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Zeitsprünge
Forschungen zur Frühen Neuzeit
Band 5 (2001). In zwei Doppelheften. 348 Seiten.
€ 49.
Zum Inhalt von Heft 1/2
Peter Sillem: Saturns
Spuren
Aspekte des Wechselspiels von
Melancholie und Volkskultur in der Frühen Neuzeit
Was haben Melancholie und Volkskultur miteinander zu tun? Sie scheinen
denkbar weit voneinander entfernte Pole zu sein: stille Reflexion versus laute
Entäußerung, Weinen versus Lachen, entbehrungsreiches Darben versus Völlerei,
Einsamkeit versus Geselligkeit. Gerade die scheinbare Klarheit der Gegensätze lässt
aufmerken: Könnte es etwas geben, das sie eint?
Saturns Spuren geht dem Verdacht nach, dass die Gestalt des
Planetengottes Saturn den Gegensatz von Melancholie und karnevalesker Volkskultur
überbrückt. Saturn ist eine Figur der Gegensätze par excellence, bringt seinen
Kindern Unglück und erhöht die in seinem Zeichen Geborenen, er ist Zerstörer und
Fruchtbarkeitsgott, ist Herr der Melancholie und der Saturnalien zugleich. Wenn uns heute
dieser Zusammenhang indes nicht mehr sichtbar ist, wann und warum entschwand er aus
unserem Blickfeld? Können wir ihn rekonstruieren? Und wie verlief jene Bewegung, die
allmählich aus einer Einheit zwei sich scheinbar ausschließende Gegensätze werden
ließ?
Anhand einer Vielzahl verschiedenartiger Quellen - medizinischer Traktate
aus dem 16. und 17. Jahrhundert, Pieter Bruegels Kampf zwischen Karneval und Fasten,
Shakespeares King Lear, As You Like It und Twelfth Night sowie Robert
Burtons Anatomy of Melancholy und unter Einbeziehung von zum Teil schwer
zugänglichem Material aus der Medizingeschichte, der Astrologie und der Emblematik
unternimmt der Autor den Versuch, mentalitätsgeschichtlich unsichtbar gewordene
Zusammenhänge wieder sichtbar zu machen. Anhand neuer Lektürevorschläge und mit
Aufmerksamkeit für das übersehene Detail gelingt es, Ab- und Auflösungsprozesse
aufzuspüren, die nach der Renaissance zu geradezu tektonischen Verschiebungen geführt
haben.
Peter Sillem, geb. 1967 in München, Studium der Anglistik, Germanistik
und Ethnologie, arbeitet als Programmleiter in einem Frankfurter Verlag.
Veröffentlichungen u.a. zu Literatur und Kultur der Frühen Neuzeit, zuletzt: Melancholie
oder Vom Glück, unglücklich zu sein. Ein Lesebuch, München 1997 (als Hg.).
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