Drucken

Programmarbeit

Programmarbeit

 

 

signet_baum_kl

Persönliche Vorlieben und Zufälle bestimmen nicht nur den Werdegang von Menschen, sondern auch von Unternehmen. Mein Vater, Vittorio Klostermann, geboren 1901, hatte in Köln Max Scheler und in Bonn Joseph A. Schumpeter gehört und wollte eigentlich – wie sein Schulfreund Hermann Josef Abs – Bankier werden. Da er jedoch im Bankgewerbe keine Lehrstelle fand, holte ihn mein Großvater Eckard Klostermann in das von ihm geleitete Buchhandelsunternehmen Friedrich Cohen nach Bonn und übertrug ihm 1928 die Aufgabe der Verlagsleitung. Max Scheler, Walter F. Otto und Karl Mannheim konnte er für das Verlagsprogramm bei Cohen gewinnen. In den zwei Jahren seiner Tätigkeit dort machte er die Bekanntschaft zahlreicher weiterer Autoren, die seinen späteren Lebensweg begleitet haben. Wegen der schwierigen ökonomischen Situation, in die das Unternehmen aufgrund der Weltwirtschaftskrise geriet, musste die Verlagstätigkeit bei Cohen eingestellt werden. Vittorio Klostermann wechselte nach Frankfurt und gründete 1930 unter seinem Namen einen eigenen Verlag: Hanns W. Eppelsheimer, Hans-Georg Gadamer, Max Kommerell, Paul Ludwig Landsberg, Walter F. Otto, Karl Reinhardt, Kurt Riezler, Benno von Wiese waren die Autoren der ersten Stunde – und das Verlagsprogramm damit bereits in den Grundzügen umrissen.

Auch wenn in den 50er Jahren Ernst Jünger als Autor hinzukam – sowie sein Bruder, der Lyriker und Essayist Friedrich Georg Jünger – so war der Verlag doch in erster Linie Wissenschaftsverlag, und er ist es heute ausschließlich (siehe aber unten den Abschnitt Literaturwissenschaft!). Um die 4.000 Titel sind seit der Gründung erschienen, etwa 1.600 davon sind heute lieferbar, nicht wenige erreichten mehrere Auflagen. Durchschnittlich erschienen in den letzten Jahren etwa 50 Neuerscheinungen und Neuauflagen, hinzu kommen zehn Zeitschriften und Jahrbücher. Seit dem Jahr 2007 können für die meisten Zeitschriften des Verlags Campuslizenzen erworben werden, seit 2012 auch für viele Monographien.

› Zur Verlagsgeschichte

flasch_blumenberg

Philosophie

Die "Philosophischen Abhandlungen" erscheinen seit 1931 im Verlag. Die Reihe enthält sorgfältig ausgewählte Monographien (darunter viele Habilitationsschriften), von 2007 bis 2018 unter der Herausgeberschaft von Rolf Peter Horstmann, Andreas Kemmerling und Tobias Rosefeldt. 113 Bände sind bislang erschienen, die letzten von Christian Barth, Christian Tewes und Jens Rometsch. Mit dem Jahr 2019 übernehmen Dina Emundts, Holmer Steinfath und Tobias Rosefeldt die Herausgeberschaft.

Im Jahr 1975 begann die "Martin Heidegger Gesamtausgabe" zu erscheinen. Von den geplanten 102 Bänden sind mittlerweile 93 Bände erschienen, zuletzt Band 98 "Anmerkungen VI-IX", enthaltend die Schwarzen Hefte der Jahre 1948-1951. 2009 wurde die Reihe "Heidegger Forum" gegründet, mit mittlerweile fünfzehn Bänden.

Seit dem Jahr 1989 erscheinen die "Zeitschrift für philosophische Forschung" und der "Philosophische Literaturanzeiger" im Verlag. Beide Zeitschriften sind in elektronischer Form (auch als Campus-Lizenz) verfügbar. Die Stellung einzelner Beiträge im Open Access (Gold) ist möglich. Nähere Informationen dazu finden Sie hier.

Im Jahr 2003 gründeten wir die Textreihe "Klostermann Seminar". Aber bereits nach wenigen Jahren entschieden wir uns dazu, die Reihe zu einer umfassenderen wissenschaftlichen Taschenbuchreihe auszubauen und benannten sie um in "Klostermann RoteReihe". Viele bekannte Bücher des Verlags sind seither dort in Neuauflagen herausgekommen, nicht nur von den Klassikern Hans-Georg Gadamer, Arnold Gehlen, Martin Heidegger, Karl Mannheim, Walter F. Otto, Karl Reinhardt und Wilhelm Schapp, sondern auch von erfolgreichen Büchern gegenwärtiger Autoren, unter vielen anderen von Emil Angehrn, Werner Beierwaltes, Kurt Flasch, Eckart Förster, Klaus Held, Gunnar Hindrichs, Wolfram Hogrebe, Geert Keil, Wolfgang Künne, Charles Larmore, Dominik Perler, Ulrich Pothast, Oliver R. Scholz, Peter Stemmer, Peter Trawny, Marcus Willaschek und Daniel-Pascal Zorn.

Im Jahr 2013 übernahm der Verlag die Publikationen der Internationalen Hegel-Vereinigung unter dem Reihentitel „Geist und Geschichte“; seither sind vier Bände erschienen.

2014 gründeten Benjamin Schnieder und Tobias Rosefeldt die „Studies in Theoretical Philosophy“. Die Reihe versammelt Arbeiten von vornehmlich jungen Autorinnen und Autoren, die auf höchstem Niveau an der internationalen Forschungsdebatte teilnehmen (bislang neun Bände).

Unter der Obhut von Cleophea Ferrari und Dagmar Kiesel erscheint seit 2016 eine Reihe "Orient und Okzident" mit den Publikationen des gleichnamigen Erlanger Philosophie-Kolloquiums (bislang drei Bände).

Nicht alle Bücher erscheinen in Reihen. Und zwei jüngst erschienene sollen hier besonders hervorgehoben werden: Das große Blumenberg-Buch von Kurt Flasch und der nicht weniger umfangreiche "Essay" von Andreas Kemmerling mit dem Titel "Glauben".

Stern_des_Bundes_Abendland_41

Literatur- und Sprachwissenschaft

Zwei kleine Schriften Max Kommerells "Hugo von Hofmannsthal" sowie "Jugend ohne Goethe" waren die ersten Publikationen des Verlags überhaupt. Hugo Friedrichs "Drei Klassiker des französischen Romans" und das Gracian-Buch von Werner Krauss initiierten den romanistischen Zweig.

Eine bedeutsame Rolle für die Programmarbeit des Verlags nahm Eckhard Heftrich ein, der zusammen mit Hans Wysling das "Thomas Mann Jahrbuch" begründete. Über Hans Wysling wurde der Kontakt zum Zürcher Thomas-Mann-Archiv geknüpft, die Reihe der Thomas-Mann-Studien aus dem Francke Verlag übernommen und neu belebt. Eckhard Heftrich ist auch der Herausgeber der Reihe "Das Abendland", die 1971 als Neue Folge mit Paul Oskar Kristellers "Marsilio Ficino" startete und bislang auf 42 Bände angewachsen ist. Zuletzt erschienen dort ein Band mit Essays und Interpretationen zu Stefan Georges "Der Stern des Bundes" sowie Joana van de Löchts Untersuchungen zu Ernst Jüngers Tagebüchern unter dem Titel "Aufzeichnungen aus dem Malstrom". Eckhard Heftrich wird die Herausgeberschaft mit Band 44 an Dirk Werle übergeben.

Im Jahr 1948 übernahm der Verlag die damals von Fritz Schalk herausgegebenen "Romanischen Forschungen. Vierteljahrsschrift für romanische Sprachen und Literaturen". Die Zeitschrift erscheint jetzt im 130. Jahrgang; die literaturwissenschaftliche Abteilung wird von Cornelia Ruhe betreut, die sprachwissenschaftliche von Franz Lebsanft. Unter derselben Herausgeberschaft erscheinen auch die ursprünglich als Beihefte zur Zeitschrift gegründeten "Analecta Romanica", die in erster Linie ausgewählte Habilitationsschriften versammeln.

Aus der Verbindung mit Hanns Wilhelm Eppelsheimer, dessen Dissertation über Petrarca Vittorio Klostermann schon 1928 bei Cohen verlegt hatte und mit dessen "Handbuch der Weltliteratur" der Verlag besondere Erfolge hatte, erwuchs in den 50er Jahren der literaturwissenschaftlich-bibliographische Zweig des Verlags. Hervorzuheben sind heute vor allem die "Bibliographie der deutschen Sprach- und Literaturwissenschaft" und Klapps "Bibliographie der französischen Literaturwissenschaft", beide auch als Online-Datenbanken zugänglich.

Die alte Verbindung zu den Brüdern Ernst und Friedrich Georg Jünger trägt Jahrzehnte später neue Früchte: Ein Jahrbuch, "Jünger Debatte", begann 2017 zu erscheinen, als Publikationsorgan der Jünger-Gesellschaft herausgegeben von Thomas Bantle, Alexander Pschera und Detlev Schöttker. Schwerpunkt des ersten Bandes ist Ernst Jüngers Verhältnis zum Judentum, der diesjährige Band wird sich den "Marmorklippen" widmen und der des Jahres 2019 dem Thema „Technik und Medien bei den Brüdern Jünger“.

Die "Rote Reihe" öffnet sich vermehrt auch literaturwissenschaftlichen Themen. Zuletzt erschienen dort Arbeiten von Emil Angehrn "Sein Leben schreiben" und "Zwei Zigeuner, schwarz und gräulich" über Zigeunerbilder deutscher Dichter. Im Frühjahr 2019 wird ",Barocke' Lyrik lesen" von Dirk Werle folgen. 

SteuRG_300

 

 

Rechtsgeschichte, Rechtsphilosophie

Mit Helmut Coings "Die Rezeption des Römischen Rechts in Frankfurt am Main" erschien 1939 das erste rechtshistorische Buch in unserem Verlag. Fritz von Hippel folgte mit "Wahrheitspflicht und Aufklärungspflicht der Parteien im Zivilprozeß" und gründete, gemeinsam mit Erik Wolf, 1964 die "Juristischen Abhandlungen", die ab Band 20 von Wolfgang Naucke, seit Band 40 von Cornelius Prittwitz herausgegeben werden. Als letzte Bände erschienen hier Arbeiten der Autoren Jochen Bung, Georg Steinberg und Michael Kubiciel.

Durch die frühe Verbindung zu Helmut Coing wurde der Verlag auch mit den Publikationen des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte betraut. Zunächst mit dessen Jahrbuch "Ius Commune", später mit all den Reihen, die aus der Institutsarbeit erwachsen sind, u.a.:"Studien zur europäischen Rechtsgeschichte""Rechtsprechung", "Studien zu Policey und Policeywissenschaft" sowie der Zeitschrift "Rechtsgeschichte", heute herausgegeben von Thomas Duve und Stefan Vogenauer. Die Zeitschrift, die einen guten Einblick in die Themen und Forschungen des Instituts gibt, wird gleichzeitig mit der gedruckten Ausgabe Open Access gestellt.

Im Jahr 2009 erhielt Werner Gephart die Förderung des BMBF für ein Käte Hamburger Kolleg „Recht als Kultur“. Das Kolleg möchte einen Beitrag zum Verständnis von Recht in Zeiten einer voranschreitenden Globalisierung normativer Ordnungen leisten. 21 Bände seiner Schriftenreihe "Recht als Kultur" sind mittlerweile erschienen, zuletzt drei Blicke über den Rand des Fachs: Laurent de Sutters „Poétique de la Police“, „Law and the Arts“ und Werner Gepharts „Some Colours of the Law“.

ZpTP

Psychoanalyse

Seit Jahrzehnten sind wir mit den Frankfurter Kollegen des Stroemfeld-Verlags befreundet. Und als sich KD Wolff im Frühjahr letzten Jahres entschloss, die von ihm vor knapp zwanzig Jahren gerettete „Zeitschrift für psychoanalytische Theorie und Praxis“ im Einvernehmen mit den Herausgeberinnen abzugeben, da waren wir gerne zur Stelle: Jahrgang 31 (2016) der ZpTP haben wir gemeinsam mit Stroemfeld zu Ende gebracht, seit Jahrgang 32 (2017) tragen wir die verlegerische Verantwortung alleine.

ZfBB_Sd.-Bd.121

Buch- und Bibliothekswesen

Die deutsche Teilung brachte es mit sich, dass das in Leipzig erscheinende "Zentralblatt für Bibliothekswesen" nicht mehr Organ für die westdeutschen Länder sein konnte. So kam es — wiederum durch Vermittlung von Hanns Wilhelm Eppelsheimer — 1945 zur Gründung der "Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie", die im Jahre 2018 im 65. Jahrgang von Klaus Ceynowa, Elisabeth Niggemann und Barbara Schneider-Kempf herausgegeben wird. Seit 1963 wird die Zeitschrift durch eine Reihe von Sonderbänden flankiert; ab Band 56 herausgegeben von Jürgen Hering und seit Band 89 herausgegeben von Georg Ruppelt. Die letzten Bände waren Michael Knoches "Auf dem Weg zur Forschungsbibliothek" und die von Irmgard Siebert herausgegebenen Streifzüge durch die Bibliothekswelt der ULB Düsseldorf unter dem Titel "Das Paradeis fanden wir ...".

Kanji_Schuber

Hanzi und Kanji

"Habent sua fata libelli": Dies Sprichwort könnte auch herhalten für ein weiteres Tätigkeitsfeld des Verlags: Auf den in Japan lehrenden amerikanischen Autor James W. Heisig waren wir zunächst wegen seines in spanischer Sprache vorgelegten Buchs über die japanische "Philosophie des Nichts" aufmerksam geworden. Raimund Herder, sein spanischer Verleger, erzählte uns auf einer Buchmesse beiläufig, dass Heisig auch eine Reihe von Büchern zu den Kanji geschrieben habe, mit großem Erfolg in der englischsprachigen und spanischen Welt. Der Erfolg verdankt sich der besonderen Methode, die der Autor entwickelt hat – Heisig erschließt das Reich der japanischen Schriftzeichen anhand kleiner Erzählungen und mnemotechnischer Elemente. Was durch jahrelanges verzweifeltes Pauken kaum zu erreichen ist, das gelingt mit ihrer Hilfestellung innerhalb weniger Monate: Die Bedeutung der Schriftzeichen zu erlernen und – sie dauerhaft zu behalten. Wir erwarben die Rechte für die deutschsprachigen Ausgaben, die seither von Co-Autor Robert Rauther besorgt werden.

Zunächst erschienen Lernbücher nur für die japanischen Kanji und Kana, im Jahr 2009 brachten wir die ersten Bände auch für die chinesischen Hanzi heraus.

 

Vittorio E. Klostermann
(Stand: 17. Oktober 2018)