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Programmarbeit

 

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Aktualisiert am 17. November 2021

Persönliche Vorlieben und Zufälle bestimmen nicht nur den Werdegang von Menschen, sondern auch den von Unternehmen. Mein Vater, Vittorio Klostermann, geboren 1901, hatte in Köln Max Scheler und in Bonn Joseph A. Schumpeter gehört und wollte eigentlich – wie sein Schulfreund Hermann Josef Abs – Bankier werden. Da er jedoch im Bankgewerbe keine Lehrstelle fand, holte ihn mein Großvater Eckard Klostermann in das von ihm geleitete Buchhandelsunternehmen Friedrich Cohen nach Bonn und übertrug ihm 1924 die Antiquariatsleitung, verbunden aber auch mit der Aufgabe, das geisteswissenschaftliche Verlagsprogramm auszubauen. In den sechs Jahren seiner Tätigkeit dort machte er die Bekanntschaft zahlreicher Autoren, die seinen weiteren Lebensweg begleiten sollten, u.a. mit Martin Heidegger, Max Scheler, Walter F. Otto und Karl Mannheim. Wegen der schwierigen ökonomischen Situation, in die das Unternehmen aufgrund der Weltwirtschaftskrise geriet, musste die Verlagstätigkeit bei Cohen jedoch weitgehend eingestellt werden. Vittorio Klostermann ging 1930 nach Frankfurt und gründete im selben Jahr unter seinem Namen einen eigenen Verlag: Hanns W. Eppelsheimer, Hans-Georg Gadamer, Max Kommerell, Paul Ludwig Landsberg, Walter F. Otto, Karl Reinhardt, Kurt Riezler, Benno von Wiese waren die Autoren der ersten Stunde – und das Verlagsprogramm damit bereits in den Grundzügen umrissen.

Auch wenn in den 50er Jahren Ernst Jünger als Autor hinzukam – sowie sein Bruder, der Essayist und Lyriker Friedrich Georg Jünger – der Verlag war doch in erster Linie Wissenschaftsverlag, und er ist es heute fast ausschließlich (siehe aber unten den Abschnitt Literaturwissenschaft!). Um die 4.000 Titel sind seit der Gründung erschienen, etwa 1.800 davon sind heute lieferbar, nicht wenige erreichten mehrere Auflagen. Durchschnittlich erschienen in den letzten Jahren etwa 50 Neuerscheinungen und Neuauflagen, hinzu kommen zehn Zeitschriften und Jahrbücher. Für die meisten Zeitschriften des Verlags können elektronische Campuslizenzen erworben werden; ebenso für einen Großteil der Monographien.

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Philosophie

Die "Philosophischen Abhandlungen" waren die erste Reihe im Verlag, sie erscheinen seit 1935. Sie enthalten sorgfältig ausgewählte Monographien (darunter viele Habilitationsschriften), von 2003 bis 2018 unter der Herausgeberschaft von Rolf Peter Horstmann, Andreas Kemmerling und Tobias Rosefeldt – und seit 2019 unter der Herausgeberschaft von Dina Emundts, Tobias Rosefeldt und Holmer Steinfath. 120 Bände sind bislang erschienen, die letzten von Martin Hoffmann, Dominik Perler und Jochen Briesen

Im Jahr 1975 begann die "Martin Heidegger Gesamtausgabe" zu erscheinen. Von den geplanten 102 Bänden stehen noch fünf (Teil-)Bände aus, hinzu kommen evtl. noch drei Supplement-Bände. 2009 wurde die Reihe "Heidegger Forum" gegründet; die letzten Bände waren der "Marbach-Bericht" von Klaus Held und Andreas Beinsteiners Untersuchung zu "Heideggers Philosophie der Medialität".

Seit 1989 erscheinen die "Zeitschrift für philosophische Forschung" und der "Philosophische Literaturanzeiger" im Verlag. Die Stellung einzelner Beiträge im Open Access (Gold) ist möglich. Nähere Informationen dazu finden Sie hier.

Im Jahr 2003 gründeten wir die "Klostermann RoteReihe" als wissenschaftliche Taschenbuchreihe. Viele bekannte Bücher des Verlags sind seither dort in preiswerten Neuauflagen und Erstausgaben herausgekommen, nicht nur von den "Klassikern" Hans-Georg Gadamer, Arnold Gehlen, Martin Heidegger, Karl Mannheim, Walter F. Otto, Karl Reinhardt, Wilhelm Schapp und Ludwig Wittgenstein, sondern auch von erfolgreichen Büchern gegenwärtiger Autoren, unter vielen anderen von Emil Angehrn, Werner Beierwaltes, Kurt Flasch, Eckart Förster, Werner Hamacher, Klaus Held, Gunnar Hindrichs, Wolfram Hogrebe, Geert Keil, Wolfgang Künne, Charles Larmore, Bernd Ludwig, Dominik Perler, Ulrich Pothast, Ursula Renz, Alexander Schnell, Oliver R. Scholz, Peter Stemmer, Peter Trawny und Marcus Willaschek.

Im Jahr 2013 übernahm der Verlag die Publikationen der Internationalen Hegel-Vereinigung unter dem Reihentitel "Geist und Geschichte"; seither sind fünf Bände erschienen, zuletzt Jean-François Kervégans "Die verwirklichte Vernunft".

2014 gründeten Benjamin Schnieder und Tobias Rosefeldt die "Studies in Theoretical Philosophy". Die Reihe versammelt Arbeiten von vornehmlich jungen Autorinnen und Autoren, die auf höchstem Niveau an der internationalen Forschungsdebatte teilnehmen (bislang zehn Bände).

Fünfzehn Bände der "Wiener Ausgabe" des Nachlasses von Ludwig Wittgenstein waren in den Jahren 1993 bis 2000 im Wiener Springer-Verlag erschienen. Dann stellte der Verlag die Produktion ein. Wir waren von der Nützlichkeit der Ausgabe überzeugt und haben (nach Unterbrechung von 18 Jahren!) die Fortsetzung übernommen. Drei neue Bände sind seit 2019 erschienen, weitere sollen in kurzem Abstand folgen.

Nicht alle Bücher erscheinen in Reihen. Und zwei der letzten Jahre sollen hier besonders hervorgehoben werden: Kurt Flaschs Buch "Christentum und Aufklärung" (Voltaire gegen Pascal) und – gut 50 Jahre nach Erscheinen von Dieter Henrichs "Fichtes ursprüngliche Einsicht" – die um ein vielfaches erweiterte Neuauflage unter dem Titel "Dies Ich, das viel besagt".​

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Literatur- und Sprachwissenschaft

Zwei kleine Schriften des Germanisten Max Kommerells ("Hugo von Hofmannsthal" sowie "Jugend ohne Goethe") waren die ersten Publikationen des Verlags überhaupt. Mit Hugo Friedrichs "Drei Klassiker des französischen Romans" und dem Gracián-Buch von Werner Krauss eröffnete mein Vater auch einen romanistischen Zweig.

Eine bedeutsame Rolle für die Programmarbeit des Verlags spielte Eckhard Heftrich, der zusammen mit Hans Wysling das "Thomas Mann Jahrbuch" begründete. Über Hans Wysling wurde der Kontakt zum Zürcher Thomas-Mann-Archiv geknüpft, die Reihe der "Thomas-Mann-Studien" aus dem Francke Verlag übernommen und neu belebt. Eckhard Heftrich war auch der Herausgeber der Reihe "Das Abendland", die 1971 als Neue Folge mit Paul Oskar Kristellers "Marsilio Ficino" startete. Heftrich hat die Herausgeberschaft 2019 an Dirk Werle übergeben.

Im Jahr 1948 übernahm der Verlag die damals von Fritz Schalk herausgegebenen "Romanischen Forschungen. Vierteljahrsschrift für romanische Sprachen und Literaturen". Die Zeitschrift erscheint jetzt im 133. Jahrgang; die literaturwissenschaftliche Abteilung wird von Cornelia Ruhe betreut, die sprachwissenschaftliche von Martin Becker. Unter derselben Herausgeberschaft erscheinen auch die ursprünglich als Beihefte zur Zeitschrift gegründeten "Analecta Romanica", die in erster Linie ausgewählte Qualifikationsschriften versammeln.

Aus der Verbindung mit Hanns Wilhelm Eppelsheimer, dessen Dissertation über Petrarca Vittorio Klostermann schon 1928 bei Cohen verlegt hatte und mit dessen "Handbuch der Weltliteratur" der Verlag besondere Erfolge hatte, erwuchs in den 50er Jahren der bibliographische Zweig des Verlags. Hervorzuheben sind heute vor allem die "Bibliographie der deutschen Sprach- und Literaturwissenschaft" und Klapps "Bibliographie der französischen Literaturwissenschaft", beide auch als Online-Datenbanken campusweit zugänglich.

Die alte Verbindung zu den Brüdern Ernst und Friedrich Georg Jünger trägt Jahrzehnte später neue Früchte: Ein Jahrbuch, "Jünger Debatte", begann 2017 zu erscheinen, als Publikationsorgan der Jünger-Gesellschaft. Band 4 (2021) widmet sich der "Idee des Autobiografischen".

Die "Rote Reihe" öffnet sich vermehrt auch literaturwissenschaftlichen Themen. Zuletzt erschienen dort "'Barocke' Lyrik lesen" von Dirk Werle und die Romantik-Einführung von Dirk von Petersdorff sowie Werner Hamachers "Keinmaleins" mit Texten zu Paul Celan und seine "Studien zu Hölderlin".

Im Jahr von Hölderlins 250. Geburtstag konnten wir vom Stroemfeld-Verlag Rechte und Bestände der legendären "Frankfurter Hölderlin Ausgabe" (FHA) übernehmen und im Buchhandel wieder verfügbar machen. "Sie krönt das [Hölderlin-]Jahr" schrieb Jochen Hieber in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Studien zur europäischen Rechtsgeschichte

 

 

Rechtsgeschichte, Rechtsphilosophie

Mit Helmut Coings Habilitationsschrift "Die Rezeption des Römischen Rechts in Frankfurt am Main" erschien 1939 das erste rechtshistorische Buch in unserem Verlag. Fritz von Hippel folgte mit "Wahrheitspflicht und Aufklärungspflicht der Parteien im Zivilprozeß" und gründete, gemeinsam mit Erik Wolf, 1964 die "Juristischen Abhandlungen", die ab Band 20 von Wolfgang Naucke, seit Band 40 von Cornelius Prittwitz herausgegeben werden. Als letzte Bände erschienen hier Arbeiten der Autoren Sven Rugullis und Bruno Tadeu Buonicore.

Durch die frühe Verbindung zu Helmut Coing wurde der Verlag auch mit den Publikationen des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte betraut (seit 2021: MPI für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie): Im Jahr 1967 mit dessen Jahrbuch "Ius Commune", das sich 2002 – nach Vereinigung mit dem "Rechtshistorischen Journal" – zu "Rechtsgeschichte / Legal History (Rg)" erweiterte und umbenannte. Das Jahrbuch wird heute herausgegeben von der Direktorin und den Direktoren des Instituts: Marietta Auer, Thomas Duve und Stefan Vogenauer. Es ist international und multilingual ausgerichtet und gibt einen guten Einblick in die Themen und Forschungen des Instituts. Es ist gleichzeitig mit der gedruckten Ausgabe im Open Access erhältlich.

Aus der Arbeit des Instituts erwuchsen außerdem mehrere Schriftenreihen; als wichtigste und umfangreichste die "Studien zur europäischen Rechtsgeschichte", deren 341. Band (Michael Stolleis: "recht erzählen") im August erschienen ist. Wir betreuen des weiteren die "Studien zu Policey und Policeywissenschaft" des Instituts. 

Im Jahr 2009 erhielt Werner Gephart die Förderung des BMBF für ein Käte Hamburger Kolleg "Recht als Kultur". Das Kolleg möchte einen Beitrag zum Verständnis von Recht in Zeiten einer voranschreitenden Globalisierung normativer Ordnungen leisten. 26 Bände seiner Schriftenreihe "Recht als Kultur" sind mittlerweile erschienen, zuletzt der Band "Narratives in the Criminal Process".

ZpTP

Kulturwissenschaften

Seit Anfang der 80er Jahre verband uns mit den Frankfurter Kollegen des Stroemfeld-Verlags eine besondere Freundschaft. Und als sich KD Wolff im Frühjahr 2017 entschloss, die von ihm zwanzig Jahre zuvor gerettete "Zeitschrift für psychoanalytische Theorie und Praxis" im Einvernehmen mit den Herausgeberinnen abzugeben, da waren wir gerne zur Stelle: Jahrgang 31 (2016) der ZpTP haben wir gemeinsam mit Stroemfeld zu Ende gebracht, seit dem Jahr 2017 tragen wir die verlegerische Verantwortung der "Blauen" allein.

Und am 1. März 2020 haben wir die kulturwissenschaftliche Reihe Stroemfeld/Nexus übernommen, darunter die berühmten Bücher von Jessica Benjamin (Die Fesseln der Liebe) und Harold Bloom (Kabbala). Wir setzen die Reihe als Klostermann/Nexus fort. Von Wolfram Groddecks "Reden über Rhetorik" brachten wir eine Neuauflage, und ferner erschien das Buch "Hass" von Jeannette Fischer.

Im Juli 2020 übernahmen wir überdies von Stroemfeld auch die "Frankfurter Hölderlin Ausgabe" (siehe oben im Abschnitt "Literaturwissenschaft")

ZfBB Sonderbände

Buch- und Bibliothekswesen

Die deutsche Teilung brachte es mit sich, dass das in Leipzig erscheinende "Zentralblatt für Bibliothekswesen" nicht mehr Organ für die westdeutschen Länder sein konnte. So kam es  wiederum durch Vermittlung von Hanns Wilhelm Eppelsheimer  1945 zur Gründung der "Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie"; sie wird seit letztem Jahr von Klaus Ceynowa, Barbara Schneider-Kempf und Frank Scholze betreut.

Seit 1963 wird ZfBB durch eine Reihe von Sonderbänden flankiert; ab Band 56 herausgegeben von Jürgen Hering und seit Band 89 herausgegeben von Georg Ruppelt. Die letzten Bände galten den "Faust-Sammlungen" und "Ressourcen für die Forschung" mit der Vorstellung einer Reihe von Spezialsammlungen der Regionalbibliotheken. Mit dem Jahr 2019 hat Reinhard Laube (Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Weimar) die Herausgeberschaft übernommen.

Kanji

Kanji und Hanzi

"Habent sua fata libelli": Dies Sprichwort könnte auch herhalten für ein weiteres Tätigkeitsfeld des Verlags: Auf den in Japan lehrenden amerikanischen Autor James W. Heisig waren wir zunächst wegen seines in spanischer Sprache vorgelegten Buchs über die japanische "Philosophie des Nichts" aufmerksam geworden. Raimund Herder, sein spanischer Verleger, erzählte uns auf einer Buchmesse beiläufig, dass Heisig auch eine Reihe von Lehrbüchern zu den Kanji geschrieben habe, mit großem Erfolg in der englischsprachigen und spanischen Welt. Der Erfolg verdankt sich der besonderen Methode, die der Autor entwickelt hat – Heisig erschließt das Reich der japanischen Schriftzeichen anhand kleiner Erzählungen und mnemotechnischer Elemente. Was durch jahrelanges verzweifeltes Pauken kaum zu erreichen ist, das gelingt mit ihrer Hilfestellung innerhalb weniger Monate: Die Bedeutung der Schriftzeichen zu erlernen und – sie dauerhaft zu behalten. Wir erwarben die Rechte für die deutschsprachigen Ausgaben, die Robert Rauther besorgt.

Zunächst erschienen Lernbücher nur für die japanischen Kanji und Kana, im Jahr 2009 brachten wir die ersten Bände auch für die chinesischen Hanzi heraus.

Klostermann Essay

Essay – ein neuer Anlauf

Mit der Publikation von Max Kommerells "Hugo von Hofmannsthal" begann mein Vater 1930 seinen Verlag. 1931 folgten "Jugend ohne Goethe" (ebenfalls von Kommerell) und Walter F. Ottos "Der europäische Geist und die Weisheit des Ostens" und 1933 Karl Löwiths "Kierkegaard und Nietzsche". Es waren dies die ersten vier Bände einer Reihe mit schmalen Essays, die später unter dem Titel "Wissenschaft und Gegenwart" zusammengefasst wurden; die Reihe wurde 1989 eingestellt.

Häufig wurden wir seither von unseren Autoren ermuntert, der kleinen Form wieder einen Platz in unserem Verlagsprogramm zu geben. Seit 2019, nach 30 Jahren Unterbrechnung, gibt es diesen Platz wieder: Unter dem Reihentitel "Klostermann Essay" erschienen bislang 7 Bände, die sogleich große Aufmerksamkeit bekamen, zuletzt Hans Ulrich Gumbrechts "Crowds" (war für das "Fußballbuch des Jahres 2020" nominiert), Avital Ronells "Burnout der Autorität", Frank Witzels "Die Unmöglichkeit eines Ich" sowie Peter Truschners "Die Maske abgenommen".

 

Vittorio E. Klostermann