Verantwortlich: Achim Oßwald
Aus Heft 1 (1998) der Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie. Siehe auch die anderen Rezensionen der Rubrik.
Inhalt
Bisher existierte nur ein Gesamtkatalog für die kirchlichen Bibliotheken im Gebiet der ehemaligen DDR, der auch auf Mikrofiche erschienen ist (Kirchlicher Zentralkatalog beim Evangelischen Zentralarchiv in Berlin, im Auftrag des Evangelischen Zentralarchivs in Berlin hrsg. v. Uwe Czubatynski, München, New Providence, London, Paris 1997). Mit Hilfe der EDV konnte im Herbst 1996 erstmals das schon lange als Desiderat erkannte Projekt eines Verbundkatalogs der theologischen Bibliotheken in den alten Bundesländern realisiert werden. Inzwischen liegt die zweite Ausgabe dieses Katalogs vom Frühjahr 1997 vor.
Für das Gemeinschaftsprojekt der Arbeitsgemeinschaft Katholisch-Theologischer Bibliotheken (AKThB) und des Verbandes kirchlich-wissenschaftlicher Bibliotheken in der Arbeitsgemeinschaft der Archive und Bibliotheken in der evangelischen Kirche (VkwB) stellten etwa 35 katholische und evangelische Bibliotheken, die bereits maschinenlesbare Kataloge besitzen, ihre Daten zur Verfügung. Der KiVK umfaßt einen Gesamtbestand von ca. 340 000 Titeldatensätzen zu Monographien und ca. 100 000 Aufsatzkatalogisaten. Dabei handelt es sich nicht nur um theologische Fachliteratur, sondern auch um Literatur aus anderen Gebieten, die im Rahmen der interdisziplinären Forschung und Ausbildung in kirchlichen Bibliotheken nachgefragt wird. Die Datenbank befindet sich noch im Aufbau. Weitere Bibliotheken haben sich inzwischen zur Mitarbeit am KiVK bereit erklärt, so daß die Herausgeber damit rechnen, in absehbarer Zeit alle größeren kirchlich-theologisch relevanten Bibliotheksbestände vollständig auf CD-ROM erfaßt zu haben. Etwa zweimal jährlich soll eine aktualisierte Ausgabe der CD-ROM erscheinen. Darüber hinaus ist die Veröffentlichung des KiVK im Internet geplant.
Obwohl er vorläufig nur einen partiellen Nachweis der Bestände enthält, erleichtert der KiVK die Arbeit erheblich. So kann bei der aktuellen wie bei der retrospektiven Katalogisierung durch Fremddatennutzung Mehrfacharbeit vermieden werden. Auch gestaltet sich der Innerkirchliche Fernleihverkehr mit Hilfe der Bestandsnachweise schneller und effizienter. Nicht zuletzt ist der KiVK ein Mittel, die Aufmerksamkeit der bibliothekarischen Öffentlichkeit auf die zum Teil wertvollen Bestände kirchlicher Bibliotheken und ihren Beitrag zur Literaturversorgung zu lenken. So enthält die CD-ROM Nachweise von mehr als 10000 Werken, die vor 1800 erschienen sind.
Suchmöglichkeiten
Die CD-ROM bietet in ihrem Hauptteil, dem alphabetischen Bestandskatalog, folgende Sucheinstiege:
Darüber hinaus enthält die CD-ROM noch eine Adreßdatenbank kirchlicher Bibliotheken mit folgenden Angaben: Name der Bibliothek, Adresse, Telefonnummer, Verbandszugehörigkeit (AKThB oder VkwB), Bibliothekssigel, Gründungsjahr, Bibliothekstyp, verwendetes EDV-System, Träger, LeiterIn, MitarbeiterInnen, Bestand (Anzahl der Bände und Zeitschriften), Anzahl der AV-Medien und Sammelgebiete. Auch dazu gibt es ein Register mit folgenden Sucheinstiegen: 1. Namen und Telefonnummern, 2. Namen und Telefaxnummern, 3. Orte, 4. Bibliotheken, 5. Postleitzahlen und Sigel, 6. EDV-Systeme, 7. Stichworte, 8. Bibliothekstypen.
Datenaufbereitung
Zwar ist der CD-ROM kein Benutzerhandbuch beigegeben, aber die Recherchemöglichkeiten werden in der Unterdatei Katalog ausführlich und allgemeinverständlich erläutert. Der Index mit den Sucheinstiegen entspricht dem der in theologischen Bibliotheken weit verbreiteten Bibliothekssoftware Allegro-C in der Fassung der Universitätsbibliothek Braunschweig. Auch können Allegro-C-Anwender auf komfortable Weise Datensätze in ihre lokale Datenbank übernehmen. Dasselbe ist unter BIS-LOK möglich. Man kann die einzelnen Register mit dem Cursor oder über Funktionstasten ansteuern und wird dann vom System weitergeleitet. Von jeder Stelle des Registers aus kann problemlos auf den bzw. die zugehörigen Titel zugegriffen werden.
Jeder Titeldatensatz enthält neben den üblichen Angaben der Titelaufnahme noch Schlagwörter sowie den Nachweis der Bibliotheken, wo das Dokument vorhanden ist, zusammen mit der betreffenden Signatur. Allerdings kommen Mehrfacheintragungen ein und desselben Dokuments, ja sogar derselben Bibliothek und Signatur vor. Diese sind durch das Offline-Verfahren bei Erstellung der Datenbank bedingt und wurden offenbar trotz Dublettenprüfung nicht herausgefiltert. Z. B. finden sich unter dem Titel Neuzelle vier Eintragungen, davon dreimal das identische Dokument (Neuzelle. Festschrift zum Jubiläum der Klostergründung vor 700 Jahren. 1268-1968, Zürich 1968), zweimal unter demselben Fundort (Abtei Maria Laach M 01 02 ), einmal mit der Angabe von drei weiteren Fundorten (Abtei Gerleve, Dombibliothek Hildesheim, Nordelbische Kirchenbibliothek, jeweils mit Signaturen). Nur der vierte Treffer führt zu einem anderen Titel (Weyers, Klaus: Neuzelle: die Stifts- und Wallfahrtskirche, Leipzig 1993). Verwirrend und wenig hilfreich ist das Register der Ident-Nummern, wo sich neben ISBN-Angaben merkwürdige Abkürzungen wie hjb für Hildener Jahrbuch finden. Geläufiger ist dem Geisteswissenschaftler die Abkürzung HJb für Historisches Jahrbuch der Gärresgesellschaft. Ausgesprochen positiv zu vermerken ist dagegen, daß im KiVK nicht nur Monographien, sondern auch einzelne Zeitschriften- und Festschriftaufsätze verzeichnet sind. U. a. ist der komplette in maschinenlesbarer Form verfügbare Bestand der Zeitschriftenaufsatzdokumentation der Nordelbischen Kirchenbibliothek in Hamburg enthalten.
Gesamtbeurteilung
Der KiVK auf CD-ROM ist ein unverzichtbares Arbeitsinstrument für kirchliche bzw. theologische Bibliotheken und ein wichtiges bibliographisches Hilfsmittel für Personen, die im Bereich Theologie und Kirche tätig sind. Abgesehen von den oben angeführten Unzulänglichkeiten, die sich in einer der nächsten CD-ROM-Ausgaben noch beheben lassen müßten, sind die Daten insgesamt benutzerfreundlich aufbereitet. Den Herausgebern ist zu wünschen, daß sie ihr ehrgeiziges Projekt weiterführen können und nicht aufgrund finanzieller Probleme einstellen müssen. Inzwischen ist bereits eine Ausgabe Herbst 1997 des KiVK auf CD-ROM angekündigt, die rund 600 000 Monographienachweise aus mehr als 40 kirchlich-wissenschaftlichen Bibliotheken beinhalten wird (vgl. Informationen für kirchliche Bibliotheken (IfkB) 23 (1997) Nr.49, S.24).