Über die Zeitschrift
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Zeitschrift für philosophische ForschungHerausgegeben von Otfried Höffe (Tübingen) € 116.- für institutionelle, € 89.- für private Bezieher. Studentenabonnement € 58.- Die zurückliegenden Bände sind weitgehend lieferbar.
Aus dem Inhalt von Heft 4
Abhandlungen Otfried Höffe, Tübingen: Ethik ohne und mit Metaphysik. Zum Beispiel Aristoteles und Kant Die Geschichte der Fundamentalphilosophie, die man „Metaphysik“ nennt, fängt als Metaphysik-Kritik an, die Geschichte der fundamentalphilosophischen, insofern auch metaphysischen Ethik, beginnt dagegen so gut wie ohne jede Metaphysik. John Rawls’ Aufsatztitel „[…] Political, not metaphysical“ trifft schon mehr als zwei Jahrtausende vorher auf die erste als „Ethik“ betitelte Veröffentlichung zu. Paradoxerweise gilt es aber nicht für Rawls’ wichtigste Inspirationsquelle, einen Metaphysikkritiker zwar, der aber seine systematische Ethik ausdrücklich der Metaphysik zuordnet. Damit stehen zwei der bis heute maßgeblichen Muster philosophischer Ethik zu Debatte, das Vorbild einer Ethik ohne Metaphysik, Aristoteles’ Nikomachische Ethik mit dem Prinzip Eudaimonie, und als Muster einer metaphysischen Ethik die Moralphilosophie Kants mit dem Prinzip Autonomie. Nun sind beide Ethiken längst bekannt, so dass es im folgenden nicht um etwas grundsätzlich Neues gehen kann, wohl aber um einige neue Facetten. Zu ihnen gehört die Frage, ob die Situation kontingent ist oder gute Gründe für sie sprechen: dass Aristoteles’ eudaimonistische Ethik metaphysikfrei, Kants autonome Ethik dagegen metaphysisch ist.
Peter Schaber, Zürich: Achtung vor Personen Es geht in diesem Aufsatz um die Frage, was es heißt, eine andere Person zu achten. Im Zentrum steht dabei die moralische Achtung, nicht die Achtung im Sinne der Wertschätzung einer anderen Person. Ein wohlfahrts- und ein autonomietheoretisches Verständnis moralischer Achtung werden dargestellt und zurückgewiesen. Es wird für ein Verständnis moralischer Achtung argumentiert, wonach eine Person genau dann geachtet wird, wenn ihr authentischer Wille ernst genommen wird. Die Achtung schulden wir dabei der Würde der Person. Achtung vor der Würde der Person ist Achtung vor dem, was die Selbstachtung von Personen ermöglicht. Die Würde von Personen ist unantastbar sowohl in der anderen wie auch in der eigenen Person. Der authentische Wille von Personen darf entsprechend bloß dann geachtet werden, wenn er mit dieser Würde sich verträgt.
Jasper Liptow, Frankfurt/Main: Semantischer Externalismus und Triangulation Im Zentrum des Aufsatzes steht die Entwicklung eines Arguments für den sozialen Charakter des Denkens. Im Anschluss an Donald Davidson wird argumentiert, dass sich das für den Gehalt von Gedanken konstitutive kausale Element, das der Externalismus zu Recht behauptet, nur als ein Element von Situationen der gelingenden sprachlichen Verständigung zweier Wesen mit Bezug auf einen von beiden wahrgenommenen Gegenstand (Triangulation) verständlich machen lässt. Diese Überlegungen haben Konsequenzen für den kausalen Externalismus: Die für den Gehalt von Gedanken konstitutive Kausalität lässt sich nicht vom Standpunkt eines unbeteiligten Beobachters, sondern nur aus der Perspektive einer an der Verständigung beteiligten Interpretin explizieren. Aus diesem perspektivischen Charakter des semantischen Externalismus lässt sich schließlich ein Argument für Davidsons These gewinnen, dass unsere Überzeugungen im Großen und Ganzen wahr sein müssen.
Achim Lohmar, Köln: Deliberation, moralisches Urteil und Indifferenz. Ein Argument gegen die Möglichkeit des Amoralismus Ob zwischen Moral und Motivation nur ein kontingenter oder ein notwendiger Zusammenhang besteht, ist das Problem, das der Frage zugrundeliegt, ob die Idee eines Amoralisten kohärent ist. Der Amoralist wird als eine Figur konstruiert, die genauso wie ‚gewöhnliche‘ moralische Subjekte moralische Forderungen akzeptiert, im Unterschied zu diesen jedoch in keiner Weise motiviert ist, den von ihr selbst anerkannten Forderungen auch zu entsprechen. Externalisten vertreten die Auffassung, dass eine solche Figur möglich ist, Internalisten dagegen halten die Idee eines Amoralisten für inkohärent. Obwohl sich diese Debatte um eine ‚ungewöhnliche‘ Figur dreht, hat eine Entscheidung über die Möglichkeit des Amoralismus substantielle Konsequenzen für das Bild, das wir uns von ‚gewöhnlichen‘ moralischen Subjekten machen können: Hätten Externalisten recht, dann wären auch solche Personen, die keine Amoralisten sind, letztlich nicht aufgrund ihrer moralischen Einstellungen zu tun motiviert, was sie selbst für richtig halten. Nach der hier vertretenen Auffassung ist die Idee eines Amoralisten jedoch inkohärent. Ich verteidige diese These gegen zwei externalistische Argumente und entwickle schließlich ein Argument für den Internalismus, das den Vorzug hat, sich nicht auf eine umstrittene Auffassung über die Semantik moralischer Urteile zu stützen.
Diskussionen und Berichte Doris Gerber, Tübingen: Intentionalität, Geschichte und historischer Sinn Catrin Misselhorn, Tübingen: Probleme der analytischen Ästhetik (I): Begriffliche und methodologische Fragen
Buchbesprechungen Jula Wildberger: Seneca und die Stoa. Der Platz des Menschen in der Welt (Christoph Jedan, Groningen) Antonio Petagine: Aristotelismo difficile. L’intelletto humano nella prospettiva di Alberto Magno, Tommaso d’Aquino e Sigieri di Brabante (Matthias Perkams, Jena) Thomas Buchheim/Torsten Pietrek (Hrsg.): Freiheit auf Basis von Natur? (Sven Walter, Osnabrück) Chantal Mouffe: Über das Politische. Wider die kosmopolitische Illusion (Stefan Militzer, Frankfurt/M.) Amartya Sen: Identity and Violence. The Illusion of Destiny (Daniel Loewe, Tübingen)
Buchnotizen |