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Richtlinien für die Autoren

Zeitschrift für philosophische Forschung

Herausgegeben von Otfried Höffe (Tübingen)
zusammen mit Christof Rapp (Berlin)

Berichte und Buchbesprechungen: Nico Scarano (Tübingen)

Band 58 (2004): In vier Einzelheften, VI, 614 Seiten. 
€ 108.- für institutionelle, €  86.- für private Bezieher. 
Studentenabonnement € 56.- 
Die zurückliegenden Bände sind weitgehend lieferbar.

 

Aus dem Inhalt von Heft 4

 

Abhandlungen

Peter Stemmer, Konstanz: Die Rechtfertigung moralischer Normen

 

Moralische Normen sind in den Augen derer, die sie zur Geltung bringen und ihre Befolgung von anderen fordern, keine Machtnormen, sondern gerechtfertigte Normen. Sie schränken den Freiheitsspielraum der Menschen ein, aber sie tun dies gerechtfertigterweise, und das heißt: auf moralisch unbedenkliche Weise. Moralische Normen genügen damit selbst einem moralischen Maßstab, sie entsprechen selbst einer – höherstufigen – moralischen Norm. Wo kommt diese höherstufige moralische Norm her, und was ist ihr Inhalt? Der Aufsatz behandelt diese Fragen im Rahmen einer interessenfundierten Moralkonzeption. Und er prüft die traditionelle Auffassung, eine Norm und ihre Durchsetzung sei dann gerechtfertigt, wenn sie im Interesse aller Betroffenen liege.

 

 

Ralph Schumacher, Berlin: Die kognitive Undurchdringbarkeit optischer Täuschungen. George Berkeleys Theorie visueller Wahrnehmung im Kontext neuerer Ansätze

Optische Täuschungen ändern ihr Aussehen nicht in Abhängigkeit von unserem Kenntnisstand. Sie sind damit gegenüber unseren Überzeugungen kognitiv undurchdringbar. Wie läßt sich dies erklären, und kann die kognitive Undurchdringbarkeit optischer Täuschungen als Beleg dafür interpretiert werden, dass es völlig theoriefreie Wahrnehmungen gibt? Im folgenden wird dafür argumentiert, dass Berkeleys Wahrnehmungstheorie überzeugendere Antworten auf diese Fragen liefert als Jerry Fodors Theorie der Modularität des Geistes. Berkeleys Ansatz ist deshalb besonders interessant, weil er die Fähigkeit zur visuellen Wahrnehmung geometrischer Eigenschaften als Resultat von Lern- und Assoziationsprozessen darstellt. Wie die Dinge für uns aussehen, hängt demnach davon ab, welche Erfahrungen und Gewohnheiten wir erworben haben. Im Unterschied zu Fodors Theorie ist Berkeleys Ansatz in der Lage, die kognitive Undurchdringbarkeit optischer Täuschungen zu erklären und dabei gleichzeitig ihrem epistemischen Charakter Rechnung zu tragen.

 

Arne Moritz, Halle/S.: Größtheit, automatisierte und koinzidentelle Prädikation. Zum Zusammenhang der rationalen Theologie Anselm von Canterburys und der Koinzidenzlehre des Nikolaus Cusanus im Topos der Größe Gottes

Anselm von Canterbury und Nikolaus Cusanus hat man bisher selten in Zusammenhang gebracht. Der Aufsatz zeigt indessen, dass beide Autoren mit ihren Hauptwerken in der Kontinuität desselben abendländischen Topos einer unüberbietbaren Größtheit Gottes standen. Dieser war für Anselm Ausgangspunkt zur Entwicklung eines argumentativen Verfahrens, das die rationale Theologie in gewisser Hinsicht automatisierte. Die cusanische Aneignung des Topos innerhalb der Koinzidenzlehre lässt sich indessen als eine fortgeführte, nämlich verdoppelte Anwendung des anselmschen Automatismus lesen. Diese Verdoppelung nahm allerdings ontologische wie epistemologische Konsequenzen in Kauf, die Anselm in der Radikalität, wie der Cusaner sie behauptete, gerade zu vermeiden versucht hatte. Dieser systematische Unterschied wird abschließend historisch als bei beiden Autoren in gleicher Weise vorliegendes  Verhalten der Nichtanpassung gegenüber ihrer jeweiligen intellektuellen Umgebung begriffen. Darüber hinaus wird der unterschiedliche Umgang beider Autoren mit dem Topos als Exemplum wichtiger Binnendifferenzen mittelalterlicher Theologie und Philosophie in ihrer frühen und ihrer späten Form interpretiert.

 

Diskussionen

Michael H. Bischof, Zürich: Kann ein Konzept der Willensfreiheit auf das Prinzip der alternativen Möglichkeiten verzichten? Harry G. Frankfurts Kritik am Prinzip der alternativen Möglichkeiten (PAP)

In der Debatte um Willensfreiheit lautet eine gängige These, die Fähigkeit anders handeln zu können sei eine notwendige (oder gar hinreichende) Bedingung der Willensfreiheit. Geltung und Interpretation des sogenannten Prinzip der alternativen Möglichkeiten (PAP) sind allerdings nicht unbestritten. An prominenter Stelle derjenigen Positionen, die (PAP) als Bedingung der Willensfreiheit zurückweisen, steht diejenige Harry G. Frankfurts.

In der vorliegenden Untersuchung wird nun gezeigt, dass Frankfurts Auffassung der Willensfreiheit keine Zurückweisung, sondern vielmehr eine Ausweitung von (PAP) darstellt. Willensfreiheit im Sinne Frankfurts erfordert nicht nur die Fähigkeit einen anderen Willen haben zu können. Sie impliziert insbesondere auch die Fähigkeit anders handeln zu können. Der systematische Gewinn der Frankfurtschen Position besteht denn auch nicht darin, eine plausible Alternative zu (PAP) gefunden zu haben. Vielmehr zeichnet sie sich dadurch aus, akteursinterne Zwänge in die Überlegungen zur Willensfreiheit eingebracht zu haben und eine differenzierte Sicht auf solche Zwänge zu ermöglichen.

 

Joachim Eberhardt, Neubiberg: Gehirne in Tanks – Warum die skeptische Frage offen bleibt 

Der Außenweltskeptizismus präsentiert sich am überzeugendsten im bekannten Gedankenexperiment vom Gehirn im Tank. Putnams apriorischer Widerlegungsversuch aus Reason, Truth and History (1981) ist bekannt, ebenso die ‘Standardantwort’: Gegeben Putnams Theorie der Referenz, verschiebt sich der Skeptizismus nur, er gilt nicht mehr der Außenwelt, sondern der Bedeutung der jeweiligen Äußerungen. Aber, so ein neuerer Einwand: Wer nicht einmal weiß, welche Proposition er äußert, kann wohl kaum darin gerechtfertigt sein, sie zu glauben. Ist die skeptische Position somit selbstwiderlegend? Die Abhandlung versucht eine Antwort in zwei Schritten. Erstens: Der Skeptiker kann sehr wohl eine skeptische Proposition äußern, ohne darüber im Zweifel zu sein, was er geäußert hat. Zweitens: Das ist möglich, weil Sprache nicht nur im Modus der direkten Referenz verwendet werden kann. Deshalb ist Putnams Theorie der Referenz unvollständig, und die skeptische Frage bleibt offen.

 

Berichte

Jörg Hardy, Berlin: Intellektuelle Tugenden – Grundzüge der Tugenderkenntnistheorie (I)

 

Buchbesprechungen

Theo Jäger †: Pierre Bayles Philosophie in der „Reponse aux questions d’un provincal“ (Günther Gawlick, Bochum)

 

Hans Friedrich Fulda: Georg Wilhelm Hegel; Walter Jeschke: Hegel-Handbuch. Leben - Werk - Wirkung (Attila Karakuş, Münster)

 

Martin Suhr: Jean-Paul Sartre zur Einführung; Peter Kampits: Jean-Paul Sartre (Jürgen Große, Berlin)

Richard Schantz (Hrsg.): What is Truth? (Adolf Rami, Dresden)