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Zeitschrift für philosophische Forschung
Herausgegeben
/ Edited by:
Otfried Höffe (Tübingen), Christof Rapp (Berlin)
Berichte und Buchbesprechungen /
Book Reports and Reviews: Nico Scarano (Tübingen)
Band 63 (2009): In vier
Einzelheften, 640 Seiten.
€ 131.- für institutionelle, €
89.- für private Bezieher. Studentenabonnement € 59.-
Die zurückliegenden Bände sind weitgehend lieferbar.
Vol. 63 (2009): In four single issues, 640 pages.
€ 131.- for
institutional subscribers, € 89.- for individual subscribers. Student price
€ 59.-
Back issues are mostly available for purchase.
Aus dem Inhalt von Heft
3 / Table of Contents: Issue 3
Abhandlungen / Essays
Rosemarie Rheinwald †: Dispositionen als Ursachen
In dem Aufsatz sollen folgende zentrale Fragen über Dispositionen beantwortet werden. In welchem Verhältnis steht eine Disposition zu ihrer kausalen Basis? Sind Dispositionen kausal wirksam? Das heißt: Verursacht eine Disposition die Manifestation?
Die Verfasserin legt eine bestimmte Ontologie von Eigenschaften und Dispositionen zugrunde. Eigenschaften werden als intensionale Entitäten aufgefasst, Dispositionen mit kontrafaktischen Eigenschaften identifiziert und diese als reale Potentialitäten angesehen. Es wird gezeigt, dass es möglich ist, der intuitiven Vorstellung, dass Dispositionen etwas verursachen, Rechnung zu tragen, ohne eine Disposition mit ihrer kausalen Basis zu identifizieren.
Ein neuerer Einwand stammt von Martin und besagt, dass jede Art von kontrafaktischer Analyse von Dispositionen fehlgeht. Der Einwand bezieht sich auf Störer („finks“) einer Disposition. Dem Einwand kann durch eine modifizierte kontrafaktische Analyse begegnet werden. Dabei werden Dispositionsaussagen als zeitbezogene Ceteris-paribus-Aussagen analysiert, wobei die Ceteris-paribus-Bedingung die Abwesenheit von äußeren Hindernissen und von inneren Hindernissen, die das Objekt unter Kontrolle hat, umfasst.
In the paper the following questions are discussed. What is the relation between a disposition and its causal basis? Are dispositions causally effective? That is, does a disposition cause its manifestation?
These questions are answered on the basis of a certain ontology of properties and dispositions. Properties are considered to be intensional entities, dispositions are identified with counterfactual properties and these are conceived as real potentialities. It is shown that it is possible to defend the intuition that dispositions are causes without identifying a disposition with its causal basis.
Martin has recently put forward an objection against any form of counterfactual analysis of dispositions. This objection refers to „finks“ and can be refuted on the basis of a modified counterfactual analysis. According to this analysis, ascriptions of dispositions are time-dependent ceteris-paribus-propositions, and the ceteris-paribus-condition includes the absence of outer obstacles and of inner obstacles which the object has under control.
Marco Iorio: Die Rollen von Regeln beim Handeln
Die Arbeit umfasst drei Teile. Im ersten Teil wird unter Bezug auf Edward McClennens Darstellung ein mutmaßliches Dilemma diskutiert, das einige Autoren im Fall des regelgeleiteten Handelns zu erkennen glauben. Dabei kommen zwar Ansätze zur Sprache, dieses Dilemma aufzuheben. Diese Lösungsansätze können jedoch nicht überzeugen. Im zweiten Teil wird eine Reihe unterschiedlicher Typen von Handlungs- und Entscheidungssituationen vor Augen geführt, in denen Regeln in verschiedenen Rollen von Bedeutung sind. Diese Rollen legen ein Verständnis vom Konzept der praktischen Regel nahe, das mit demjenigen nicht harmoniert, das im ersten Teil die Diskussion bestimmte. Regeln dienen nicht der Funktion, Handelnde zu binden bzw. auf ein bestimmtes Tun hin zu verpflichten. Regeln haben vielmehr eine selektierende und die Akteure orientierende Funktion. In Anbetracht dieses Ergebnisses wird im dritten Teil gezeigt, dass das besagte Dilemma in der Realität nicht besteht und die Ansicht, dass es besteht, auf einem fragwürdigen Bild praktischer Regeln beruht.
Julius Schälike: Levelling-up-Egalitarismus. Gerechtigkeit, Gleichheit und Neid
Die egalitaristische Position in der Debatte um distributive Gerechtigkeit wird üblicherweise so verstanden, dass sie die These enthält, der Relation der Gleichheit komme ein intrinsischer Wert zu. Diese These ist dem Levelling-down-Einwand ausgesetzt. Unter dem Eindruck dieses Einwandes ist vielfach argumentiert worden, Gerechtigkeit sei kein relationaler Begriff; Gerechtigkeit herrsche vielmehr dann, wenn nicht-relationale moralische Standards erfüllt seien. Ich versuche zu zeigen, dass Gleichheit zwar tatsächlich keinen intrinsischen Wert besitzt, dass Gerechtigkeitsstandards jedoch nicht mit den non-relationalen Standards, auf die die Kritiker des Egalitarismus verweisen, identisch sind. Es geht, so meine These, bei der Frage nach der gerechten Verteilung nämlich um die höherstufige Frage, ob die basalen non-relationalen moralischen Standards für alle gleichermaßen erfüllt sind. Gerechtigkeit besitzt auch ein genuines normatives Gewicht, das sich – wie auch das Gewicht der basalen moralischen Standards – aus bestimmten Präferenzen speist. Während die basale Moral im Mitleid fundiert ist, gründet die Gerechtigkeit in generalisiertem Neid. Neid jedoch ist von Missgunst zu unterscheiden, er fordert – anders als letztere – nicht levelling down, sondern levelling up. Der intrinsische Wert liegt somit nicht in der Gleichheit, sondern in der Angleichung nach oben.
Wolfgang Hellmich: Eschatologisches Denken und Antipolitik. Zur Schluss-Passage von Martin Heideggers Schrift Der Ursprung des Kunstwerks
In diesem Aufsatz wird Heideggers Kunstwerk-Schrift als eine politisch-ästhetische Utopie gedeutet, die auf die Stiftung einer von Grund auf neuen Ordnung zielt. Heideggers Begriff dafür lautet „Ursprung“. Darunter ist nicht der Anfangsgrund oder die Ursache von etwas zu verstehen, sondern ein planvolles Schaffen von etwas Neuem, ein Erschaffen. In der
Kunstwerk-Schrift kommt ein spezifisches Politikverständnis zum Tragen, das sich im Anschluss an Dolf Sternberger als „eschatologisch“ bezeichnen lässt. Politik im eschatologischen Sinn ist: „Antipolitik“. Im zweiten Teil der Untersuchung wird gezeigt, dass die Kunstwerk-Schrift in Herbert Marcuses Versuch über die Befreiung (1969) nachhaltigen Widerhall findet. Dieser „einsame Repräsentant der Heideggerschen Linken“ (Sternberger) überführt die Kunstwerk-Schrift in die politische Praxis der Rebellion. Es wird gezeigt, dass Marcuse Heideggers
Begrifflichkeit übernimmt und seine Schlüsselwörter die Argumentation leiten, ohne dass
Heidegger als „Ursprung“ benannt würde. Den Gründen dafür wird abschließend nachgegangen.
Diskussionen und Berichte /
Discussions and Book Reports
Daniel Dohrn: Robert Brandom über singuläre Termini
Robert Brandom charakterisiert singuläre Termini durch ihre symmetrische substitutionsinferentielle Rolle. Er entwickelt ein transzendentales Argument, wonach solche Termini notwendig für jede Sprache sind, welche die üblichen logischen Ausdrucksressourcen wie Negation und Konditional besitzt. Verschiedene Einwände werden diskutiert. Brandom kann die Forderung erfüllen, dass die Semantik einer Sprache kompositional sein muss. Er kann auch mit der asymmetrischen inferentiellen Rolle bestimmter singulärer Termini umgehen, sofern diese nicht systematisch ist. Aber er kann der Möglichkeit nicht gerecht werden, singuläre Termini einzuführen, die nicht durch eine symmetrische substitutionsinferentielle Rolle konstituiert sind. Ungeachtet der Einführung solcher Termini bleiben normale logische Ausdrucksressourcen erhalten.
Nicola Mößner: Das Zeugnis anderer als Untersuchungsgegenstand der sozialen Erkenntnistheorie. Ein Literaturbericht
Buchbesprechungen / Reviews
Frank Hofmann: Die Metaphysik der Tatsachen (Guido Imaguire)
Peter Stemmer: Normativität. Eine ontologische Untersuchung (Héctor Wittwer)
Kwame Anthony Appiah: Experiments in Ethics (Daniel Loewe)
Thomas Christiano: The Constitution of Equality. Democratic Authority and its Limits (Peter
Rinderle)
Barbara Bleisch & Peter Schaber (Hrsg.): Weltarmut und Ethik (Henning
Hahn)
Buchnotizen / Book Notes
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