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Eine Veröffentlichung des
Max-Planck-Instituts
für europäische Rechtsgeschichte
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Melanie
Bohrer:
Der morsche Baum
Verkehrssicherheit
und Fahrlässigkeit in der Rechtsprechung des Reichsgerichts
2010.
XII, 312 Seiten
Kt einzeln € 69.-, im Abonnement € 62.10
ISBN 978-3-465-04088-0
Rechtsprechung Band 30
Die Fallstudie führt zu Fundamenten des
deutschen Haftungsrechts. Das Umstürzen eines morsch gewordenen Baumes
stellte das deutsche Reichsgericht im Jahr 1902 vor die Frage, ob ein
Baumeigentümer dem geschädigten Grundstücksnachbarn zum Ersatz
verpflichtet ist. Das Reichsgericht beantwortete diese im BGB nicht
ausdrücklich geregelte, auf der Schnittstelle zwischen Eigentumsfreiheit,
Sozialbindung des Eigentums und Haftungsausgleich liegende Frage mit einer
folgenreichen Begründung, die anmutet wie die Erfindung der
Interessenjurisprudenz vor Philipp Heck.
Die Studie ergründet die methodischen
Leitlinien und rechtspolitischen Motive des heute viel zitierten, aber
wenig gelesenen Urteils. Die Überzeugungen jener Reichsgerichtsräte von
richterlicher Freiheit und sozial gerechter Risikoverteilung bieten ein
Beispiel dafür, wie Richter im Kaiserreich auf die Kodifikation des BGB
reagierten. Ausgehend von dem Begründungskonzept der Reichsgerichtsräte
wird die Entwicklung der Verkehrspflichthaftung im 20. Jahrhundert
analysiert, die aus geltendrechtlicher Perspektive bisweilen als ausufernd
und problematisch aufgefasst wird. Ein interdisziplinärer
Erklärungsansatz beleuchtet die Bedeutung irrationaler
Entscheidungsfindung im Bereich des richterlichen Fahrlässigkeitsurteils
und zeigt, dass kognitions- und gedächtnispsychologische Erkenntnisse
auch für die rechtshistorische Forschungsarbeit fruchtbar gemacht werden
können.
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