Eine Veröffentlichung des
Max-Planck-Instituts 
für Europäische Rechtsgeschichte

Recht in der Industriellen Revolution

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Lorenz Jellinghaus:
Zwischen Daseinsvorsorge und Infrastruktur

Zum Funktionswandel von Verwaltungswissenschaften und Verwaltungsrecht in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts

2006. X, 340 Seiten
Kt einzeln € 66.-, im Abonnement € 59.40
ISBN 978-3-465-03485-8
Recht in der Industriellen Revolution. Herausgegeben von Miloš Vec. Band 3
Studien zur europäischen Rechtsgeschichte Band 202 

Infrastrukturen revolutionierten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das städtische Leben in Deutschland. Mit Hilfe von neuen Infrastrukturleistungen wurden immer umfangreicher vitale Interessen technisch befriedigt: Gas- und Wasserversorgung wurden ab den 1860er Jahren in Deutschland etabliert und in intensiven Debatten wurde darüber diskutiert, wie eine "Reinhaltung" der Städte durch Kanalisationsnetze oder andere technische Systeme zu erreichen sei.

Das Buch wendet sich dem Infrastrukturaufbau aus verwaltungsrechtlicher Perspektive zu. Untersucht wird, welche politischen Erwartungen den Infrastrukturaufbau vorangetrieben haben und welche Funktion die Zeitgenossen dem "Recht" in diesem Modernisierungsprozess zuschrieben. Wichtige Aussagen zu beiden Fragen trifft die sich formierende Verwaltungsrechtswissenschaft. Sie trug dazu bei, dass der Staat und seine Verwaltung zunehmend an Bedeutung verloren; stattdessen betrieben bürgerlich dominierte Akteure wie der "Deutsche Verein für Öffentliche Gesundheitspflege" eine liberal ausgerichtete Infrastrukturpolitik. Es waren die Gemeinden, die in enger Kooperation mit den neuen Expertengruppen – den Medizinern und Technikern – für den städtischen Infrastrukturaufbau sorgten.

Lorenz Jellinghaus war Mitglied der selbständigen wissenschaftlichen Nachwuchsgruppe "Recht in der Industriellen Revolution"  und arbeitet als Rechtsanwalt in Berlin.