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Das philosophische Programm

Das philosophische Programm

 

Die jüngste Vergangenheit

 

Viele Autoren, die dann Professuren an den Universitäten der Bundesrepublik Deutschland besetzten, haben ihre Erstlingsschriften, oft auch ihre weiteren Veröffentlichungen, dem Verlag Klostermann anvertraut, und gerade hier zeigte sich, dass der Verleger zumeist das richtige Gespür hatte, als er deren Arbeiten übernahm. Zu nennen sind hier Helmut Fahrenbach, Hans Friedrich Fulda, Jens Kulenkampff, Rainer W. Trapp u.a. Im Jahr 1965 veröffentlichte die spätere Inhaberin eines Kölner Ordinariats für Philosophie Elisabeth Ströker ihre Philosophischen Untersuchungen zum Raum bei Klostermann, in der Folgezeit mehrere weitere Arbeiten zur Wissenschaftsgeschichte und -philosophie, sowie als Leiterin des Kölner Husserl-Archivs Bücher zur phänomenologischen Philosophie Edmund Husserls.

Viele dieser Arbeiten erschienen in der Reihe der Philosophischen Abhandlungen, die inzwischen 80 Titel umfasst. Stellvertretend für andere mögen die in den letzten Jahren erschienenen Arbeiten von Michael Wolff, Die Vollständigkeit der kantischen Urteilstafel. Mit einem Essay über Freges Begriffsschrift (1995), Dominik Perler, Repräsentation bei Descartes (1996) und Oliver Scholz, Verstehen und Rationalität. Untersuchungen zu den Grundlagen von Hermeneutik und Sprachphilosophie (1999) Erwähnung finden.

Auch Werner Beierwaltes, längst einer der wichtigsten Autoren des Verlages, veröffentlichte seine Habilitationsschrift Proklos. Grundzüge seiner Metaphysik (1965) in dieser Reihe. Im Jahr 1967 erschien seine kommentierte Übersetzung von Plotins Enneade III, 7. Über Ewigkeit und Zeit in den von Berlinger besorgten Quellen der Philosophie. Insgesamt sind sieben größere Monographien Beierwaltes´, die meisten zum Platonismus und Neuplatonismus, für die er als der herausragende Fachmann in Deutschland gilt, im Verlagsprogramm verzeichnet. Seine umfängliche, die Stellung Johannes Scotus Eriugenas als einen Brennpunkt der mittelalterlichen spekulativ-platonisierenden Philosophie und Theologie behandelnde Studie verdient besonders herausgestellt zu werden (Eriugena. Grundzüge seines Denkens, 1994). Beierwaltes war Professor für Philosophie an den Universitäten Münster, Freiburg i.Br. und München und ist seit dem Jahr 1996 emeritiert. Er ist ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.
 

Kurt_Flasch      
Kurt Flasch (*1930)
© privat
     

Vor einigen Jahren ist Kurt Flasch für den Verlag gewonnen worden. Er war ehemals Assistent des Frankfurter Philosophieprofessors Johannes Hirschberger und ist nun selbst emeritierter Professor für Philosophie der Universität Bochum, ein international anerkannter Fachvertreter für mittelalterliche Philosophie und vielseitig orientierter Publizist. Von ihm erschienen Was ist Zeit? Augustinus von Hippo. Das XI. Buch der Confessiones (1993) als Text, Übersetzung und Kommentar, des Weiteren sein bedeutendes Buch über Nikolaus von Kues. Geschichte einer Entwicklung. Vorlesungen zur Einführung (1998). In diesem, seinem zweiten Buch über den Cusaner interpretiert Flasch in einer umfänglichen Sicht dessen Schriften in der chronologischen Reihenfolge ihres Entstehens. Kurt Flasch ist Mitglied der Römischen Akademie der Wissenschaften.

Ein besonderer Glücksfall war es, als sich im Jahr 1989 die Gelegenheit bot, die von Georgi Schischkoff im Jahr 1946 begründete Zeitschrift für Philosophische Forschung unter der Herausgeberschaft von Otfried Höffe zu übernehmen. Die Erwerbung dieser bedeutenden Zeitschrift, deren Inhalt einen präzisen Überblick über die Entwicklung der Philosophie nach dem Zweiten Weltkrieg gibt, wurde ergänzt durch die Übernahme der Philosophia Naturalis. Archiv für Naturphilosophie und die philosophischen Grenzgebiete der exakten Wissenschaften und Wissenschaftsgeschichte unter der Herausgeberschaft von Bernulf Kanitscheider, Lorenz Krüger (nach dessen Tod Bernd-Olaf Küppers), C. Ulises Moulines und Erhard Scheibe. Hinzu kam der ebenfalls von Schischkoff (1949) begründete Philosophische Literaturanzeiger, ein Rezensionsorgan für philosophische Neuerscheinungen, unter der Herausgeberschaft von Gerd Wolandt, Rudolf Lüthe und Stephan Nachtsheim.

Die Veröffentlichungen der letzten Jahre zeigen, dass der Verlag sein wissenschaftliches Niveau über die Jahrzehnte seines Bestehens hinweg bis in die jüngste Zeit hinein hat halten können. Es ist für einen Wissenschaftler nach wie vor eine besondere Auszeichnung, einen Titel im Programm des Verlages unterzubringen. Nach wie vor wird über jede Neuerscheinung allein nach ihrer wissenschaftlichen Qualität entschieden.

Von Siegfried Blasche

 

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