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Richtlinien für die Autoren / Guidelines for Authors

Zeitschrift für philosophische Forschung

Herausgegeben von / Edited by Otfried Höffe (Tübingen) und Christof Rapp (München) zusammen mit / with Gerhard Ernst (Stuttgart) und Christoph Horn (Bonn)

Berichte und Buchbesprechungen / 
Book Reports and Reviews
: Gerhard Ernst (Stuttgart)

Band 64 (2010): In vier Einzelheften, VIII, 624 Seiten. 
€ 136.- für institutionelle, €  89.- für private Bezieher.  Studentenabonnement € 59.- 
Die zurückliegenden Bände sind weitgehend lieferbar.

Vol. 64 (2010): In four single issues, VIII, 624 pages. 
€ 136.- for institutional subscribers, € 89.- for individual subscribers. Student price € 59.-
Back issues are mostly available for purchase.


Aus dem Inhalt von Heft 4 / Table of Contents: Issue 4


Abhandlungen / Essays


Katharina Razumovsky / Anton Friedrich Koch: Wahrheit und Versöhnung - Bemerkungen zum Begriff der Kunst

Auch wenn der Begriff des Kunstwerks sich nicht bündig definieren läßt, so kann man doch wesentliche Aspekte der Kunst angeben und entwickeln, indem man sie auf Voraussetzungen des Faktums bezieht, daß Menschen Wahrheitsansprüche erheben. Kant, Adorno und Heidegger haben im Ausgang von jenem Faktum einen ästhetischen bzw. einen mimetischen bzw. einen alethischen Aspekt der Kunst freigelegt. Dies ist das Thema und die zentrale These der nachfolgenden Bemerkungen. Sie sind in sechs Abschnitte gegliedert. Zunächst wird über das von Adorno so genannte Nichtidentische, dann kurz über das Schöne und das Erhabene, drittens über den bildenden Schein und die Mimesis, viertens über die Wahrheit und ihre begrifflichen Momente, fünftens über Glück und Versöhnung und zuletzt über die Frage der Definierbarkeit der Kunst zu sprechen sein.

Bernward Gesang: Kann man die Achtung der Menschenwürde als Prinzip der normativen Ethik retten?

In diesem Aufsatz werden die Interpretationen des Begriffs Menschenwürde vorgestellt, die in den aktuellen ethischen Debatten die am häufigsten diskutierten sind. Dabei handelt es sich um die traditionelle und die Kantische Theorie sowie um die Demütigungs- und die Achtungstheorie. Zudem werden zwei Ansätze präsentiert, die Menschenwürde über Relationen zu Menschenrechten erklären. Es soll ermittelt werden, ob einer der Kandidaten das Potenzial hat, einen begründbaren, gehaltvollen, präzisen und gegenüber dem Common-Sense Gebrauch nicht völlig revisionären Begriff der Menschenwürde zu liefern. Die hier verteidigte These wird lauten, dass Menschenwürde als Bezeichnung dafür verwendet werden kann, dass die fundamentalen Menschenrechte einer menschlichen Person in substantieller Weise erfüllt sind.

This essay discusses the most debated theories of the concept of human dignity in contemporary ethical discourses. The essay will explore if one of these theories is capable of delivering a justifiable, substantial and precise concept of human dignity that does not demand an entire revision of the concept in respect of its ordinary usage. The according thesis that will be defended is that human dignity is given if the fundamental human rights of a human person are realised. 

Martin Frank: Kant und das Recht nach dem Krieg

Dieser Essay möchte Kants Recht nach dem Krieg kritisch analysieren und untersuchen, welchen Beitrag es für die gegenwärtige Debatte um das ius post bellum leisten kann. Es wird dabei davon ausgegangen, dass Kants Konzeption des Naturzustands den Schlüssel zum Verständnis von Kants Kriegsrecht insgesamt darstellt. Zunächst wird die Struktur des ius post bellum durch seine systematische Stellung in Kants Völkerrecht rekonstruiert. Die einzelnen Bestimmungen des Rechts nach dem Krieg werden in zwei Gruppen geteilt und für sich erläutert. Dabei wird gelegentlich auf Begrenzungen von Kants Perspektive hingewiesen. Die identifizierten Grundsätze von Kants Kriegsrecht werden schließlich dazu verwendet, weitere, nicht im Recht nach dem Krieg genannte Bestimmungen zu diskutieren, die die Nachkonfliktphase betreffen.

This essay tries to critically analyze Kant’s right after war. It examines the contribution of Kant’s right after war to the contemporary debate about jus post bellum. It starts with the assumption that the key to the understanding of Kant’s law of war is his conception of the state of nature. The structure of the right after war will be reconstructed by analyzing the place of the right within Kant’s law of peoples. The features of the right after war will be divided into two groups and examined. Certain limitations of Kant’s perspective will be identified. The underlying principles of Kant’s law of war will be used to discuss other, not in the right after war included features, which are related to the post bellum phase.

Julius Alves: Vollkommene Tugendpflichten: Zur Systematik der Pflichten in Kants Metaphysik der Sitten

Diese Arbeit widmet sich einem Hauptproblem der kantischen Pflichtensystematik in der Tugendlehre: Der Unterscheidung von vollkommenen und unvollkommenen Pflichten und der resultierenden Spannung zwischen Einleitung und Elementarlehre. Während in der Einleitung in die Tugendlehre Tugendpflichten begrifflich nur als unvollkommene Pflichten eingeführt und abgeleitet werden, beginnt die Elementarlehre mit einem extensiven Abschnitt über vollkommene Pflichten, die dennoch Tugendpflichten sein sollen. Nach einer kurzen Betrachtung einschlägiger Vorschläge der Literatur zu diesem Problem, versucht die vorliegende Arbeit aus dem Konzept der Weite von Pflichten Kriterien für die Zuordnung der verschiedenen Tugendpflichten zu gewinnen. Im Lichte dieser Kriterien erscheint Kants Beurteilung mancher verhandelter Pflichten als ‚vollkommen’ gerechtfertigt. Abschließend wird gezeigt, inwiefern sie dennoch zu den Tugendpflichten gehören können (und deshalb in der Elementarlehre ihren Platz haben), indem Kants eher beiläufige Unterscheidung von Strebens- und Erhaltungspflichten in den Mittelpunkt gerückt wird. Unvollkommenheit einer Pflicht folgt nur aus ethischen Strebenspflichten, nicht aus gebotenen Maximen überhaupt. Das Ziel der Exposition aller relevanten Merkmale, die zu einer Tugendpflicht gehören können, lässt verstehen, warum die Einleitung nur auf Strebenspflichten zentriert ist.

This essay is concerned with one of the main problems in Kant’s system of duties in the Tugendlehre: the difference between perfect and imperfect duties and the resulting inconsistency between introduction and Elementarlehre. Even though the introduction establishes and derives duties of virtue as imperfect duties only, the Elementarlehre begins with a long section concerning perfect duties, which nevertheless are supposed to be duties of virtue. After a brief consideration of other interpreter’s views on this topic, this essay tries to develop criteria for the categorisation of the different duties of virtue from the concept of a duty’s latitude. In light of these criteria, Kant’s categorizing some of the discussed duties as perfect seems justifiable. Finally I will show, why they can nevertheless be ‘duties of virtue’, by emphasizing Kant’s distinction between duties to strive and those to conserve. Imperfection of a duty follows from duties to strive only, not from obligatory maxims per se. The goal of introducing all relevant characteristics, a duty of virtue may have, can explain, why the introduction is only concerned with duties to strive. 


Diskussionen und Berichte / Discussions and Book Reports

Kai Michael Büttner: Künne über singuläre und generelle Terme

Inhalt des Aufsatzes ist eine kritische Untersuchung der von Künne in seinem Buch Abstrakte Gegenstände vorgeschlagenen Definition der Unterscheidung zwischen singulären und generellen Termen. Zunächst wird aufgezeigt, dass Künnes Formulierung seiner Definition dahingehend unklar ist, dass sie sowohl eine satzrelative als auch eine kategorische Deutung der fraglichen Unterscheidung zulässt. Im Hauptteil des Aufsatzes soll dann gezeigt werden, dass Künnes Definition in beiden Deutungen inadäquat ist. Schließlich wird eine alternative Definition der Unterscheidung zwischen singulären und generellen Termen vorgeschlagen, welche zwar mit Künnes intuitiven Beispielen entsprechender Terme in Einklang steht, sich jedoch nur schwerlich in Künnes begriffliche Gesamtarchitektur integrieren ließe.

Kurt Bayertz: Eine Wissenschaft vom Glück? Teil 2: Die Vermehrung des Glücks der größten Zahl


Buchsymposium / Book Symposion

Olaf L. Müller: Moralische Beobachtung und andere Arten ethischer Erkenntnis – Précis
Nico Scarano: Gibt es moralisches Beobachtungswissen?
Tim Henning: Radikale Interpretation und moralische Wirklichkeit
Olaf L. Müller: Repliken – Radikale Übersetzung der Moralsprache


Buchbesprechungen / Reviews

Markus Gabriel: Skeptizismus und Idealismus in der Antike (Andree Hahmann)

Reinhard Brandt: Immanuel Kant – Was bleibt? 
(Otfried Höffe)

Giorgio Agamben: Was ist ein Dispositiv? 
(Rainer Schmitz, Johanna Söhnigen)

T. M. Scanlon: Moral Dimensions. Permissibility, Meaning, Blame (Norbert Anwander)

Rob Lawlor: Shades of Goodness. Gradability, Demandingness and the Structure of Moral Theories 
(Jörg Schroth)

Thomas Hoffmann / Michael Reuter (Hrsg.): Natürlich gut. Aufsätze zur Philosophie von Philippa Foot (Markus Wild)