Klostermann
Seminar
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Arnold Gehlen:
Moral und Hypermoral
Eine pluralistische Ethik
Herausgegeben von Karl-Siegbert Rehberg
6, erweiterte Auflage 2004. XVIII, 196 Seiten. Kt €
19.-
ISBN 978-3-465-03303-5
Klostermann Seminar Band 5
Auch seine letzte Monographie Moral und
Hypermoral sah Gehlen in der direkten Nachfolge seines
anthropologischen Hauptwerkes Der Mensch. Insofern verstand er
seinen Entwurf einer "pluralistischen Ethik" als Konkretisierung
seiner Lehre vom Menschen. In diesem Buch, das eine "Genealogie der
Moralen" entwickeln will, stellte sich Gehlen die Aufgabe,
Anthropologie, Verhaltensforschung und Soziologie so zu verbinden, daß vier
voneinander nicht ableitbare Ethosformen empirisch freigelegt werden
könnten: von einem aus der „Gegenseitigkeit" entwickelten Ethos
über "Eudaimonismus" und "Humanitarismus" bis hin zu
einem Ethos der Institutionen einschließlich des Staates.
Gehlen wollte der "abstrakten Ethik der
Aufklärung" widersprechen, wie sie beispielsweise in Voltaires Diktum
zum Ausdruck kam, nach welchem es nur eine Moral gebe, so "wie
es nur eine Geometrie gibt". Systematisch geht es in erster Linie um
eine anthropologische Begründung der Ethik, d.h. um eine "Mehrheit
moralischer Instanzen" und "Sozial-Regulationen". Diese
werden nicht evolutionär interpretiert, d.h. als Fortschritt von der
Nahethik zu einer schließlich weltumspannenden Moralität. Manche Moralen
können als instinktnah angenommen werden, andere ergeben sich aus den
Notwendigkeiten bestimmter Institutionen. Immer jedoch sind sie kulturell
geformt und zugleich auf unterschiedlichen Ebenen der Abstraktion
angesiedelt.
Es bleibt im Zuge einer neuerlichen Rezeption von Moral
und Hypermoral die These zu prüfen, ob die Modellvorstellung eines
unversöhnlichen Pluralismus moralischer Normen eine Dimension des Ethischen
zum Ausdruck bringt, die in den evolutiven Konzepten der ethischen Anpassung
an je höhere gesellschaftliche Synthesen unterschätzt wird. Insofern
gehört dieses Buch in den Zusammenhang einer philosophisch-soziologischen
Grundlagenforschung, wie sie seit Max Scheler und Helmuth Plessner als
Philosophische Anthropologie durchgeführt wurde und welche Arnold Gehlen
– von den Elementarbeständen der menschlichen Existenz bis zur Analyse
der modernen Malerei – mit so viel Sachhaltigkeit weiterverfolgt hat.
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