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Zeitsprünge
Forschungen zur Frühen Neuzeit
Band 12 (2008). In zwei Doppelheften.
VI, 462 Seiten. € 68.
Heft 3/4: 192 Seiten. Kt €
36.-
Aus
dem Inhalt
Sylvie Taussig: Introduction
à Gabriel Naudé, Discours sur les
divers ...
Le Discours sur les
divers incendies du Mont Vésuve, et particulièrement sur le dernier qui
commença le 16 décembre 1631 dont nous proposons la première édition
moderne est attribué à Gabriel Naudé (1600–1653),
qui fut le bibliothécaire de Mazarin et l’une des figures les plus
reconnues du «libertinage érudit», avec toutes les précautions dont il
faut entourer cette classification. Ce texte, un des rares témoignages
français sur le sujet parmi des dizaines de récits contemporains,
paraît, au premier abord, s’inscrire de façon exemplaire dans
ce courant d’idées. En effet, Naudé prône les méthodes
liées aux nouveaux savoirs pour
décrire cette catastrophe naturelle et
instruit une critique érudite de l’explication traditionnelle du
phénomène, fondée sur des spéculations
théoriques et des chaînes d’autorité; enfin, il étudie la terreur
pour elle-même, les mécanismes de la superstition et son
instrumentalisation par le pouvoir. L’analyse précise de cette relation,
dont la publication se fait dans un complet et surprenant anonymat, nous
introduit du même coup au cœur de
la «méthode» de Naudé, nous découvre de ses artifices et nous conduit
à remettre en question son rapport avec la tradition authentique du libre
examen dans laquelle on l’inscrit toujours et dont on veut qu’il soit un des fondateurs.
Der Discours
sur les divers incendies du Mont Vésuve, et particulièrement sur le
dernier qui commença le 16 décembre 1631 [Abhandlung über die
verschiedenen Ausbrüche des Vesuv, insbesondere über den letzten, der am
16. Dezember 1631 begann], den wir hier erstmals neu herausgeben, wird
Gabriel Naudé (1600-1653) zugeschrieben. Er war Bibliothekar Mazarins und
einer der bedeutendsten Vertreter des libertinage
érudit, auch wenn man solche Klassifizierungen mit Vorsicht verwenden
sollte. Dieser Text, einer der seltenen französischen Beiträge unter
Dutzenden zeitgenössischer Berichte zu diesem Thema, scheint sich auf den
ersten Blick vorbildlich in diese Strömung einzufügen. Tatsächlich
predigt Naudé die Methoden der neuen Wissenschaften, um diese Katastrophe
zu beschreiben, und entwickelt eine gelehrte Kritik der traditionellen
Erklärung des Phänomens, indem er theoretische Spekulationen anstellt
und sich auf diverse Autoritäten beruft. Letzten Endes untersucht er, was
das Wesen des Schreckens ausmacht, wie die Mechanismen des Aberglaubens
funktionieren und wie sie durch die Mächtigen instrumentalisiert werden.
Naudés präzise Analyse dieser Zusammenhänge, deren Veröffentlichung überraschenderweise
anonym erfolgte, zeigt uns zugleich den Kern seiner “Methode”, präsentiert
uns seine Kunstfertigkeit und bringt uns dazu, sein Verhältnis zur
authentischen Tradition des libre examen in Frage zu stellen, mit der man ihn gewöhnlich
assoziiert und als deren Mitbegründer er gilt.
Gabriel
Naudé: Discours
sur les divers incendies du mont Vesuve (Paris 1632)
(texte édité et annoté par
Sylvie Taussig)
Claus Zittel: La terra trema. Unordnung als Thema
und Form im frühneuzeitlichen Katastrophengedicht (ausgehend von Martin
Opitz Vesuvius)
Opitz "Vesuvius. Poema
Germanicum 1633" in Breslau als Einzeldruck veröffentlicht, ist eine
der bedeutendsten Dichtungen des 17. Jahrhunderts. Dennoch tat sich die
Forschung bislang schwer, einen geeigneten Zugang zu diesem Gedicht zu
finden und hat es z.B. als zu 'wissenschaftlich' abgelehnt. Ausgehend von
grundsätzlichen Überlegungen zum frühneuzeitlichen Katastrophengedicht wird
in diesem Essay Opitz' poetischer Umgang mit naturkundlichen
Wissen in seiner Eigenart beschrieben, in seinem wissenskulturellen Umfeld
verortet, und neu bewertet.
Gerd Grübler:
Erkenntnisskepsis, Geschichtspessimismus und die Neue Wissenschaft im
England des 17. Jahrhunderts
Der
Aufsatz verfolgt die Frage, wie die "Neue Wissenschaft" im England des 17.
Jahrhunderts mit dem geistigen Stimmungswandel vom Pessimismus zum
Optimismus verbunden war. Der Pessimismus wird anhand des zu Beginn des
Jahrhunderts in der Literatur weit verbreiteten decay-Motives
belegt. Danach wird gezeigt, wie wichtige Akteure der "Wissenschaftlichen
Revolution" (Robert Boyle, John Wilkins und Joseph Glanvill) dem
Denkmuster der Physikotheologie unterstehen und wie sie es schaffen, auf
dieser Grundlage die "Neue Wissenschaft" als optimistische Weltanschauung
sowie als religiöse Praxis zu etablieren. Es wird plausibel gemacht, dass
die "Wissenschaftliche Revolution" zugleich als eine religiöse
Reformation betrachtet werden muss – und nicht etwa als eine Abkehr von
der Religion. Damit werden, in Ergänzung der jüngeren soziologisch geprägten
Wissenschaftsgeschichtsschreibung und Wissenschaftsphilosophie, die
existenziellen emotionalen und motivationalen Ursprünge der
Wissenschaftsentwicklung betont und herausgearbeitet.
Tagungsbericht
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