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Richtlinien für die Autoren / Guidelines for Authors

Zeitschrift für philosophische Forschung

Herausgegeben von / Edited by Otfried Höffe (Tübingen) und Christof Rapp (München) zusammen mit / with Gerhard Ernst (Stuttgart) und Christoph Horn (Bonn)

Berichte und Buchbesprechungen / 
Book Reports and Reviews
: Gerhard Ernst (Stuttgart)

Band 66 (2012): In vier Einzelheften, ca. 640 Seiten. 
€ 148.- für institutionelle, €  89.- für private Bezieher.  Studentenabonnement € 59.- 
Die zurückliegenden Bände sind weitgehend lieferbar.

Vol. 66 (2012): In four single issues, ca. 640 pages. 
€ 148.- for institutional subscribers, € 89.- for individual subscribers. Student price € 59.-
Back issues are mostly available for purchase.



Aus dem Inhalt von Heft 1 / Table of Contents: Issue 1


Abhandlungen / Essays


Otfried Höffe: „Les hommes sont si nécessairement fous“. Skizze einer alternativen Philosophiegeschichte


Severin Schroeder: Über Wert und Zweck von Kunstwerken

Ist der Begriff eines Kunstwerkes ein Wertbegriff: ein Begriff, der eine positive Wertschätzung impliziert? Ich möchte diese Frage erörtern, indem ich mich mit zwei geläufigen und einander widerstreitenden Definitionsansätzen auseinandersetze: nämlich einerseits der Institutions-Theorie der Kunst und andererseits der Auffassung, daß Kunstwerke definiert werden können als Mittel zu wertvoller ästhetischer Erfahrung.


Andreas Vieth: Die Sensibilität der Religiösen - Eine kritische Auseinandersetzung mit Habermas’ Konzeption religiöser Erfahrung

Es gibt die These (1), dass Religiöse für Gerechtigkeitsfragen besonders sensibel sind. Da ihr die Autorität eines einheitlichen Weltbildes fehlt, könnte diese Sensibilität für die möglicherweise prinzipiell instabile Demokratie eine wichtige moralische Ressource sein, die ihren Bestand sichert. Allerdings müsste sich, so die Standardthese, eine solche Ressource säkularisiert zur Geltung bringen. An die Sensibilität der Religiösen richtet sich eine entsprechende Übersetzungsforderung. In Abschnitt 2 wird gezeigt, dass diese Forderung sinnlos und ungerecht ist. Die zu übersetzenden Forderungen der Sensibilität der Religiösen speisen sich aber möglicherweise aus einem besonderen Erfahrungstyp. In Abschnitt 3 wird dieser Erfahrungstyp aus epistemologischer Perspektive systematisch skizziert. Doch selbst wenn religiöse Erfahrung kognitiv ist und die Sensibilität der Religiösen somit eine bessere Welt ermöglichte, passen absolute Erkenntnisquellen nicht in die Demokratie. Das Fazit (4) der Überlegungen ist: Die Demokratie ist auch das Recht von Religiösen und Säkularen auf das Chaos gesellschaftlichen Dissenses selbst in gravierenden moralischen Fragen.

Some say that religious people are outstandingly sensitive to justice (part 1). This sensitivity might be an important moral resource in democratic societies which (as a matter of principle) seem unstable without a unified and authoritative world view. Now, it is a standard that claims of religious resources should be transformed into secular language in parliament. In part 2 I show that this demand is senseless and unjust. But it might be the case that religious claims in public which have to be translated come from a special type of experience of the religious. In part 3 I try to develop two systematic options of this type of experience epistemologically. If religious experience is cognitive the so called sensitivity of the religious in fact might render the world better. But absolute sources of insight are not suitable in democratic discourses. The conclusion in part 4 is: Democracy is the right of the religious as well as of the secular citizen to live together in chaotic dissent, even if it is the chaos of fundamental moral questions.


Dietmar von der Pfordten: Zum Anfang von Wittgensteins Tractatus logico-philosophicus

Der Beitrag untersucht den Anfang von Wittgensteins Tractatus logico-philosophicus, wobei er sich auf den Anfang im engeren Sinn beschränkt, also die Sätze 1 bis 1.21. Zunächst wird dazu die Frage der ideengeschicht- lichen Abhängigkeit erörtert und ein gewisser Bezug zu Schopenhauers Die Welt als Wille und Vorstellung her- gestellt. Zentrale sachliche Interpretationsmaxime ist dann, dass Wittgenstein in diesem Anfang seines Buchs eine Art Protologik entwickelt. Die ontologischen Aussagen sind also von formallogischen abhängig bzw. auf diese bezogen. Diese Protologik des Anfangs des Tractatus wird Satz für Satz und damit Stück für Stück entfaltet. Zum Abschluß wird die Frage erörtert, inwieweit der Anfang des Tractatus wirklich als „ontologisch“ anzusehen ist. Die ontologischen Äußerungen des Anfangs stellen keine Tatsachen- behauptungen über die Welt dar. Sie zeigen lediglich, welche Folgerungen über die Welt sich aus bestimmten logischen Annahmen ergeben.

The article tries to interpret the beginning of Wittgenstein`s Tractatus logico-philosophicus, that is the sentences 1 to 1.21. The main hypotheses for this interpretation is, that Wittgenstein develops in this beginning a sort of proto-logic. Therefore, the ontological statements are dependent on logical ones.



Diskussionen und Berichte / Discussions and Book Reports



Andrea Borsato: Gegen den ‚schwachen Repräsentationalismus’

Wir werden zuerst zu zeigen versuchen, dass zwei intentionale Erlebnisse mit völlig gleichem repräsenta- tionalem Gehalt verschiedenen phänomenalen Charakter aufweisen können: Wir geben daher den sogenannten ‚weak representationalism’ (im Sinne Tyes) auf, und dies aufgrund eines Gegenbeispiels, das wir aus dem Bereich der anschau- lichen Erfüllung einer protentionalen Erwartung entnehmen. Wir werden dann einen zweiten Grund zur Ablehnung des schwachen Repräsentationalismus nennen: Eine skeptische Haltung gegenüber der Möglichkeit kognitiver Phänomeno- logie lässt sich im Rahmen des weak representationalism schwer aufrechterhalten. Man kann u.E. die Phänomenalität kognitiver Akte wohl in Abrede stellen, jedoch zu einem Preis, den der schwache Repräsentationalist nicht bezahlen kann. Dies zeigen wir ausgehend von einem anderen Gegen- beispiel (aus der Sphäre nicht-sprachlicher Intelligenz), das die Skepsis über Phänomenalität kognitiver Leistungen bedroht. Solches Gegenbeispiel kann lediglich dadurch verharmlost werden, dass man den weak representation- alism aufgibt. 

We will first try to show that two intentional mental states with the same representational content can still have different phenomenal character: we therefore reject the so called ‚weak representationalism’ (as Tye conceives it), and we do so by means of a counterexample taken from the sphere of what Husserl calls ‚intuitive fulfillment of a protentional expectation’. We then suggest that another reason to abandon weak representationalism could be the following: a sceptic attitude towards cognitive phenomen- ology is weakened by weak representationalism. To show this, we construe a second counterexample (taken from the domain of non-linguistic intelligence) which challenges the idea that only sensory mental states can have phenomenal character; we think that the only way to neutralize such counterexample is to give up weak representationalism.


Indexikalität, Existenz und Abstraktion – Eine Diskussion mit Wolfgang Künne, Teil 2

Peter Simons: Abstraktion ohne abstrakte Gegenstände

Replik von Wolfgang Künne:
Anti-Nominalismus und Abstraktion: Eine Replik


Buchbesprechungen / Reviews

Felix Mühlhölzer: Braucht die Mathematik eine Grundlegung? Ein Kommentar des Teils III von Wittgensteins Bemerkungen über die Grundlagen der Mathematik 
(Severin Schroeder)

Eckart Förster: Die 25 Jahre der Philosophie (Markus Wild)

Gerald Gaus: The Order of Public Reason – A Theory of Freedom and Morality in a Diverse and Bounded World (Fabian Wendt)

Samuel Scheffler: Equality and Tradition. Questions of Value in Moral and Political Theory (Eva Weber-Guskar)

Tyler Burge: Origins of Objectivity (Gerhard Preyer)


Buchnotizen / Book Notes

Axel Honneth: Das Recht der Freiheit. Grundriß einer demokratischen Sittlichkeit (Otfried Höffe)

Friedo Ricken: Warum moralisch sein? Beiträge zur gegenwärtigen Moralphilosophie (Otfried Höffe)