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Frankfurt im Schnittpunkt der Diskurse

Herausgegeben von Robert Seidel und Regina Toepfer

2010. VI, 418 Seiten. Kt € 40.-
ISBN 978-3-465-04085-9
Zeitsprünge. Forschungen zur Frühen Neuzeit 
Band 14 (2010), Heft 1/2

Der Band präsentiert die Ergebnisse einer interdisziplinären Tagung, die im Oktober 2008 an der Goethe-Universität Frankfurt stattfand und sich exemplarisch dem Literaturbetrieb der Reichsstadt in der Zeit des Umbruchs zwischen Spätmittelalter und früher Neuzeit widmete. Im Mittelpunkt stehen die Institutionen des lokalen Kultur- und Literaturbetriebs sowie die Strategien literarischer Kommunikation des 15. und 16. Jahrhunderts. Vor dem Hintergrund ereignis- und epochengeschichtlicher Wandlungen, religiöser Auseinandersetzungen, bildungspolitischer Reformen und nicht zuletzt buch- und mediengeschichtlicher Entwicklungen wird die Rolle der Literatur im Kraftfeld städtischer Repräsentationsaufgaben und partikularer Gruppeninteressen untersucht.

Bibliotheks- und überlieferungsgeschichtliche Studien ermöglichen es, das literarische Profil Frankfurts zu bestimmen. Besondere Aufmerksamkeit findet die einflussreiche Spieltradition, indem die Rezeptionsstrategien und der ambivalente Status des Frankfurter Passionsspiels zwischen Liturgie und Theater analysiert werden. Einen weiteren thematischen Schwerpunkt des Bandes bildet die Bedeutung Frankfurts als Verlags- und Messestadt, wobei auch die jüdische Literatur angemessene Beachtung erfährt. In den Blick genommen wird zudem die literarische Darstellung der Reichsstadt und ihrer Bürger, wie sie in Chronik, Städtelob und Schmähgedicht mit Hilfe rhetorischer, narrativer und
im weitesten Sinne fiktionaler Elemente inszeniert wird.

Inhalt

Christoph Fasbender: Zum literarischen Profil Frankfurts am Ausgang des Mittelalters

Klaus Wolf: Frankfurts literarisches Leben im ausgehenden Mittelalter. Zwischen Frömmigkeitstheologie und patrizischer Repräsentation

Frank Fürbeth: Literatur in Frankfurter Bürgerbibliotheken des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit

Bernhard Wirth: "Dises Püechl verehre Ich...". Wer las, besaß Frankfurter Drucke des 16. Jahrhunderts?

Winfried Frey: Die Stadt Frankfurt und das Frankfurter Passionsspiel

Elke Ukena-Best: Strategien der Lenkung und Belehrung der Zuschauer im Frankfurter Passionsspiel

Regina Toepfer: Frühneuzeitliche Wende auf der Frankfurter Bühne? Das Frankfurter Passionsspiel und Paul Rebhuhns Susanna zwischen Theater und Kult 

Andreas Lehnhardt: Ein verbotenes Frankfurter Purim-Spiel. Zur jüdischen Theaterkultur im Frankfurt der Frühen Neuzeit

Tina Terrahe: Frankfurts Aufstieg zur Druckmetropole des 16. Jahrhunderts. Christian Egenolff, Sigmund Feyerabend und die Frankfurter Buchmesse

Johannes Klaus Kipf: Auf dem Weg zum Schwankbuch. Die Bedeutung Frankfurter Drucker und Verleger für die Ausbildung eines Buchtyps im 16. Jahrhundert

Andreas Kraß: Am Scheideweg. Poetik des Wissens in der Historia von D. Johann Fausten

Anna Schreurs: Den Leser "aus dem Käfig befreien". Frankfurts kosmopolitischer Blickwinkel. Zu den Publikationen des Verlagshauses Matthäus Merians

Johannes Wachten: Jüdische Literatur in Frankfurt

Ernst Erich Metzner: Frühmittelalterliches kollektives Erinnerungswissen und frühneuzeitliche individualistische Wissenschaftseinrede. Thietmar von Merseburg und Johannes Trithemius zu den sagenhaft-exorbitanten Anfängen des alten fränkischen und deutschen Zentralorts 'Frank(en)furt' / 'Helenopolis'

Jörg Schwarz: Die Horizonte städtischer Historiographie in Frankfurt am Main im späten Mittelalter. Das Beispiel Johann Heyse († 1495)

Roman Fischer: Peter Fischer (ca. 1450-1497). Ein Frühhumanist im Frankfurter Franziskanerkloster

Robert Seidel: Innerstädtische Konflikte im Spiegel der Ständesatire. Eine exemplarische Studie zur Frankfurter Gelegenheitsdichtung und ihrer philologischen Erschließung

Ursula Paintner: Zwischen regionaler Verortung und Reichsperspektive. Frankfurt im Städtelob der Frühen Neuzeit