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Zeitschrift für philosophische ForschungHerausgegeben von Otfried Höffe (Tübingen) Band 57 (2003): In vier Einzelheften, VI,
648 Seiten.
Aus dem Inhalt von Heft 1
Abhandlungen Geert Keil, Berlin: Über den Homunkulus-Fehlschluß Ein Homunkulus im philosophischen Sprachgebrauch ist eine postulierte menschenähnliche Instanz, die ausdrücklich oder unausdrücklich zur Erklärung der Arbeitsweise des menschlichen Geistes herangezogen wird. Als Homunkulus-Fehlschluß wird die Praxis bezeichnet, Prädikate, die auf kognitive oder perzeptive Leistungen einer ganzen Person zutreffen, auch auf Teile von Personen oder auf subpersonale Vorgänge anzuwenden, was typischerweise zu einem Regreß führt. Der vorliegende Beitrag erörtert den Homunkulus-Fehlschluß zunächst in argumentationstheoretischer Hinsicht und stellt dabei ein Diagnoseschema auf. Dann werden zwei Anwendungsfelder erörtert: Instanzenmodelle der Psyche (Platon, Freud) sind ihrer Natur nach homunkulusgefährdet, denn es ist aufgrund der holistischen Zuschreibungsbedingungen mentaler Fähigkeiten schwer plausibel zu machen, wie eine innerpsychische Instanz den ihr zugedachten Beitrag leisten soll, ohne über eine eigene Psyche zu verfügen. Der zweite Anwendungsfall ist das Problem des invertierten Netzhautbildes in der Philosophie der Wahrnehmung, das wissenschafts- und philosophiegeschichtlich eingebettet und unter besonderer Berücksichtigung von Descartes diskutiert wird. Schließlich werden offensive Rechtfertigungen homunkularer Redeweisen erörtert und größtenteils zurückgewiesen.
Rolf Darge, Köln: Eines oder Vieles. Zu einem Grundproblem der scholastischen Theorien über das Eine Die scholastischen Theorien über das mit dem Seienden konvertible Eine begegnen einer Schwierigkeit, welche die ihnen zugrundeliegenden Prinzipien der Seinsauslegung berührt und auf die Probe stellt. Sie zeigt sich bei dem Versuch, die aristotelische Lehre von der Konvertibilität des Einen mit dem Seienden mit dem ebenfalls genuin aristotelischen Lehrstück zusammenzudenken, nach dem das Eine und Viele erste Differenzen oder Einteilungslieder des Seienden bilden: Wenn das Eine das Seiende einteilt, kann es nicht mit diesem in der Aussage vertauscht werden, und umgekehrt. Die Lösungssversuche folgen, insoweit sie von der Annahme einer sachlichen und wesenhaften Identität des Seienden mit dem Einen ausgehen, bis in das siebzehnte Jh. hinein in der Regel einer von zwei Grundkonzeptionen. Die Studie sucht deren eigentümliches Profil und ontologische Bedeutung zu bestimmen, sowie sichtbar zu machen, wie sie aus der aristotelischen Metaphysiktradition erwachsen.
Nicola Erny, Düsseldorf: Darwin und das Problem der evolutionären Ethik Im Zentrum der Untersuchung über "Darwin und das Problem der
evolutionären Ethik" steht die Frage, welche Erklärung Darwin für das
Phänomen der Genese und der Entwicklung der menschlichen Moral gibt. Erklärt
Darwin menschliche Moral durch das Prinzip der natürlichen Selektion und
Variation und optiert er damit für ein evolutionstheoretisches
Erklärungsmodell? Oder lassen sich bei Darwin Argumente finden, die vielmehr
eine Gegenposition hinsichtlich der Annahme einer evolutionären Ethik
implizieren?
Thomas Alexander Szlezák, Tübingen: Sechs Philosophen über philosophische Esoterik Ausgehend von Wittgensteins Vorwort zu seinen
"Philosophischen Bemerkungen", wo er klarstellt, daß er "nur
für wenige" schreibe und von Menschen, die dem Geist, in dem er schreibt,
feindlich oder fremd gegenüberstehen, gar nicht verstanden werden wolle, wird
der Frage nachgegangen, ob philosophische Werke generell vom Willen getragen
sein müssen, alle Menschen zu erreichen, und ob sie, falls das nicht der Fall
sein sollte, über Mittel verfügen, unerwünschte Leser auszuschließen.
Diskussionen Thomas Wolf, Frankfurt/M.: Konstitution und Kritik der Wissenschaften bei Heidegger
Berichte Otfried Höffe, Tübingen: Zum Tod von John Rawls Héctor Wittwer, Berlin: XIX. Deutscher Kongreß für Philosophie "Grenzen und Grenzüberschreitungen", 23. - 27. September 2002 an der Universität Bonn Michael Esfeld, Lausanne: Regelfolgen 20 Jahre nach Kripkes Wittgenstein
Buchbesprechungen Ulrich Arnswald, Anja Weiberg (Hrsg.): Der Denker als Seiltänzer. Ludwig Wittgenstein über Religion, Mystik und Ethik (Peter Baumann, Swarthmore) Bernd Kleimann: Das ästhetische Weltverhältnis. Eine Untersuchung zu den grundlegenden Dimensionen des Ästhetischen (Alexander Piecha, Bramsche-Engter) Monique Deveaux: Cultural Pluralism and Dilemmas of Justice (Daniel Loewe, Tübingen) Dieter Teichert: Personen und Identitäten (Michael Quante, Münster) Lothar Ridder: Mereologie. Ein Beitrag zur Ontologie und Erkenntnistheorie (Käthe Trettin, Frankfurt/M.) |