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Zeitschrift für philosophische Forschung
Herausgegeben
/ Edited by:
Otfried Höffe (Tübingen), Christof Rapp (Berlin)
Berichte und Buchbesprechungen /
Book Reports and Reviews: Nico Scarano (Tübingen)
Band 63 (2009): In vier
Einzelheften, 640 Seiten.
€ 131.- für institutionelle, €
89.- für private Bezieher. Studentenabonnement € 59.-
Die zurückliegenden Bände sind weitgehend lieferbar.
Vol. 63 (2009): In four single issues, 640 pages.
€ 131.- for
institutional subscribers, € 89.- for individual subscribers. Student price
€ 59.-
Back issues are mostly available for purchase.
Aus dem Inhalt von Heft
4 / Table of Contents: Issue 4
Abhandlungen / Essays
Maximilian Forschner: Immanuel Kants „Hang zum Bösen“ und Thomas von Aquins „Gesetz des Zunders“
1. Um die Eigenart von Kants Theorie des radikal Bösen im Menschen verstehen zu können, ist ein vergleichender Blick in die entsprechende christlich-theologische Lehre (wie sie beispielhaft etwa bei Thomas von Aquin vorliegt) unerlässlich. Kant übersetzt diese Lehre in eine säkulare philosophische Anthropologie und setzt sich dabei zugleich mit philosophischen Anthropologien ins Verhältnis, die ganz wesentlich die Rechtsphilosophie und politische Philosophie der Neuzeit bestimmen. 2. Kant verabschiedet den theologischen Gedanken einer vererbten, die Menschheit als Gattung betreffenden korporativen Sündhaftigkeit und kollektiven Schuld; er verankert das Prinzip des (moralisch) Bösen in der Freiheit jedes Einzelnen, dies freilich so, dass auch die Sozialität des Menschen als Voraussetzung der Bösartigkeit ebenso wie der Tugendhaftigkeit des Menschen zur Sprache und zur Geltung kommt.
3. Kants Theorie wird in der Literatur vielfach als inkonsistent beurteilt. Der Beitrag versucht die Konsistenz seiner Lehre mit der These zu erweisen, dass Kant aus verschiedenen Perspektiven (aus empirischer und apriorischer, aus deskriptiv-erklärender, normativ beurteilender und pragmatisch-pädagogischer Perspektive) und entsprechend in verschiedenen Bedeutungen von diesem Hang zum Bösen spricht.
Volker Gadenne: Die erkenntnistheoretischen Voraussetzungen des Qualia-Arguments
Gegen den Physikalismus wird der Einwand vorgebracht, dass Qualia intrinsische, nichtreduzierbare Eigenschaften seien (Qualia-Argument). Doch worauf stützt sich dieser Einwand? Im vorliegenden Artikel werden die erkenntnistheoretischen Voraussetzungen des Qualia-Arguments diskutiert. Als erforderlich erweist sich zunächst die Annahme, dass Qualia wahrnehmbar sind, sei es durch Introspektion oder durch die reflexive Struktur des Bewusstseins. Eine entscheidende Rolle spielt darüber hinaus die Annahme, dass die Wahrnehmung der Qualia eine direkte ist. Diese Annahmen werden einer eingehenden Prüfung unterzogen, mit dem Ergebnis, dass sie zwar nicht als völlig gesichert, aber dennoch als gerechtfertigt gelten können. Für das Qualia-Argument ergibt sich daraus, dass es nach wie vor einen schwerwiegenden Einwand gegen den Physikalismus darstellt.
Helmut Mai: Michael Polanyis Reduktionismuskritik
Die Abhandlung gibt eine konzentrierte Rekonstruktion der weit verstreut erschienenen Überlegungen des britisch-ungarischen Chemikers und Philosophen Michael Polanyi (1891-1976) zur Reduktionismuskritik. Schlüssel der Kritik ist der Begriff der Grenzbedingung. Grenzbedingungen weisen auf Wirklichkeiten hin, die nicht mehr von den Gesetzmäßigkeiten der Stufe, die sie begrenzen, erreicht werden. Seine Anwendung dieses Begriffs auf Maschinen und Mechanismen ermöglicht Polanyi eine überraschende Kritik am biologischen Reduktionismus. Dieser Kritikpunkt wird durch die Entdeckung der DNA noch verstärkt.
Diskussionen und Berichte /
Discussions and Book Reports
Angela Kallhoff: Ethischer Naturalismus nach Aristoteles – das umstrittene Verhältnis von menschlicher Natur und gutem Leben
In der Moraltheorie ist der ethische Naturalismus umstritten. Seit der Zurückweisung eines metaethischen Naturalismus durch G.E. Moore galt es als ausgemacht, dass die Bedeutung von „gut“ nicht mit einem natürlichen Prädikat bestimmt werden kann. Trotz dieses Vorbehalts versuchen Aristotelikerinnen und Aristoteliker neuerlich wieder, Argumente des ethischen Naturalismus in die Erörterung der Moraltheorie einzuführen.
In diesem Beitrag möchte ich dafür argumentieren, dass ein in der Aristotelischen Ethik angelegtes naturalistisches Argument zur Rechtfertigung einer Konzeption guten Lebens Berücksichtigung verdient. Dazu soll zunächst der Nachweis geführt werden, dass mit Aristoteles eine Konzeption der Gattungsidentität des Menschen entwickelt werden kann, die in der Aristotelischen Naturphilosophie ihre Grundlage hat. Dann wird erläutert, inwiefern die Deutung guten menschlichen Lebens als eines moralisch richtig orientierten Lebens auf die Vorstellungen der Gattungsidentität bezogen bleibt. Entgegen der Deutungen des Naturalismus als einer biologisch-wertenden Konzeption und entgegen den Ansätzen zu einem Verzicht auf eine ethische Ausdeutung des menschlichen Gedeihens wird eine perfektionistische Deutung des naturalistischen Arguments entwickelt.
In moral philosophy, ethical naturalism is no longer accepted. Since G.E. Moore succeeded in rejecting metaethical naturalism, no one tries any more to define “good” with “natural terms”. Yet, recently, Aristotelians have tried to reintroduce ethical naturalism in moral theory.
In this contribution I shall argue that ethical naturalism can be defended as an approach that helps identify the “good human life”. I shall first explore the notion of “species” in Aristotle’s natural philosophy as a theoretical background for explaining the notion of the human species. I shall then identify an argument that connects the idea of the human species with ideas about the good human life in a moral sense. Different from interpretations of naturalistic arguments in terms of an evaluative notion of a biological entity and different from an interpretation that reduces the notion of “human flourishing” to a political notion, I shall defend a version of ethical naturalism that deserves the name “ethical perfectionism”.
Martin Hoffmann: Dreißig Jahre Principles of Biomedical Ethics. Ein Literaturbericht
Buchbesprechungen / Reviews
Thomas Bartelborth: Erklären (Ulrich Gähde)
Evan Thompson: Mind in Life (Tobias
Schlicht)
Michael Thompson: Life and Action (Timo-Peter
Ertz)
Gunnar Hindrichs: Das Absolute und das Subjekt (Markus Kartheininger)
Gerhard Ernst (Hrsg.): Moralischer Relativismus (Detlef Horster)
Buchnotizen / Book Notes
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