ZeitsprüngeForschungen zur Frühen Neuzeit Band 7 (2003). In zwei Einzelheften und einem Doppelheft. VIII, 628 Seiten. € 58.
Aus dem Inhalt von Heft 1
Volker Reinhardt: Rom im Zeitalter der Konfessionalisierung. Kritische Überlegungen zu einem Epochendeutungskonzept Ausgehend von den Thesen zur Konfessionalisierung, speziell zum Aspekt der Sozialdisziplinierung durch Orthodoxiebildung, wird die Tragfähigkeit bzw. Tragweite dieser Modelle für Rom zwischen dem Konzil von Trient und dem späteren 17. Jahrhundert überprüft. Dabei werden in Form von Prolegomena die Umrisse eines 'Konfessionellen Zeitalters' spezifisch römischer bzw. italienischer Art herausgearbeitet: die Priorität äusserer Anpassungsregeln, die weitgehend gewahrte Autonomie volkstümlicher Lebenswelten und Kultur, die zentrale Bedeutung klientelärer Strukturen sowie die Konkurrenz älterer, vorzugsweise kleinräumiger Loyalitäten.
Jürgen Klein: Bacon's Quarrel with the Aristotelians Dieser Beitrag konzentriert sich auf Bacons Propagieren eines Neuanfangs in der frühneuzeitlichen Naturphilosophie unter Zurückweisung aristotelischer Ansätze, die sich einerseits aus metaphysischen Festlegungen über Form, Substanz, Struktur und Erkenntnismöglichkeit der Welt speisen, andererseits ihre Bestimmung von Erkenntnis nach Maßgabe dialektisch-syllogistischer Verfahrensweisen und Entscheidungen vornehmen. Mit der Betonung des induktiven methodischen Denkens als alleinig sachbezogenem Zugang zur Naturerkenntnis und der Gewinnung des methodischen Freiraums über seine Idolenlehre (-kritik), trägt Bacon entscheidend zur Überwindung der Stagnation der Naturphilosophie bei, wie sie seines Erachtens zu einem Großteil der zeitgenössischen aristotelischen Schulphilosophie geschuldet ist.
Franz Strunz: Walter Charleton, Epikur und die Liebe By spreading Epicurean thought in England, Walter Charleton was of great influence on important natural scientists (Boyle, Newton) on the one hand, and on philosophers (Locke) on the other. Although he was a fervent partisan of atomism as a heuristically fertile hypothesis on the composition and evolution of the world, he tried to find a reasonable compromise between the materialistic philosophy of Epicurus and Christian idealistic theology. In the »Ephesian Matron« he introduced an ideal heroine who was in absolute harmony with her bodily drives. Through her, Charleton criticizes the world of ‚virtuous‹ make-believe of the leading Platonists and the society of his time as being too obedient to hypocritical and unnatural conventions. As an early advocator of a more natural sexuality he heralds modern depth psychology.
Ralf Haekel: "For there is nothing either good or bad but thinking makes it so". Zu Walter Benjamins Hamletinterpretation Im Ursprung des deutschen Trauerspiels interpretiert Walter Benjamin Shakespeares Hamlet als ein christliches Trauerspiel. Die Deutung ist in zweifacher Hinsicht problematisch: Zum einen wird Shakespeares Tragödie in den Kontext deutscher Barocktrauerspiele gestellt, zum anderen als ein dezidiert christliches Drama interpretiert. Der vorliegende Aufsatz untersucht zunächst die Deutung im Rahmen des Trauerspielbuches. Daraufhin werden die christlichen Aspekte in Shakespeares Drama analysiert, um den Wahrheitsgehalt der Interpretation zu überprüfen. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, daß Benjamins Deutung Hamlet nicht gerecht wird, andererseits aber einen Schlüssel für die Interpretation des Trauerspielbuches selbst bietet.
Aus den Archiven Frank Linhard: Atomismuskritik. Ununterscheidbarkeit und Prinzipienphysik bei Leibniz anhand eines Fragments aus den nachgelassenen philosophischen Schriften Anhand eines Fragmentes aus Leibniz‘ nachgelassenen philosophischen Schriften wird das Argument für seine Kritik am Atomismus diskutiert. Die Position des prominentesten zeitgenössischen Atomisten – Isaac Newtons – wird als Kontrast rekonstruiert. Der Entstehungskontext des Fragmentes ist durch den Briefwechsel mit Arnauld und die – sich seit den 80er Jahren des 17. Jahrhunderts ausformende – Leibnizsche Systematik gegeben. Das Leibnizsche Argument hat Bestand und entfaltet auch noch in den modernen physikalischen Theorien des 20. Jahrhunderts seine Relevanz.
Gottfried Wilhelm Leibniz: Übersetzung: Walter Saltzer und Frank Linhard. "Über das Prinzip der Indiszerniblen"(Phil., I, 14, c, 7.)
Tagungsberichte Gisela Engel: Frauen in der Stadt - Frankfurt im 18. Jahrhundert. Frankfurt, 23.-25. Mai 2002 Frank Linhard: Anatomie und Wahrnehmung in der Frühen Neuzeit. Frankfurt, 6.-8. November 2002 |