Thesing, Björn: Die Genese des 'Dritten Humanismus'

Wegmarken der Kultur- und Bildungskritik in Deutschland 1871–1921
2025. VIII, 664 Seiten. Ln 129,00 €
ISBN 978-3-465-04694-3
Das Abendland N.F. 51

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Ende des 19. Jahrhunderts befindet sich der Humanismus in der Krise. Durch den Siegeszug der positiven Wissenschaften mit ihren Errungenschaften für die moderne Zivilisation verliert das klassische, aus der Goethe-Zeit stammende Bildungsideal mit Eintritt in die Gründerzeit kontinuierlich an Bedeutung. Infolgedessen lässt sich in Literatur und Philosophie ein gesteigertes Interesse an Fragen nach der Angemessenheit der überkommenen humanistischen Bildungstradition und ihrem sozio-kulturellen Stellenwert in einer radikal gewandelten Lebenswelt beobachten. Besonders häufig bedienen sich Dichter und Philosophen bei der Behandlung dieser Fragen kulturkritischer Dartstellungsverfahren, die ausgehend von einer Diagnose des Gesamtzustandes der Gegenwartskultur wahlweise prekäre Erscheinungsformen des akzelerativen Modernismus suspendieren oder durch neue Weltanschauungsangebote überwinden wollen.

Mit der Proklamation des ‚Dritten Humanismus‘ durch Eduard Spranger kommen diese Prozesse 1921 zu einem Höhepunkt, wobei durch die begriffliche Etikettierung eine Epochenzäsur markiert wird, die das Ende des goethezeitlichen Humanismus zum Ausdruck bringt. Die Studie von Björn Thesing rekonstruiert ideengeschichtlich den Weg vom Neuhumanismus zum ‚Dritten Humanismus‘ exemplarisch anhand einzelner ‚Wegmarken‘, etwa bei Friedrich Nietzsche, Theodor Fontane, Rudolf Eucken, Ernst von Wildenbruch und Eduard Spranger.


At the end of the 19th century, humanism was in a state of crisis. Due to the triumphant advance of positive sciences with all they achieved for modern civilisation, the classical ideal of education dating back to Goethe's time was steadily losing importance as the Gründerzeit began. As a result, literature and philosophy became increasingly interested in questions about the appropriateness of the traditional humanist educational tradition and its socio-cultural significance in a radically changed world. In dealing with these questions, poets and philosophers frequently make use of methods of cultural criticism which, based on a diagnosis of the overall state of contemporary culture, either suspend precarious manifestations of accelerative modernism or seek to overcome them by offering new worldviews.

These processes came to a climax in 1921 with Eduard Spranger's proclamation of a “Third Humanism”, a concept that marked an epochal caesura that expressed the end of Goethean humanism. Björn Thesing's study reconstructs the path from neo-humanism to “Third Humanism” in terms of the history of ideas, using individual “milestones” such as Friedrich Nietzsche, Theodor Fontane, Rudolf Eucken, Ernst von Wildenbruch and Eduard Spranger as examples.


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