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Richtlinien für die Autoren

Zeitschrift für philosophische Forschung

Herausgegeben von Otfried Höffe (Tübingen)
zusammen mit Christof Rapp (Berlin)

Berichte und Buchbesprechungen: Nico Scarano (Tübingen)

Band 58 (2004): In vier Einzelheften, VI, 614 Seiten. 
€ 108.- für institutionelle, €  86.- für private Bezieher. 
Studentenabonnement € 56.- 
Die zurückliegenden Bände sind weitgehend lieferbar.

 

Aus dem Inhalt von Heft 1

 

Abhandlungen

Wolfram Hinzen, Amsterdam: Synthese a priori bei Wittgenstein

In einer vereinzelten Anmerkung in den Bemerkungen über die Grundlagen der Mathematik (Teil IV, §43) scheint Wittgenstein die Existenz synthetischer Urteile a priori anzunehmen und damit ein entscheidendes Element der rationalistisch-transzendentalen Tradition. Ich argumentiere für eine Weise, in der sich diese Bemerkung in den größeren Zusammenhang von Wittgensteins Nachdenken über Mathematik einbettet, sowie für den kohärenten erkenntnistheoretischen Sinn, den sie unabhängig davon hat. Tatsächlich weist dieser weit über den Bereich bloß mathematischer Urteile hinaus. Beginnend mit einem empirisch-syntaktischen Begriff von Urteil, argumentiere ich, dass die relevanten Urteile a priori darin sind, dass sich unsere Erfahrungen ihnen gegenüber verantworten und nicht umgekehrt die Urteile vor der Erfahrung. Sie sind gleichwohl synthetisch darin, dass sie nicht aus der Analyse von (lexikalischen) Begriffen allein entstehen und extern bedingt sind. Dass derlei Urteile in einem relevanten Sinne weder begründbar noch wahr-oder-falsch sind, scheint wie eine natürliche Konsequenz dessen, dass sie der inhärenten Struktur des menschlichen Geistes, und damit der menschlichen Natur, entspringen. 

 

Andreas Hüttemann, Bielefeld: Naturzustand und Staatsvertrag bei Hobbes

In diesem Aufsatz untersuche sich, ob sich der Hobbes’sche Naturzustand als Gefangenendilemma beschreiben lässt und welche Konsequenzen dies gegebenenfalls hat. Ich argumentiere für die Thesen, dass erstens eine solche Beschreibung eine angemessene Charakterisierung des Hobbes’schen Naturzustandes ist (Abschnitt 1), dass das Gefangenendilemma zweitens kein Problem für die Hobbes’sche Argumentation aufwirft (Abschnitt 2) und dass drittens Hobbes sein Argumentationsziel verfehlte, wenn er den Naturzustand anders beschriebe, d.h. so, als seien die Applikationsbedingungen des Gefangenendilemmas nicht erfüllt. Das Gefangenendilemma, in dem sich die Naturzustandsbewohner befinden, ist daher notwendige Voraussetzung für die Vernünftigkeit eines Staates, in dem der Souverän mit einer Hobbes’schen Machtfülle ausgestattet ist (Abschnitt 3).

 

Miriam Ossa, Bonn;  Dieter Schönecker, Stonehill: Ist keine Aussage sicher? Rekonstruktion und Kritik der deutschen Fallibilismusdebatte

Unbemerkt von der internationalen Philosophie gibt es seit fast dreißig Jahren eine deutsche Debatte über die Frage, ob die Hauptthese des Fallibilismus – keine Aussage ist sicher – widersprüchlich sei. Wir werden zeigen, daß diese Debatte auf beiden Seiten an begrifflichen Unklarheiten und fehlenden Unterscheidungen leidet. Die insbesondere von Karl-Otto Apel und Wolfgang Kuhlmann vorgetragenen Vorwürfe der Selbstimmunisierung und der Gehaltlosigkeit des Fallibilismus erweisen sich als unbegründet. Daraus folgt allerdings nicht, daß der von Hans Albert und Herbert Keuth verteidigte Fallibilismus wirklich haltbar ist.

 

Udo Tietz, Berlin: Normen, Regeln und Interpretationen. Robert Brandoms Projekt einer pragmatischen Theorie der Rationalität

Wenn wir uns dieser Tage in der Rationalitätstheorie einen Überblick über die großen Entwürfe verschaffen, so diese sich innerhalb eines linguistischen Paradigmas verorten lassen, dann werden wir feststellen, daß der Basisbegriff der meisten dieser Theorien der Regelbegriff ist. Die kommunikative Kompetenz von sprach- und handlungsfähigen Subjekten soll sich ebenso über den Begriff des Regelfolgens erläutern lassen, wie die Verständlichkeit sprachlicher Zeichen und Äußerungen. Das Problem dieser Theorien jedoch ist, daß eben diese Intuition in bedeutungstheoretischer Hinsicht nie wirklich ausbuchstabiert wurde.
Dieser unbefriedigende Zustand soll nun der Vergangenheit angehören. Robert Brandom präsentiert mit seinem Werk Expressive Vernunft eine „Untersuchung über das Wesen der Sprache“, die genau dieses Defizit beseitigen soll. Er will mit Rekurs auf implizite Nomen nicht nur die Bedeutung sprachlicher Ausdrücke aus ihrem Gebrauch zirkelfrei erklären, sondern auch die Frage nach der Objektivität des Wissens beantworten, die er selbst als die „größte theoretische Herausforderung für jeden Versuch“ bezeichnet, „die Richtigkeiten des Begriffsgebrauchs auf die soziale Praxis zu gründen“, in einer nicht-relativistischen Weise beantworten.
Beide Intuitionen werden vom Autor nicht geteilt. Aus der Basis des Regelmodells, so seine These, läßt sich weder die bedeutungstheoretische Intuition einlösen, noch die Frage nach der Objektivität des Wissens in einer nicht-relativistischen Weise beantworten – was dann bedeuten würde, daß in der Rationalitätstheorie der Begriff des Regelfolgens nicht die Rolle eines Grundbegriffs spielen könnte. Gegen Brandoms kommunitaristische Verständnis stellt der Autor ein individualistisches Verständnis. Er meint, daß die Bedeutung sprachlicher Ausdrücke auf der Grundlage des Gebrauchs und der Unterstellung, daß die Überzeugungen unseres Gegenübers zum größten Teil wahr und kohärent sind, zu analysieren sind – nämlich auf der Basis wechselseitiger Bedeutungszuschreibungen –, und daß auch die Frage nach der Objektivität des Wissens auf dieser Basis beantwortet werden muß.

 

Diskussionen

Karen Gloy, Luzern: Metaphysik – ein notwendiges oder verzichtbares Projekt?

Der Beitrag nimmt die Kontroverse zwischen Jürgen Habermas' Nachmetaphysisches Denken und Dieter Henrichs  Replik Was ist Metaphysik - was Moderne? auf und diskutiert deren unterschiedliche Prämissen. Nach einem kurzem Blick auf die Geschichte der Metaphysik und auf ihre Kritik seit der Antike bis in die Gegenwart wird erkennbar, daß eine Bedrohung der Metaphysik niemals von seiten des vermittelten Wissens kommt, mag es sich um das notwendige wissenschaftliche oder um das kontingente historische Wissen handeln, sondern allenfalls von seiten des unmittelbaren Wissens. Dieses letztere in seinen diversen Möglichkeiten: 1. als Wissen des Konkreten bzw. "wildes Denken", 2. als ästhetische Erfahrung, 3. als praktisch-pragmatisches Wissen (Lebenswelt) gilt es daher zu überprüfen. Es wird gezeigt, daß selbst im Falle der Bedrohung der Metaphysik von dieser Seite es nicht zu deren Absetzung kommt, da die genannten Bereiche allenfalls die Grundlage denkender Auseinandersetzung bilden, nicht aber deren Substitut.

 

Berichte

Thomas Schramme, Mannheim: Zur Währungskrise der egalitären Gerechtigkeit (Teil 2)

 

Buchbesprechungen

Alexander Brungs: Metaphysik der Sinnlichkeit. Das System der passiones animae bei Thomas von Aquin (Matthias Perkams, Jena)

 

Dominik Perler: Theorien der Intentionalität im Mittelalter (Ralph Schumacher, Berlin)

 

Werner Flach: Die Idee der Transzendentalphilosophie. Immanuel Kant (Christian Krijnen, Ladenburg)

 

Frank Cameron: Nietzsche and the ‚Problem‘ of Morality (Jean-Claude Wolf, Freiburg i.Ü.)

 

Dieter Birnbacher: Analytische Einführung in die Ethik (Héctor Wittwer, Berlin)