Verantwortlich: Achim Oßwald
Aus Heft 4 (1999) der Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie. Siehe auch die anderen Rezensionen der Rubrik.
Inhalt und Allgemeines
Die Umwelt-CD ist eine Zusammenstellung von mehreren Umwelt-Referenzdatenbanken, die vom Fachgebiet "Zentrale Literatur-, Forschungs-, und Rechtsdokumentation Umwelt" des Umweltbundesamt produziert werden. Im Mittelpunkt stehen dabei die Daten der Literaturdatenbank ULIDAT der letzten 10 Jahre. Sie umfassen mehr als 212.585 Datensätze mit Literaturhinweisen zu allen Sachgebieten des Umweltschutzes. Die Umweltforschungsdatenbank UFORDAT verweist auf laufende und nach 1979 abgeschlossenen umweltbezogenenen Forschungs- und Entwicklungsvorhaben (derzeit 36.672 Hinweise) im deutschsprachigen Raum. In UR-DB sind vier Umweltrechtsdatenbanken zu den folgenden Themenbereichen zusammengefasst:
- Umwelt-Rechtsprechung (7.549 Einträge)
- Rechts- und Verwaltungsvorschriften des Bundes und der Bundesländer (10.976 Einträge)
- EG-Umweltrecht (1.948 Einträge)
- Umweltvölkerrecht (394 Einträge)
Diese Datenbestände sind für alle mit Umweltthemen Befassten von großem Wert und ein wesentliches Find- und Informationsmittel für umweltbezogene Aktivitäten in Wirtschaft und Wissenschaft.
Zur Unterstützung bei der Recherche stehen ein polyhierarchischer Umwelt-Thesaurus und ein geographischer Geo-Thesaurus (jeweils in dt. und engl.) zur Verfügung. Darüber hinaus kann die Umweltklassifikation (Stand 1.7.1993) zu Hilfe genommen werden.
Zur CD wird ein ausführliches "Benutzerhandbuch" in der Version von 1997 bereitgestellt, in dem u.a. Recherchebeispiele für jede Datenbank, die Nutzung der Thesauri sowie die sog. "Professionelle Recherche" erläutert werden. Die in den einzelnen Datenbanken nutzbaren Suchfelder, Tastenbefehle sowie Fehlermeldungen werden im Handbuch erläutert. In dessen Anhang sind ein Glossar, der Index sowie die verwendete Umweltklassifikation bereitgestellt.
Die CD läßt sich problemlos installieren. Das setup-Programm erlaubt zwar die freie Pfadwahl, stellt hierfür jedoch keine Suchfunktion zur Verfügung. Eine Deinstallationsfunktion wird ebenfalls mit installiert.
Benutzungsoberfläche, Suchmöglichkeiten und Datenausgabe
Die CD-ROM stellt alle Standard-Recherchefunktionen zur Verfügung. Dabei ist die Gestaltung der menügeführten Rechercheoberfläche zwar funktional, sie könnte allerdings noch verbessert werden. So sind z.B. wesentliche Funktionen nicht als Icons in der Menüleiste realisiert, sondern lediglich im jeweiligen Suchfenster verfügbar. Die Größe des "Standardanfrageformulars" kann vom Benutzer nicht angepasst werden.
Im eigentlichen Recherchebildschirm (auf ¼ des Bildschirms beschränkt) können voreingestellt auf 8 Ebenen Recherchebegriffe eingegeben werden. Diese nehmen Bezug auf Felder der Datenbank und sind mittels komplizierter Kürzel von jeweils 3 Zeichen bezeichnet, die bei Anklicken mit der Maus in einer Übersicht durch eine vollständige Feldbezeichnung erläutert werden. Warum eine solche, dem Benutzer die Arbeit nur erschwerende Variante gewählt wurde, bleibt ein Rätsel. Die Wahl der Felder bei der Dateneingabe könnte durch Aufruf von kontextsensitiven Hilfefenstern beispielsweise über die Eigenschaften dieser suchbaren Felder unterstützt werden.
Innerhalb der Felder ist logisches ODER voreingestellt, zwischen den Feldern logisches UND. Dies kann - dann allerdings für alle Felder untereinander - auch vom Nutzer beeinflusst werden.
Bei der listenorientierten Anzeige gefundener Dokumente ("Trefferliste") ist in gleicher Weise wie bei den anderen Recherche- und Anzeigefenstern nur eine indirekte Möglichkeiten zur Einstellung der Fenstergröße gegeben (faktisch wird dies nur bei 3 von 27 Fensterklassen angeboten). Die Manipulation erfolgt über das Ziehen der Fensterränder, obwohl diese Variante nicht im Rahmen des Fensters angeboten wird. Die so gewählte Einstellung bleibt beim Neuaufruf der Datenbanken erhalten.
Die gefundenen Datensätze können nach den vom Benutzer zuvor generell definierbaren Anzeigekriterien der Kurzanzeige sortiert werden. Vergleichbar selektiv können zur (Voll-)Anzeige ausgewählte Datensätze markiert werden. Deren Anzeigeformat ist ebenfalls vom Nutzer definierbar. Gefundene Datensätze können beliebig ausgedruckt oder in eine ASCII-Datei exportiert werden. Standardeinstellung ist allerdings eine Excel-Datei. Mittels Notizen können außerdem Dokumente kommentiert werden.
Sehr interessant in der heute gängigen vernetzen Nutzungsvariante sind die Möglichkeiten zum Einrichten und Speichern nutzerspezifischer Anfrageformulare, mit denen der Zugriff auf die Wunsch-Recherchefelder ermöglicht wird. Analog ist die Möglichkeit zu sehen, das jeweilige Ausgabeformat selbst zu definieren. Dabei ist die erste Nutzungsvariante sicher auch als Reaktion auf eine problematische Voreinstellung zu verstehen, wonach bei einem Neuaufruf der CD bzw. des Abfrageformulars immer die zuletzt genutzte Formateinstellung bereitgestellt wird.
Im "Erweiterten Anfrageformular" wird die freie Rechercheformulierung angeboten. Die gewünschten Operatoren (hier auch Abstandsoperatoren incl. der Möglichkeit zur Angabe der Wortfolge und des Wortabstands) können in beliebigen Konstellationen genutzt werden.
In beiden Suchmodi stehen feldspezifische Indizes, ein Basisindex (Feldkürzel = glu für eine feldübergreifende, d.h. freie Suche (in den Feldern Titel, Abstract und Schlagwörter) sowie der jeweils relevante Thesaurus zur Verfügung. Hierbei erweist sich der Einsatz des Geo-Thesaurus als problematisch, da nicht direkt erkennbar ist, für welche Felder er genutzt wurde.
Allgemeine Handhabbarkeit
Die kleineren Mängel bei der Einstellbarkeit der Fenstergrößen sowie die sich der Mnemotechnik weitgehend entziehenden Feldkürzel sind leicht beeinträchtigend. Hier könnte zumindest mit einer kontextsensitiven Hilfe zu den Feldern (der Text dazu liegt im Handbuch schon vor) schnell Abhilfe geschaffen werden. Dieser, der Software geschuldete Mangel kann aber nicht über die ansonsten sehr begrüssenswerten und ganz offensichtlich aus dem Recherchealltag entwickelten Zusatzfeatures der CD hinwegtäuschen, zu denen z.B. auch die Ausgabemöglichkeiten zählen.
Wünschenswert wäre die Option zu einer datenbankübergreifenden Suche, mit der "alles zu ..."-Fragen beantwortet werden könnten. Dies setzte allerdings auch eine Vereinheitlichung auf der Ebene der Feldbezeichnungen voraus, die prinzipiell ohne grossen Aufwand realisierbar wäre. Daneben wäre so auch die inhaltliche Verbindung zwischen den Datensätzen der einzelnen Datenbanken erleichtert.
Zusammenfassende Bewertung
Insgesamt ist die CD insbesondere inhaltlich ein gelungenes Produkt, dessen Nutzung allerdings durch kleinere ergonomische Mängel eingeschränkt wird. Es bleibt daher zu hoffen, dass durch ein möglichst rasches Software-Release diese Mängel behoben werden und die Nutzung dieser einzigartigen Datensammlung uneingeschränkt möglich wird.