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Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie

vereinigt mit Zentralblatt für Bibliothekswesen
Organ des wissenschaftlichen Bibliothekswesens
Enthält auch Mitteilungen des Vereins Deutscher Bibliothekare e.V.

Herausgegeben von Elisabeth Niggemann

Jahrgang 49 (2002). VI, 350 Seiten. Für institutionelle Bezieher € 78.-, für private Bezieher € 39.-

 

Aus dem Inhalt von Heft 3

 

Editorial

Jürgen Bunzel

Die Verbindungen zwischen der Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie (ZfBB) und der Bibliotheksgruppe der Deutschen Forschungsgemeinschaft haben eine lange Tradition. In meinem Dienstzimmer steht die vollständige stattliche Reihe der ZfBB-Jahresbände, an der ich überprüfen konnte, dass seit dem Erscheinen des 15. Bandes im Jahre 1968 nahezu ununterbrochen ein Vertreter der Deutschen Forschungsgemeinschaft im erweiterten Herausgeberkreis der ZfBB vertreten ist. Ein bemerkenswertes Element der Kontinuität in der zunehmend durch Wandel und Umbruch gekennzeichneten Welt des wissenschaftlichen Informationswesens.

Wandlungen haben allerdings die Bibliotheksförderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft in den letzten Jahren nicht unberührt gelassen. Die Förderung des notwendigen Strukturwandels der Informationsversorgung im Interesse von Wissenschaft und Forschung ist eine unserer vorrangigen Aufgaben. Die kürzlich vollzogene Umfirmierung der ehemaligen Bibliotheksgruppe zur Gruppe "Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme" ist zwar nur ein äußeres Zeichen, aber doch programmatisch.

Die Weiterentwicklung der immer noch im Mittelpunkt unserer Förderung stehenden DFG-Sondersammelgebiete zu einem auf die hybride Bibliothek der Gegenwart ausgerichteten Netzwerk virtueller Fachbibliotheken ist mit mehr als 13 laufenden Projekten in vollem Gange. Ich meine, dass sich die Idee unserer Vorgänger, in Deutschland ein verteiltes Netzwerk der wissenschaftlichen Bibliotheken zur Spitzenversorgung aufzubauen, letztlich als sehr vorausschauend erweisen könnte. Erst mit den heutigen Möglichkeiten der digitalen Vernetzung können die Vorteile dieses Modells voll zur Geltung gebracht werden. Die virtuellen Fachbibliotheken sollen dies leisten; als fachliche Portale zur hybriden Bibliothek, im Dienstleistungsverbund mit den lokalen Bibliotheken. Wie das Konzept der virtuellen Fachbibliotheken auch im europäischen Bereich aufgenommen und weitergeführt wird zeigt der Bericht von Frau Neuroth und Herrn Becker zum EU-Projekt RENARDUS in diesem Heft.

Das Konzept der Digitalen Bibliothek ist heute in aller Munde. Über unsere klassische Vorstellung von Bibliotheken geht es weit hinaus. Und so hat sich auch die Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft - verbunden mit einem kräftigen Aufwuchs der Fördermittel - über den Kreis der wissenschaftlichen Bibliotheken hinaus spürbar erweitert.

Das engere Zusammenwachsen von Archiven, Museen, Rechen- und Medienzentren und die zunehmend gleichmäßigere Teilhabe der verschiedenen Informationseinrichtungen an unserer Förderung ist dabei nicht einmal der primäre Aspekt. Als Anzeichen eines qualitativen Umbruchs erscheint mir vor allem das wachsende Interesse der Wissenschaftler, sich um die Informations-Infrastrukturen ihrer Fach- und Arbeitsgebiete selbst zu kümmern; und zwar nicht allein in den traditionell buch- und quellenorientierten Fachgebieten. Bereits heute werden mehr als 25 % der bei uns eingehenden Anträge von Forschern und Wissenschaftlergruppen gestellt. Mit steigender Tendenz.

Unsere allgemeine Antwort darauf ist die verstärkte Ausrichtung aller Förderprojekte auf die jeweiligen Fächer und deren Informationsbedarf. Um Synergien zwischen den Projekten zu fördern werden sie fachlichen Schwerpunktbereichen zugeordnet, mit dem Ziel, die Ergebnisse in fachbezogenen digitalen Informationsdiensten zu bündeln.

Spezifisch auf einzelne Forschungsthemen ausgerichtet ist unser Förderkonzept der Themenorientierten Informationsnetze. Hier sollen Informationssysteme zur Sammlung, Erschließung und Bereitstellung von verschiedenen für die Forschung zu einem bestimmten Thema notwendigen Informationsgrundlagen unmittelbar verzahnt werden mit Instrumenten zur wissenschaftlichen Kommunikation und Publikation der Forschungsergebnisse. Aus kreativen Experimenten mit solchen Netzwerken werden die Wissenschaftler selbst die neuen, den digitalen Medien wirklich entsprechenden Formen des wissenschaftlichen Informationsaustausches entwickeln. Heute stehen wir hier wohl eher noch am Anfang. So wie die ersten Buchdrucker, die auch mit den neuen Techniken zunächst nur die Formmuster der überkommenen Handschriften-Kultur nachahmten.

Ich könnte mir vorstellen, dass das Konzept der gegenwärtigen elektronischen Zeitschriften aus der Perspektive zukünftiger Jahrzehnte ähnlich beurteilt werden wird. Das entbindet uns heute allerdings nicht von der Aufgabe, die richtigen Formen und Wege zu finden, um das rasch wachsende Angebot in diesem Bereich so in die bibliothekarischen Dienste – vor allem auch die überregionalen Dienste der Sondersammelgebiete – einzubinden, dass die technisch möglichen Verbesserungen der Freizügigkeit, Schnelligkeit und Leichtigkeit des Zugangs nicht an den rechtlichen und wirtschaftlichen Barrieren scheitern. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat eine Reihe von Projekten unter dem Akronym "EZUL" gefördert, um hierzu systematische Erfahrungen zu sammeln und Lösungsvorschläge zu entwickeln. Über die Ergebnisse informiert Sie der Beitrag von Frau Schäffler in diesem Heft.

So wie der Buchdruck den Charakter handschriftlicher Überlieferungsformen verwandelt hat, wird sich durch die uns heute noch weitgehend unbekannten Formen der zukünftigen digitalen wissenschaftlichen Publikation der Charakter der gedruckten wissenschaftlichen Zeitschrift und vielleicht sogar der Stellenwert des Fachaufsatzes als Grundeinheit des Transports wissenschaftlicher Ergebnisse verändern. Dass neue Medien die alten nicht verdrängen, sondern Ihnen in modifizierter Funktion eine neue Bedeutung geben, ist mittlerweile eine weitgehend akzeptierte Erkenntnis. Dies wird auch für die gedruckte wissenschaftliche Fachpublikation gelten.

 

Aufsätze

Barbara Schleihagen
: Die Bibliothekswelt zu Gast in Deutschland: die 69. IFLA-Generalkonferenz und Ratsversammlung 2003 in Berlin

Die jährliche Konferenz des internationalen Verbandes der bibliothekarischen Vereine und Institutionen (IFLA) kommt nach 20 Jahren wieder nach Deutschland und wird vom 1. bis 9. August 2003 unter dem Motto "Bibliothek als Portal: Medien – Information – Kultur" in Berlin stattfinden. Mehr als 3.000 Teilnehmer aus aller Welt werden im Internationalen Congress Centrum (ICC) in Berlin erwartet. Die Bedeutung der Konferenz wird durch die Schirmherrschaft von Bundespräsident Johannes Rau unterstrichen. Im Folgenden werden einige wichtige Entwicklungen der letzten Jahre und daraus entstandene Publikationen des Internationalen Bibliotheksverbands IFLA vorgestellt, der Stand der Konferenzvorbereitung beschrieben und dabei auch auf einige häufig gestellte Fragen zur IFLA-Konferenz 2003 eingegangen.

Heinz-Peter Berg / Hildegard Schäffler / Irina Sens: Elektronische Zeitschriften in der überregionalen Literaturversorgung: Ergebnisse des DFG-Projekts EZUL

Im Jahr 1998 beauftragte die Deutsche Forschungsgemeinschaft die Bayerische Staatsbibliothek München, die UB/TIB Hannover und die ULB Düsseldorf in dem Pilotprojekt "Elektronische Zeitschriften in der überregionalen Literaturversorgung" (EZUL) mit der Entwicklung von Konzepten zur Integration elektronischer Zeitschriften in das DFG-gestützte System der überregionalen Literaturversorgung. Während die Teilprojekte in Hannover und München durch den Abschluss spezieller Lizenzverträge und die Implementierung einer innovativen technischen Lösung für ihr jeweiliges Fächerspektrum prototypisch ein Pay-per-View-Modell umsetzten, wurden an der ULB Düsseldorf begleitende Nutzungsanalysen durchgeführt. Aufsetzend auf den Erfahrungen dieses Projekts hat die DFG im Jahr 2002 ein entsprechendes Pilotförderprogramm ins Leben gerufen.

Hans Jürgen Becker / Heike Neuroth: Cross-searchen und cross-browsen von "Quality-controlled Subject-Gateways" im EU-Projekt Renardus

Das von der Europäischen Union seit Januar 2001 geförderte Projekt Renardus hat das Ziel, einen Service zur Nutzung der in Europa vorhandenen "Quality-controlled Subject-Gateways" aufzubauen, d. h. über einen Zugang bzw. eine Schnittstelle Cross-searchen und Cross-browsen anzubieten. Für das Cross-browsen wird dabei zum Navigieren die Dewey Decimal Classification (DDC) verwendet. Der Beitrag beschreibt die einzelnen Entwicklungsschritte und stellt detailliert die nötigen Mappingprozesse vor. Dabei handelt es sich einmal um Mappingprozesse von den lokalen Metadatenformaten der einzelnen Subject-Gateways zu dem gemeinsamen Kernset an Metadaten in Renardus für die Suche, wobei dieses Kernset auf dem Dublin-Core-Metadata-Set basiert. Zum anderen geht es um die Erstellung von Konkordanzen zwischen den lokalen Klassen der Klassifikationssysteme der Partner und den DDC-Klassen für das Browsen. Der Beitrag beschreibt auch neue zugrunde liegende Definitionen bzw. theoretische Konzepte, die in der Metadatengemeinschaft zurzeit diskutiert werden (z. B. Application Profile, Namespace, Registry). Zum Schluss werden die Funktionalitäten des Renardus-Service (suchen, browsen) näher vorgestellt.

 

Bibliotheksrecht

Bericht für die Zeit vom 1.9.2001 bis 28.2.2002
(Klaus Peters)

 

Berichte

10th International BOBCATSSS Symposium 2002, Portorož, January 28-30 2002:
Future Skills, Qualifications, Positioning (PeterVodosek)

SCRIPTA 2001 in Leipzig (Nadine Jänicke)

Bielefeld Conference 2002 (Regina Goldschmitt)

Wissensnetze der Zukunft (Achim Puhl)

The European copyright Directive – the last chapter (Teresa Hackett)

Das europäische Projekt "Zukunft für Vergangenheit" (Gunther Franz)

 

Aktuelles

IFLA – 68th General Conference and Exhibition, 18 – 24 August 2002, Glasgow

6. Inetbib-Tagung, 18.-20September 2002, Göttingen

Der Trend zum "I" geht weiter: "ABD" an der FH Potsdam wird "Informationswissenschaft" (Hans-Christoph-Hobohm)

 

Personalia

MENSCHEN IN BIBLIOTHEKEN

Interview: Klaus-Dieter Lehmann

NACHRUFE

Ursula Degenhard 1916 – 2002 (Hans-Peter Geh)

Klaus Schneider 1924-2001 (Hans Bauer)

GEBURTSTAGE

 

Rezensionen

DIGITALE MEDIEN

Digital Library Forum (Achim Oßwald)

PRINTMEDIEN

Die wissenschaftliche Stadtbibliothek und die Entwicklung kommunaler Bibliotheksstrukturen in Europa seit 1945 (Sven Kuttner)

Wegmann, Nikolaus: Bücherlabyrinthe (Ute Schneider)

Zimmermann, Rüdiger: Das gedruckte Gedächtnis der Arbeiterbewegung bewahren (Hermann Rösch)

Kästner, Dieter: Bibliographie der Kriminalerzählungen (Jost Hindersmann)

Gittig, Heinz: Buchclub 65 (Reimar Riese)

Hof, Axel: Der soziale Ort der Gesundheit (Michael Drucker)