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Über die Zeitschrift

Zeitschrift für philosophische Forschung

 

ISSN (gedruckte Ausgabe / print version): 0044-3301; ISSN (elektronische Ausgabe / electronic version): 1439-2615

Herausgegeben / Edited by Gerhard Ernst (Erlangen-Nürnberg) und Christof Rapp (München)

Berichte und Buchbesprechungen / Book Reports and Reviews: Gerhard Ernst (Erlangen-Nürnberg)

Beirat / Editorial Advisory Board:

Monika Betzler (Bern), Christian Beyer (Göttingen), Elke Brendel (Bonn), Eckart Förster (Baltimore), Stefan Gosepath (Frankfurt/Main), Hans-Johann Glock (Zürich), Christoph Horn (Bonn), Geert Keil (Berlin), Anton F. Koch (Heidelberg), Lothar Kreimendahl (Mannheim), Christian Nimtz (Bielefeld), Ulrich Nortmann (Saarbrücken), Dominik Perler (Berlin), Michael Quante (Münster), Tobias Rosefeldt (Berlin), Nico Scarano (Tübingen), Oliver Scholz (Münster), Martin Seel (Frankfurt/Main), Marcus Willaschek (Frankfurt/Main), Ursula Wolf (Mannheim)


Jeder Beitrag wird anonymisiert anonymen Gutachtern - in der Regel aus dem Kreis des Beirats und der Mitwirkenden - vorgelegt (double-blind peer-review bzw. double-masked review).
Every article is subject to double-blind peer review which is carried out by members of the Editorial Advisory Board or the Contributors.

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Zur Geschichte der Zeitschrift

Vorbemerkung von Otfried Höffe zum 50. Jahrgang in Heft 1/2 (1996) / The Editors´ Preface to the 50th volume in issue 1/2 (1996)

Mit diesem Doppelheft beginnt die Zeitschrift für philosophische Forschung ihren 50. Jahrgang. Ihre Gründung im Frühjahr 1946 verdankt sie einem glücklichen Zusammenwirken. Die Initiative eines Münchner Philosophen aus Bulgarien verbindet sich mit dem Sachverstand namhafter Professoren, die damals noch aus ganz Deutschland, nicht nur dem Westen kommen. Ob er sie "nur" als Autoren oder zusätzlich für den Beirat der Redaktion gewinnt - von Anfang an versichert sich Georgi Schischkoff der Mitarbeit fast aller großen Namen der Zeit. Zunächst sind es etwa der Philosoph und Pädagoge Friedrich Bollnow, der Platon-Forscher Ernst Hoffmann, der Philosoph und Psychologe Philipp Lersch und die Philosophen Walter Bröcker und Wilhelm Weischedel. Dazu kommen aus dem Ausland zwei weltberühmte Forscher, Werner Jaeger und Bertrand Russell. Und wenig später lesen wir - Beispiele müssen genügen - Hugo Dingler, Eugen Fink und Arnold Gehlen, Ernesto Grassi, Nicolai Hartmann und Ludwig Marcuse, Theodor Litt, Joachim Ritter und Erich Rothacker, Wolfgang Stegmüller, Paul Tillich und Max Wundt.

Im Titelaufsatz klingt übrigens die größere Aufgabe an, die sich im Nachkriegsdeutschland bei der Herausgabe eines Forschungsorganes stellt. Es geht nicht lediglich um die Wiederaufnahme des philosophischen Diskurses, sondern auch, freilich in angemessener Form, um eine moralisch-politische Erneuerung. In diesem Sinn beginnt das erste Heft mit dem Beitrag jenes Herder- und Leibnizforschers Kurt Huber, der den geistigen Mittelpunkt der Münchner studentischen Widerstandsgruppe gebildet hatte und nicht anders als die Geschwister Scholl hingerichtet worden war. Zugleich aus Anlaß des 300. Geburtstages von Leibniz erscheint aus Hubers Nachlaß die Abhandlung "Leibniz und wir". Es folgen von Walter Bröcker "Das Modalitätenproblem", von Paul Linke "Gottlob Frege als Philosoph" und Paul Wilpert "Die Lage der Aristotelesforschung". Zusammen mit weiteren Abhandlungen, einigen Berichten und einem Dutzend Buchbesprechungen führen schon diese Texte das Programm vor, das der Herausgeber "Zum Beginn" formuliert. Zum Zweck, "eine wirklich freie philosophische Diskussion" zu ermöglichen, öffnet sich die Zeitschrift "allen Auffassungsweisen, Arten, Problemgebieten und Strömungen des philosophischen Denkens."

Diesem Programm ist die Zeitschrift treu geblieben. Bis heute versteht sie sich weder als Organ einer Richtung oder Schule noch fühlt sie sich lediglich gewissen Epochen oder Disziplinen verpflichtet. Und nicht ohne Stolz vermerkt sie, daß sie in den philosophischen Seminaren von Harvard über Oxford und die Sorbonne bis Kyoto ausliegt.

Die Schwierigkeiten einer solchen Zeitschrift ändern sich im Laufe der Jahre. Zunächst herrschen äußere Schwierigkeiten vor, neben der Lizenz- und Papierbeschaffung die Aufgabe, sich wieder der internationalen Debatte zu öffnen, also zusätzlich zu den Strömungen der Vorkriegszeit, die wie die Ontologie, die Phänomenologie und die Hermeneutik in Deutschland bekannt geblieben waren, jetzt auch die - zum Teil aus Deutschland emigrierte - Wissenschaftstheorie und die sprachanalytische Philosophie. Später treten beispielsweise die Ethik - hier sowohl Grund- als auch Anwendungsfragen - und die Politische Philosophie dazu.

 

Eine der dabei auftretenden Schwierigkeiten: Im Zuge der Öffnung zu neuen Strömungen entsteht immer wieder die Tendenz, eine von ihnen zu privilegieren und die Zeitschrift zum Organ gewisser Richtungen und Schulen zu degradieren. Nachdem diese Schwierigkeit schon des längeren überwunden ist, deutet sich inzwischen eine neue an. Die Ausdifferenzierung sowohl der Themen philosophischer Forschung als auch ihrer Publikationsformen hat zur Folge, daß sich ein dem deutschsprachigen Philosophieren gemeinsames Forum nicht mehr "wie von allein" herstellt. Gewiß, ohne eine Spezialisierung in historischer und systematischer Hinsicht ist die Philosophie als Forschung nicht möglich. Andererseits braucht es ein gemeinsames Forum, auf dem sich die verschiedenen Spezialisierungen, weil gleichermaßen vertreten, gegenseitig zur Kenntnis nehmen, vielleicht sogar in ein Gespräch bringen und auf diese Weise eine gewisse Einheit wahren.

Aus zwei Gründen dürfte in der Philosophie die Einheit des Faches noch wichtiger als in anderen Fächern sein. Einerseits bestehen zwischen den philosophischen Disziplinen in der Sache reiche Querverbindungen. Andererseits vertreten die großen Philosophen mehr als nur eine zwar klassische, gleichwohl überholte Gestalt des Denkens. Mag es andernorts Annäherungen an einen linearen Wissensfortschritt geben - in der Philosophie kann der Rückgriff auf frühere Denker die heutigen Debatten vielfach befruchten, so daß von einer strengen Trennung historischer und systematischer Forschung keine Rede sein kann. Noch ein weiterer Grund spricht für ein gemeinsames Forum. Die philosophisch interessierten Nachbarwissenschaften wollen, ohne viele Fachorgane zu konsultieren, Einblick in die philosophische Forschung von heute gewinnen.

Das Jubiläumsheft hätte auf die Entwicklung der deutschsprachigen Philosophie und ihres internationalen Umfeldes zurückblicken können, sei es auf die Entwicklung der letzten 50 Jahre, sei es auf die der 20 Jahre, für die ich - zunächst allein, dann mit Hans-Michael Baumgartner und inzwischen wieder allein - als Herausgeber zeichne. Uns schien aber dieser andere Weg interessanter zu sein. Das Doppelheft will exemplarisch zeigen, worüber man heute und wie man heute philosophiert. Weil sie den Autoren überlassen blieb, ist die Auswahl der Themen zufällig und vielleicht deshalb - in Grenzen - repräsentativ.

Eine derartige Zeitschrift wäre ohne die Arbeit vieler Kollegen nicht möglich. Ich danke dem Redaktionsbeirat, den Mitwirkenden und den Mitgliedern der Redaktion, nicht zuletzt den Autoren, dem Verlag und den Lesern.