daß die “Daumenkino”-Auffassung von Naturgesetzen keine Folge der “creatio continua”- These ist, sondern eine Konsequenz des Cartesischen Materiebegriffs. Schließlich bemühe ich mich verständlich zu machen, weshalb Descartes fürchtet, seine Naturgesetzauffassung lege die Hypothese nahe, Gott sei die Weltseele.

 

Volker Halbach, Konstanz: War Descartes erkenntnistheoretischer Voluntarist?

Nach Auffassung einiger Autoren wie Alvin Goldman und William Alston setzt normative Erkenntnistheorie einen erkenntnistheoretischen Voluntarismus voraus, der besagt, daß epistemische Verhaltensweisen wie Glauben, Urteilen, Urteilsenthaltung willentliche Handlungen sind. Normen können dann auf diese Verhaltensweisen einwirken, indem wir den Normen willentlich Folge leisten. Gegen diesen Voluntarismus spricht aber die Beobachtung, daß epistemische Verhaltensweisen in den meisten Fällen keine willentlichen Handlungen sind. Descartes' wurde von beiden genannten Autoren als ein typischer Vertreter eines normativen Ansatzes angesehen, der diesen unhaltbaren Voluntarismus voraussetzt. Ich werde dafür argumentieren, daß Decartes kein erkenntnistheoretischer Voluntarist war und seine normative Erkenntnistheorie diesen Voluntarismus auch nicht voraussetzt. Inbesondere wird gezeigt, daß Descartes in Bezug auf die für ihn zentralen epistemischen Verhaltensweisen des Urteilens und der Urteilsenthaltung kein Voluntarist war. Descartes' Vorstellungen von der Wirkungsweise erkenntnistheoretischer Normen erweisen sich als denen von Goldman ähnlich.

 

Ulrich Will, Bergisch Gladbach: Was sind Reflexionsstufen?

Der Artikel ist erkenntnistheoretisch ausgerichtet und versucht, das Verhältnis des Erkennens zum Erkennen des Erkennens (Reflexion) zu klären. Reflexionen sind Stufenschritte, die sich in einer irreduziblen und prinzipiell endlosen vertikalen Dimension des Erkennens bewegen. Die Irreduzibilität erklärt sich aus dem synthetischen Charakter der Reflexionsschritte, der von der cartesianischen und der analytischen Auffassung der Reflexion übersehen wird; diese sind reduktive Auffassungen, die keine bzw. keine echten Stufen kennen und Stufen durch Dualitäten ersetzen. Zwei Formen der theoretischen Stufenelimination sind zu unterscheiden, die Stufenverschmelzung und die Stufeneinebnung; die erstere erzeugt die Probleme um die Intentionalität des Erkennens, die letztere die des Repräsentationalismus und Realismus.

 

Diskussionen

Ansgar Beckermann, Bielefeld: Lässt sich der Wissensbegriff retten?

Kai Hammermeister, Columbus/Ohio: Zur Möglichkeit der hermeneutischen Bestimmung einer moralischen Grenze künstlerischer Repräsentation

Ausgehend von Gadarners Begriff der Mimesis als Ordnung, dem er an Plato und Aristoteles vorbei auf die Pythagoräer zurückgreift, bietet der Aufsatz einige Argumente für die Reintegration von ästhetischem und moralischem Diskurs, indem er die Autonomieästhetik mittels eines sozialen und psychologischen Ordnungskonzepts infrage stellt. Vorgeschlagen wird eine Grenzziehung zur sozial inakzeptablen Kunst, in der ein Normenbruch nicht repräsentiert, sondern ausagiert wird, sowie zur psychohygienisch inakzeptablen Kunst, in der das Lustgefühl im Zusammenspiel der mentalen Fakultäten durch den Unwillen der Einbildungskraft, zu einem normenverletzenden und repulsiven Material zurückzukehren, ausgehebelt wird.

 

Berichte

Dagmar Mirbach, Tübingen: Neuere Beiträge der italienischen Forschung zu Alexander Gottlieb Baumgartens Ästhetik

 

Buchbesprechungen

Ulrich Schlösser: Das Erfassen des Einleuchtens. Fichtes Wissenschaftslehre von 1804 als Kritik an der Annahme entzogener Voraussetzungen unseres Wissens und als Philosophie des Gewißseins (Andreas Schmidt, Tübingen)

Hilary Putnam: The Threefold Cord: Mind, Body, and World (Michael Quante, Münster)

Anton Leist: Die gute Handlung. Eine Einführung in die Ethik (Dieter Schönecker, Easton)

Walter Pfannkuche: Die Moral der Optimierung des Wohls. Begründung und Anwendung eines modernen Moralprinzips (Margret Karlegger, Salzburg)

Peter Stemmer: Handeln zugunsten anderer. Eine moralphilosophische Untersuchung (Michael Hauskeller, Darmstadt)

 

Buchnotizen