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Über die Zeitschrift

Richtlinien für die Autoren

Zeitschrift für philosophische Forschung

Herausgegeben von Otfried Höffe (Tübingen)
zusammen mit Christof Rapp (Berlin)

Berichte und Buchbesprechungen: Nico Scarano (Tübingen)

Band 61 (2007): In vier Einzelheften, VI, 546 Seiten. 
€ 116.- für institutionelle, €  89.- für private Bezieher.  Studentenabonnement € 58.- 
Die zurückliegenden Bände sind weitgehend lieferbar.

 

Aus dem Inhalt von Heft 2

 

Abhandlungen

Frank Hofmann, Tübingen: Wahrheit und Wissen. Einige Überlegungen zur epistemischen Normativität

 

Eine der neueren Herausforderungen in der Erkenntnistheorie, die die Frage nach der Struktur epistemischer Werte aufwirft, stellt die so genannte Mehrwert-Intuition dar: Wissen scheint mehr Wert zu haben als bloß wahre Meinung. Ein Wahrheitsmonist vertritt die Auffassung, dass wahre Meinung der einzige intrinsische epistemische Wert ist. Es soll gezeigt werden, dass und wie sich im Rahmen des Wahrheitsmonismus die Mehrwert-Intuition einfangen lässt. Wir können, wie Frege, BonJour, Beckermann und viele andere, an der Wahrheit als einzigem intrinsischem Wert in der Epistemologie festhalten. Und im Rahmen des Wahrheitsmonismus lässt sich eine klar verständliche Struktur der epistemischen Werte entwickeln.

 

Stephan M. Fischer, Berlin: Zum Gefüge der Modalitäten bei Saul Kripke

 

In diesem Artikel wird auf die scharfe Trennung zwischen metaphysischer Notwendigkeit und epistemischer Apriorität bei Saul Kripke eingegangen. Metaphysische Möglichkeit schafft den Raum für verschiedene epistemologische Festsetzungen und spiegelt sich so in epistemologischer Freiheit und Alternativen. Diese verlangt die von Kripke eingeforderte Disziplin im Gebrauch von Namen, ihren Festsetzungen und möglichen Welten. Ich argumentiere, dass dieses Konzept aber nicht erklärt, was unter metaphysischer Notwendigkeit tatsächlich verstanden werden soll. Eine metaphysisch kontingente Wahrheit a priori stellt sich als eine metaphysisch kontingente und epistemisch unausweichliche Wahrheit relativen Aprioris heraus. Metaphysische Notwendigkeit andererseits drückt tatsächlich alleine fehlenden epistemischen Zugriff aus.

 

Neil Roughley, Münster: Hilberts Krawatte, Ryles Clown und Gehlens Schlüssel. Zur Analyse von Gewohnheitshandlungen

 

Gewohnheitshandlungen stellen für die kausale Handlungstheorie eine Herausforderung dar: Einerseits werden sie offenkundig auf weite Strecken nicht durch vorgängige bewusste Wünsche gesteuert. Andererseits glauben wir, dass dabei der Akteur in der Regel über sie diejenige Form von Kontrolle ausübt, die sie als seine absichtlichen Handlungen qualifiziert. Somit kann es den Anschein haben, dass Gewohnheitshandlungen entscheidende Gegenbeispiele für eine Theorie liefern, die die für Absichtlichkeit entscheidende Handlungskontrolle an die Verursachung durch bewusste Wünsche bindet. Der Artikel untersucht drei einschlägige Typen von routinemäßig ausgeführten Handlungen: erstens komplexe Alltagshandlungen wie Autofahren oder Ins-Bett-Gehen, die häufig 'geistesabwesend' vollzogen werden; zweitens Routinen, die, wie die Vorführung eines Akrobaten, aus eingeschliffenen körperlichen Sequenzen bestehen, deren erfolgreiche Ausführung die Abwesenheit bewusster Interventionen geradezu erfordert; und drittens 'gedankenlos' ausgeübte Mikrohandlungssequenzen wie das Herumprobieren mit einem Schlüssel im Schlüsselloch. Es zeigt sich nicht nur, dass alle drei Handlungstypen einer kausalen Analyse zugänglich sind, sondern auch dass ihre Analyse wichtige Dimensionen des Phänomens der Handlungskontrolle zutage fördert.

 

Jochen Bojanowski, Tübingen: Kant und das Problem der Zurechenbarkeit

 

Nach einer verbreiteten Auffassung kann Kant die Zurechenbarkeit menschlicher Handlungen nicht erklären, weil seine Freiheitstheorie impliziere, dass ausschließlich die moralisch guten Handlungen freie Handlungen sind. Folgt man Kants Kritikern, hätte er Freiheit als ein Wahlvermögen für oder gegen das moralisch Gebotene bestimmen müssen. In diesem Aufsatz wird dafür argumentiert, dass diese empirische Definition für Kant aus erkenntniskritischen Gründen ausscheidet und er mit der nicht-empirischen Vernunfteinsicht moralischer Verpflichtung zum ersten Mal einen Definitionsgrund gefunden hat, mit dem er über die analytische Definition einer Kausalität aus Freiheit aus der ersten Kritik hinausgehen kann. Dass diese Definition die Möglichkeit der moralisch bösen Handlung nicht ausschließt, wird durch eine genaue Analyse von Kants Argument für seine sogenannte „Analytizitätsthese“ bewiesen.

 

 

Diskussionen und Berichte

 

Cord Friebe, Bonn: Über einen Einwand gegen die Zwei-Aspekte-Interpretation von Kants Unterscheidung zwischen Erscheinung und Ding an sich

 

Gegen die Zwei-Aspekte-Interpretation von Kants Unterscheidung zwischen Erscheinung und Ding an sich ist ein Einwand vorgebracht worden, wonach sich die Begriffe „Erscheinung“ und „Ding an sich“ nicht auf ein und denselben Gegenstand beziehen könnten, da sich nicht angeben lasse, was in beiden Perspektiven gemeinsam sei. Gegen diesen Einwand wird dafür argumentiert, dass die entsprechenden Begriffe sich gar nicht auf Gegenstände beziehen, sondern direkt auf Betrachtungsweisen und indirekt auf Aspekte von Gegenständen. Aus dem Gegenargument ergeben sich eine neue Lesart derjenigen Textstellen bei Kant, die scheinbar für die Zwei-Welten-Interpretation sprechen, und – andeutungsweise – eine Aktualisierung von Kants Unterscheidung im Lichte der speziellen Relativitätstheorie.

 

 

Buchbesprechungen

 

Michael Bordt: Aristoteles’ „Metaphysik XII“ (Raffael Schaller, Hamburg)

 

Nikolaj Plotnikov: Gelebte Vernunft. Konzepte praktischer Rationalität beim frühen Hegel (David P. Schweikard, Köln)

 

Martha C. Nussbaum: Frontiers of Justice. Disability, Nationality, Species Membership (Daniel Loewe, Tübingen)

 

Christoph Jäger/Georg Meggle (Hrsg.): Kunst und Erkenntnis (Katinka Schulte-Ostermann, Duisburg-Essen)

 

Alva Noë: Action in Perception (Tobias Schlicht/Ulrike Pompe, Bochum)

 

 

Buchnotizen