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Literatur und germanistische Literaturwissensch...

Literatur und germanistische Literaturwissenschaft

 

Ernst Jünger (1895–1998)

 

      kl_Juenger_HelenaKlostermann
      Helena Klostermann und Ernst Jünger © privat

Zum ersten brieflichen Kontakt zwischen Ernst Jünger und dem Verleger Vittorio Klostermann kam es im Juli des Jahres 1942. Ein persönlicher Kontakt zwischen beiden war bereits einige Zeit vorher durch die Gattin des Verlegers Helene Klostermann gestiftet worden. Ernst Jünger bat nun darum, ihm per Feldpost 15––20 Exemplare des Buches Griechische Götter. Apollon – – Pan – Dionysos zu schicken, das sein Bruder soeben veröffentlicht hatte. Drei Jahre später standen beide in regem Austausch über die geplante Veröffentlichung von Jüngers Schrift Der Friede, wofür ihm Klostermann den Weg ebnen wollte, allerdings nicht ohne ihn auf die politischen und moralischen Schwierigkeiten einer Veröffentlichung hinzuweisen. Ein Publikationsverbot der Alliierten sorgte jedoch dafür, dass die Friedensschrift zunächst nicht erscheinen konnte. Und als das Verbot im Jahr 1948 aufgehoben wurde, standen längst andere Projekte im Vordergrund: nun war es Sprache und Körperbau, dessen Veröffentlichung Autor und Verleger energisch betrieben und das im Frühjahr 1949 als erstes Buch Jüngers nach dem Krieg in Deutschland erschien.

In das Frühjahr 1949 fallen auch detaillierte Planungen über weitere Veröffentlichungen Jüngers, wobei man sich im Grundsatz darauf verständigte, das essayistische Werk bei Klostermann erscheinen zu lassen, während das literarische Werk in anderen Verlagen herauskommen sollte. Tatsächlich hielt man sich in den folgenden Jahren im Wesentlichen an diese Abmachung und brachte eine ganze Reihe erfolgreicher Veröffentlichungen auf den Weg: Im Jahr 1950 erschienen bei Klostermann die zweite Fassung von Das abenteuerliche Herz und Über die Linie, dann Der Waldgang (1951), Besuch auf Godenholm (1952), Der gordische Knoten (1953), Das Sanduhrbuch (1954), Am Sarazenenturm (1955) und Rivarol (1956).

Aber schon 1955, als der Verleger die Zusammenarbeit mit Jünger durch die Festschrift Freundschaftliche Begegnungen krönte, in der namhafte Autoren wie Martin Heidegger, Carl Schmitt oder Gottfried Benn schrieben, gab es die ersten Probleme. Sie hingen mit den seit der unmittelbaren Nachkriegszeit verfolgten Planungen für eine Gesamtausgabe zusammen, die zu Jüngers sechzigstem Geburtstag (1955) erscheinen sollte. Während Klostermann nicht nur seine Rechte an den Einzelausgaben von Jüngers essayistischen Werken gesichert sehen wollte und deshalb auf eine klare Linie bei der Aufteilung des Werkes drängte, sondern auch für Hanser als Mitverlag warb, machte sich Jüngers Frau Gretha für den Verlag Klett stark. Diese komplizierte Situation wurde schließlich durch zwei äußere Faktoren belastet. Zum einen war seit einigen Jahren ein deutlicher Rückgang im Absatz von Jüngers Werken eingetreten, der Klostermann gegenüber Jüngers ehemaligem Sekretär Armin Mohler im Jahr 1957 geradezu von einer "Ernst Jünger Baisse" sprechen ließ. Zum anderen trug Jünger Bedenken, dass das bei Klostermann geplante Buch von Gerhard Loose, Ernst Jünger. Gestalt und Werk (1957), ihm nicht gerecht werden würde.

Als dann im Jahr 1957 der Abschluss über die Gesamtausgabe schließlich mit Klett zustande kam, zeigte sich Klostermann verstimmt. Und als Ernst Jünger 1959 Klostermann schließlich zu einem Verkauf "en bloc" der noch vorhandenen Restbestände animieren wollte, wodurch Klostermann als Verlag das ganze Werk los und er selbst als Autor frei gewesen wäre, neben der Gesamtausgabe gleichzeitig Einzelausgaben bei Klett zu veranstalten und dadurch die Nachfrage zu beleben, da wuchs sich die anfängliche Verstimmung zu einem manifesten Zerwürfnis aus, das über weite Strecken nun von Schweigen beherrscht wurde und dessen letzter Akt in das Jahr 1969 fiel, als ein Streit um die Rechte am Arbeiter zum Ende der Verlagsbeziehung führte.

Am 1. Januar 1971 gingen die Rechte und die noch vorhandenen Restbestände der bei Klostermann erschienenen Werke Ernst Jüngers an den Verlag Klett.

Von Uwe Jochum

 

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