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Richtlinien für die Autoren

Zeitschrift für philosophische Forschung

Herausgegeben von Otfried Höffe (Tübingen)
zusammen mit Christof Rapp (Berlin)

Berichte und Buchbesprechungen: Nico Scarano (Tübingen)

 

Band 57 (2003): In vier Einzelheften, VI, 648 Seiten. 
€ 103.-. Studentenabonnement € 52.-
Die zurückliegenden Bände sind weitgehend lieferbar.

 

Aus dem Inhalt von Heft 4

 

Abhandlungen

Dominik Perler, Berlin: Wie ist ein globaler Zweifel möglich? Zu den Voraussetzungen des frühneuzeitlichen Außenwelt-Skeptizismus 

Gemäß einer weit verbreiteten These, die besonders durch die Arbeiten von R. Popkin prominent wurde, ist der frühneuzeitliche Skeptizismus auf die Wiederentdeckung des antiken Pyrrhonismus zurückzuführen. Gegen diese These wird im vorliegenden Aufsatz argumentiert, dass Descartes’ Außenwelt-Skeptizismus keine pyrrhonische Struktur aufweist. Er beruht vielmehr auf einem Internalismus, der sich nicht in antiken Quellen findet. Die Entstehung dieses Internalismus wird zum einen in historischer Hinsicht untersucht. Anhand der Analyse spätmittelalterlicher Texte (von Thomas von Aquin, Petrus Johannis Olivi und Crathorn) wird gezeigt, wie die Annahme von „species intelligibiles“ dazu führte, dass innere Objekte eingeführt wurden, die nur in einer kontingenten Relation zu äußeren Gegenständen stehen. Zum anderen wird in systematischer Hinsicht geprüft, inwiefern der Außenwelt-Skeptizismus aufgrund der internalistischen Annahmen das Produkt einer bestimmten Theorie des Geistes ist und somit nicht als ein „natürlicher Zweifel“ bezeichnet werden kann. 

 

Jörn Müller, Bonn: Ergon und eudaimonia. Plädoyer für eine unifizierende Interpretation der ergon-Argumente in den aristotelischen Ethiken 

Das Xργον-Argument, das Aristoteles selbst als das Kernstück bei der Bestimmung des gelingenden Lebens (εbδαιμονiα) ansieht, findet sich in variierter Form sowohl in der Nikomachischen Ethik als auch in der Eudemischen Ethik. Die vorliegende Abhandlung rekonstruiert zuerst skizzenartig die beiden Argumentationsgänge zwecks Akzentuierung der an der Oberfläche der Argumentation sichtbaren Unterschiede. Diese Unterschiede werden anschließend darauf hin untersucht, ob sie Ausdruck einer genuin divergenten Tiefenstruktur der Argumente und ihrer Voraussetzungen sind, oder ob sie sich doch auf ein geteiltes Grundverständnis zurückführen lassen. Im Zentrum der Analyse stehen die Bedeutung und Funktion zentraler Grundbegriffe wie Xργον, τXλειον und áρετh sowie die daraus resultierende Interpretation der beiden εbδαιμονiα-Bestimmungen zum Abschluß der Argumente. Auf der Basis dieser Ausführungen wird entgegen der in der Forschung vorherrschenden dissoziierenden Interpretation der beiden Xργον-Argumente für eine unifizierende Lesart plädiert; aus dieser Interpretation werden abschließend einige Schlußfolgerungen für die Voraussetzungen eines adäquaten Verständnisses der aristotelischen εbδαιμονiα in toto gezogen.

 

Konrad Utz, Tübingen: Freundschaft und Wohlwollen bei Aristoteles

Aristoteles differenziert drei Arten von Freunden: solche, die um der beiderseitigen Tugend willen zusammen sind, solche, die einander Lust bereiten und solche, die sich nützlich sind. Den Vorrang genießen selbstverständlich die ersteren. Als John M. Cooper 1976 die These vertrat, wider den ersten Anschein gebe es dennoch in allen drei Freundschaftstypen echtes, selbstloses Wohlwollen, hat er eine breite Diskussion ausgelöst, sich aber insgesamt nicht durchsetzen können. Der vorliegende Aufsatz möchte Coopers Position erneut bestärken. Dazu wird zunächst der grundsätzliche Zusammenhang von Lieben und Wohlwollen erörtert, um die gewonnene These dann an strittigen Passagen zu bewähren. Dabei geben in erster Linie zwar exegetische Argumente den Ausschlag. Es ergeben sich allerdings auch systema­tische Gesichtspunkte, die über die eigentliche Fragestellung hinaus zum Gesamtverständnis der Aristotelischen Freundschaftslehre beitragen mögen.

 

Herman Philipse, Leiden/Niederlande: Heideggers philosophisch-religiöse (pascalsche) Strategie. Über das Problem der Umdeutung der Existenzialien 

In Schriften, die nach dem Zweiten Weltkrieg erschienen, deutete Martin Heidegger die ontologischen Begriffe, mit denen er in Sein und Zeit (1927) die menschliche Existenz charakterisiert hatte, um. Er behauptete, daß seine neuen Definitionen die wahre Bedeutung dieser ‚Existenzialien’ offenlegten. Man kann sich fragen, was dieses überraschende Vorgehen Heideggers rechtfertigt beziehungsweise erklärt. Der hier vorgeschlagenen Lösung zufolge gehören Sein und Zeit und die späteren Werke zusammen als zwei Schritte einer umfassenden Strategie religiöser Apologetik.

 

Diskussionen

Jens Timmermann, St Andrews/Schottland: Depositum I – Konrad Cramers Diskussion der logischen Struktur eines Kantischen Beispiels für moralisches Argumentieren 

Kant vertritt in der Kritik der praktischen Vernunft und im Gemeinspruch die Auffassung, daß man eine Leihgabe auch dann nicht einfach einbehalten darf, wenn dies gefahrlos möglich wäre. Wie Konrad Cramer allerdings in seinem Aufsatz zum „Depositum“ zeigt, ist es gar nicht so leicht, auf der Grundlage der Kantischen Ethik ein gutes Argument für diese Auffassung zu rekonstruieren. Im Ausgang von Cramers Kritik wird hier der Versuch unternommen, Kants Position zu stärken: Die Maxime desjenigen, der das hinterlegte Gut einbehält, ist die, sein Vermögen mit allen sicheren Mitteln zu vergrößern; wäre nun diese Maxime allgemein verbreitet, so würde es der ursprüngliche Eigentümer gar nicht wagen, sich von seinem Eigentum zu trennen. Es gäbe keine Deposita. Derjenige, der sich so am Gut eines andern bereichern möchte, untergräbt bei Allgemeinheit seiner Maxime tatsächlich die Bedingung der Möglichkeit der Einbehaltung des Depositums. Entscheidend wichtig für den Erfolg der Rekonstruktion ist die präzise Unterscheidung von „Regeln“ und „Maximen“.

 

Christopher R. Taylor, St Andrews/Schottland: Depositum II – Konrad Cramer’s Reflections on the Logical Structure of a Kantian Moral Argument 

Abstract:  Konrad Cramer, in “Reflections on the Logical Structure of a Kantian Moral Argument”, argues that the Universal Law Formulation (UL) of the Categorical Imperative is best understood as providing us with an indirect method for determining the moral permissibility of acting on our maxims.  He then goes on argue, however, that no interpretation of UL is consistent with Kant’s epistemic claim that we can easily discover what morality demands of us.  In response I argue that Cramer relies on an excessively demanding interpretation of Kant’s epistemic claim and that his indirect interpretation of UL rests on a problematic account how our maxims relate to the actions that we perform on their basis.  I then turn to the question of the overall plausibility of UL, and stress the need to interpret it within the context of Kant’s overall moral system.

 

Berichte

Thomas Schramme, Mannheim: Zur Währungskrise der egalitären Gerechtigkeit (Teil 1)

 

Buchbesprechungen

Wilfried Hinsch: Gerechtfertigte Ungleichheiten. Grundsätze sozialer Gerechtigkeit (Martin Hoffmann, Hamburg)

Nancy Fraser/Axel Honneth: Umverteilung oder Anerkennung? Eine politisch-philosophische Kontroverse (Kostas Maras, Tübingen)

Georg W. Bertram: Hermeneutik und Dekonstruktion (Katrin Nolte, Berlin)

Thomas Metzinger: Being No One. The Self-Model Theory of Subjectivity (Oliver Döhrmann, Düsseldorf)

Jerry Fodor/Ernest Lepore: The Compositionality Papers (Malte Dahlgrün, Berlin)

 

Buchnotizen