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Zeitschrift für philosophische ForschungHerausgegeben von Otfried Höffe (Tübingen) Band 59 (2005): In vier Einzelheften, etwa
620 Seiten.
Aus dem Inhalt von Heft 4
Abhandlungen Benjamin Schnieder, Hamburg: Mein Leben und ich - Eine ontologische Ménage à deux Ein Lebewesen und sein Leben verbindet offenbar eine innige Beziehung. Aber welche genau? Das ist die Leitfrage dieses Artikels. Im Anschluss an die Klarstellung, dass es sich nicht um die Beziehung der Identität handelt (Abschnitt 2), wird gezeigt, dass sich die Frage mittels einer Konstruktion des internen Akkusativs beantworten lässt (Abschnitt 3). Die dabei ausgedrückte Beziehung ist, so das Plädoyer des Artikels, eine der ontologischen Abhängigkeit. Es werden zwei Erklärungen eines Abhängigkeitsbegriffs vorgestellt, deren zentraler Begriff einerseits ein modaler (Abschnitt 4) und andererseits ein explanatorischer (Abschnitt 5) ist, und es wird diskutiert, inwiefern der jeweilige Begriff die Antwort auf die Leitfrage stützt. Wolfgang Barz, Berlin: Relationen zu Propositionen Ich versuche zu zeigen, daß die auf Frege zurückgehende These, daß Meinungen (und andere sogenannte propositionale Einstellungen) Relationen zwischen Personen und Propositionen darstellen, nicht zwangsläufig die Frage nach der Natur des Mechanismus aufwirft, der Personen mit Propositionen verbindet. Um meine Auffassung zu begründen, lasse ich zunächst eine Überlegung Revue passieren, die meines Erachtens den stärksten Beweggrund für die Einführung von Propositionen darstellt. In diesem Zusammenhang zeigt sich, daß sich die These, daß Meinungen Relationen zwischen Personen und Propositionen darstellen, auf die Struktur von Berichten über Meinungen bezieht – und nicht auf die Struktur von Meinungen selbst. Wer Freges These unterschreibt, legt sich daher weder auf das Vorhandensein eines mysteriösen Aktes intellektueller Anschauung, noch auf die Existenz irgendeiner anderen Art von erklärungsbedürftiger Interaktion zwischen einer Person und einer abstrakten Entität fest. Bettina Walde, Mainz: Modalargumenten gegen monistische Theorien des Bewusstseins: Von Gedankenexperimenten und iterierten Modalitäten
In der Debatte darüber, ob es eine vollständige Erklärung des Bewusstseins geben könnte, wurden immer wieder a priori Argumente gegen die Möglichkeit eines umfassenden materialistischen Erklärungsansatzes vorgebracht. Ich werde zunächst eine Rekonstruktion eines solchen modallogischen Arguments vorstellen und dann deutlich machen, dass der entscheidende Schritt bei diesem Argument im Übergang von zentrierten Welten zu nicht zentrierten möglichen Welten liegt. In einem weiteren Schritt werde ich zeigen, wie man mit einer relativistischen Konzeption der Metaphysik des modalen Raums von der zentrierten Welt zu einer nicht zentrierten möglichen Welt übergehen kann, die mit dem Materialismus verträglich ist. Nur wenn man auf der Ebene von möglichen Welten nicht genau zwischen metaphysischer Möglichkeit relativ zu verschiedenen als aktual betrachteten Welt unterscheidet, kann man das gewünschte, anti-materialistische Resultat erzielen. Dieser Vorschlag zeigt, dass der Materialismus mit dem Modalargument nicht a priori widerlegt werden kann.
Michael Wolff, Bielefeld: Zur Aristotelischen Modallogik Es läßt sich zeigen, daß die Gültigkeit der vollkommenen Syllogismen (und damit aller Regeln) der Aristotelischen Modallogik auf der Gültigkeit eines Systems von Grundregeln beruhen, das ein genaues nicht-wahrheitsfunktionales Analogon zu dem um das Brouwersche Axiom erweiterten System T ist. Die Gültigkeit dieses Systems beruht auf Grundannahmen, die eine bestimmte Auffassung des assertorischen Satzes einschließen. Die Gründe, aus denen sich einsehen läßt, wie vorteilhaft in systematischer Hinsicht die Darstellung der Aristotelischen Syllogistik in einem ausschließlich nicht-wahrheitsfunktionalen logischen Vokabular und wie angemessen in historischer Hinsicht die oben eingesetzte Methode der Gültigkeitsbeweise für vollkommene Syllogismen ist, habe ich meiner Abhandlung über die Prinzipien der Logik ausführlich dargestellt.
Diskussionen
Sarah Tietz, Berlin: Repräsentation und Bedeutung. ein Argument gegen eine naturalisierte Bedeutungstheorie
Das Projekt einer Rettung der interpretativen und reflexiven Dimension des Menschen steht für Naturalisten wie Fodor ganz oben auf der Prioritätenliste. Denn gelingt es nicht, jene Dimension naturwissenschaftlich zu reformieren, sie also definitorisch oder anderweitig auf nicht-intentionale Begriffe zurückzuführen, muß daraus der Schluß gezogen werden, Intentionalität sei als Phänomen nicht existent. Eine Naturalisierung mentaler Kategorien verlangt nun ebenfalls, eine Bedeutungstheorie nach naturalistischen Kriterien zu formulieren. Mehrere Versuche in diese Richtung hat Fodor unternommen. Seine Bedeutungstheorie ist eine kausalistische und – gegen die Tradition – atomistische. In diesem Beitrag soll es darum gehen, zu zeigen, daß zum einen Fodors Repräsentationstheorie, mit der er Intentionalität naturalistisch reformieren will, seinen selbst gestellten Bedingungen nicht zu genügen vermag, und daß zum anderen seine Bedeutungstheorie vor allem zwei Nachteile hat: erstens beruht sie auf einer falschen Prämisse, die obendrein zum Skeptizismus führt, und zweitens formuliert sie sich den Bedeutungsholismus als einen Gegner zurecht, der in dieser Weise gar nicht existiert.
Berichte François Schroeter, Melbourne: Die psychologische Basis von Freiheit und Verantwortung Neuere Literatur
Buchbesprechungen Andreas Bartels: Strukturale Repräsentation (Thomas Mormann, Donostia-San Sebastian) Ernest LePore, Kirk Ludwig: Donald Davidson. Meaning, Truth, Language, and Reality (Tim Henning, Princeton) Konrad Utz: Die Notwendigkeit des Zufalls (Rainer Schmitz, Berlin) Elif Özmen: Moral, Rationalität und Gelungenes Leben (John-Stewart Gordon, Tübingen) Rüdiger Bittner: Aus Gründen handeln (Axel Rittsteiger, Tübingen)
Buchnotizen |